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Angela Merkel stellt sich im YouTube-Interview den Fragen junger Wähler

Screenshot des YouTube-Interviews mit Angela Merkel.

Am 24. September steht sie wieder an: die Bundestagswahl. Zum 19. Mal entscheidet Deutschland, welche Abgeordneten in den Bundestag einziehen und wer die nächste Regierung stellt. Dazu dürfen 61,5 Millionen Deutsche im September ihr Kreuzchen setzen.

Und so langsam starten die unterschiedlichen Parteien in die heiße Phase ihres Wahlkampfs. Jetzt gilt es, die Wähler von ihren Ideen zu überzeugen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel möchte so viele Menschen wie möglich erreichen und hat sich deshalb zum zweiten Mal auf ein YouTube-Interview eingelassen.

Vier YouTuber - ItsColeslaw, AlexiBexi, Ischtar Isik und MrWissen2Go - durften die Bundeskanzlerin eine volle Stunde lang zu unterschiedlichen Themen befragen. Die Fragen kamen unter anderem von den Communitys der YouTuber, die sie über die letzten Wochen sammelten. Bildung, Ehe für Alle und die Frage nach dem Lieblingsemoji hat die Kanzlerin ebenso zu beantworten versucht wie die Frage nach Elektroautos in Deutschland oder der Wahrscheinlichkeit eines dritten Weltkriegs.

Mehr Lesen: Bundeskanzlerin Angela Merkels Videobotschaft an Global Citizens

Auf Twitter wurde während der gleichen Zeit unter dem Hashtag #DeineWahl kräftig mitdiskutiert.

Global Citizen hat den Livestream verfolgt und bei bestimmten Antworten ganz besonders hingehört.

Diese vier YouTuber durften die Bundeskanzlerin eine ganze Stunde lang mit Fragen löchern.

„Was tun Sie konkret, um die Bildungschancen [in Deutschland] zu verbessern?”

Die YouTuberin ItsColeslaw wollte es beim Thema Bildung genau wissen und fühlte der Bundeskanzlerin auf den Zahn. „Eine Gesellschaft ist vor allem dann gerecht, wenn Kinder aus verschiedenen Familienverhältnissen die Möglichkeit haben, gleiche Bildungschancen zu bekommen”, leitete sie die Frage ein. Die Antwort von Angela Merkel ließ nicht lange auf sich warten. Man habe den Rechtsanspruch auf einen KITA-Platz in den letzten Jahren durchgesetzt, denn die CDU wisse, dass Bildungschancen schon für sehr junge Kinder wichtig sind. Jetzt will die Partei einen Rechtsanspruch für eine Nachmittagsbetreuung in der Grundschule einsetzen.

Die Bundeskanzlerin gibt aber zu, dass es um die gleichen Bildungschancen nicht so gut bestellt ist, wie man sich das wünschen würde: „Deshalb muss daran auch weitergearbeitet werden und ich sehe das als eine der Hauptaufgaben an.”

ItsColeslaw hatte ebenfalls die Zeit, eine weitere Sache anzusprechen, die ihre Community sehr beschäftigt hatte: Merkels Neinstimme zum Thema Ehe für Alle.

Was sagen Sie zu Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die sich [beim Thema Ehe für Alle] sehr von Ihnen im Stich gelassen fühlen?

Die Bundeskanzlerin bestätigte zwar, dass sie ihre Meinung über die Adoption von Kindern in gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften geändert habe, nicht aber über die Ehe für Alle: „Für mich ist die Ehe nach dem Grundgesetz eine Verbindung von Mann und Frau und deshalb habe ich bei der Abstimmung mit Nein gestimmt.”


Weiter ging es mit dem YouTuber AlexiBexi, der Angela Merkel vor allem zu den Themen Dieselfahrzeuge und Elektroautos befragte. Eine Frage schien dem YouTuber ganz besonders am Herzen zu liegen - nicht zuletzt deshalb, weil er selbst ein Elektroauto fährt:

Haben Sie ihr Vorhaben, Elektroautos auf die Straße zu bringen, aufgegeben?

Gehe es nach der Bundeskanzlerin, muss von politischer Seite viel mehr Druck auf die Automobilindustrie ausgeübt werden, damit sie sich verbessere. Prinzipiell stehe dem Vorhaben, mehr Elektroautos auf die Straße zu bringen, aber nichts im Wege. Doch auch sie gibt zu, dass selbst der Fuhrpark des Bundes gründlich überholt werden müsse.

Diese Twitter-Userin weiß jedenfalls genau, was sie sich für die Zukunft wünscht:

Haben Sie ein Lieblingsemoji?

Ob die Kanzlerin vorab mit dieser Frage gerechnet hat? Man weiß es nicht genau. Zumindest fand sie eine Antwort: der Smiley sei ihr Lieblingsemoji. Manchmal sogar mit einem kleinen Herzchen dran. Und wenns mal nicht so gut ist, kann man auch schonmal die Schnute nehmen,sagt die Bundeskanzlerin.

Bringt meine Wahlstimme überhaupt was?

Die YouTuberin Ischtar Isik darf dieses Jahr zum ersten Mal wählen. Wie ihr geht es 3 Millionen anderen in Deutschland auch. Aber: Wenn alle Menschen unter 30 Jahren dieses Jahr wählen würden, gäbe es immer noch weniger Wähler als die über 60-Jährigen. Da fühlt man sich als Jungwähler schnell irrelevant.

Doch die Bundeskanzlerin versicherte der YouTuberin und allen Zuschauern, dass ihre Stimme genauso viel zähle wie die eines 60-Jährigen. Und von dieser Stimme sollte man auch Gebrauch machen, schließlich gehe es um das eigene Leben und darum, wie man dieses Leben gestalten möchte. „Mit welcher Partei in der Regierung wird das, was mir persönlich wichtig ist, am besten umgesetzt?” sagt die Kanzlerin.

Twitter-User fanden allerdings, dass die Politik noch einiges mehr für die jungen Wähler machen müsse, auch wenn es laut der Bundeskanzlerin einen wöchentlichen Video-Podcast auf YouTube, einen Facebookauftritt der Bundesregierung und sogar einen Instagram-Account gibt:

Als weibliche YouTuberin interessierte sich Ischtar Isik zudem für das Thema Sexismus. Sie wollte von der Bundeskanzlerin wissen, was sie konkret mache, um gegen Sexismus innerhalb der Parteien vorzugehen. Merkel achte ihrer Meinung nach darauf, dass keine anzüglichen Bemerkungen gemacht würden und dass vermeintlich weibliche Themen wie Familie und Erziehung genauso behandelt werden wie andere Themen auch.

Wenn Sie wiedergewählt werden, können Sie sich ihr Kabinett selbst zusammenstellen. Werden Sie einen Frauenanteil von 50% anstreben?

Ischtar wollte es genau wissen und hakte nach. Merkel sagte, dass sie das für ihre Partei anstreben würde. Es werde aber wahrscheinlich wieder eine Koalitionsregierung geben und den Frauenanteil könnte sie nicht für andere Parteien bestimmen. Trotzdem sagte sie: „Ich würde darauf achten, dass wir fast die 50% erreichen.”


Die letzten 15 Minuten blieben für den YouTuber MrWissen2Go übrig. Nachdem er die Bundeskanzlerin nach ihrem Beziehungsstatus mit Erdogan und der Türkei befragte, lag ihm noch ein Thema am Herzen: das Thema Flüchtlinge. Merkel äußerte sich sowohl über die humanitäre Notlage, die sich in Europa in den Jahren 2015 und 2016 zeigte, als auch zum Thema Entwicklungspolitik, für das sich auch Global Citizen einsetzt:

Wir können nur gut und friedlich und sicher leben, wenn wir uns nicht nur auf uns selbst konzentrieren, sondern auch aufpassen, dass um uns herum Menschen auch ein Auskommen haben. Das heißt, vor Ort helfen, Entwicklungspolitik machen. Das wird noch in viel stärkerem Maße in der Zukunft zu unserer Politik dazu gehören.


Insgesamt schauten 55.000 Menschen den vier YouTubern zu, wie sie versuchten, Merkel aus der Reserve zu locken. Die Meinungen, ob das geklappt hat, fielen auf Twitter und anderen Seiten unterschiedlich aus. Auf YouTube kann man sich das ganze Interview nachträglich noch einmal ansehen und sein eigenes Bild machen.