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Alan Jamieson / Newcastle University
Umweltschutz

Selbst das kleinste Lebewesen im tiefsten Ozean hat Plastik im Bauch

Warum das wichtig ist
Die weltweite Plastikverschmutzung nimmt immer größeren negativen Einfluss auf unsere globalen Ökosysteme. Die nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen rufen unter anderem zu einem verstärkten Umweltschutz auf. Einige Länder sind diesem Aufruf bereits gefolgt. Doch es müssen noch mehr werden, damit das weltweite Plastikproblem gelöst werden kann. Hier kannst auch du mit uns gemeinsam aktiv werden.

Sie werden immer häufiger: Berichte von toten Walen, Schildkröten und Seevögeln. Ihre Mägen sind voller Plastik. Sie sind entweder qualvoll verhungert oder erstickt.

Ein Team von Wissenschaftlern nahm dies zum Anlass, das Ausmaß der Plastikbelastung, sowie die Auswirkungen der Verschmutzung auf die Meerestierwelt, zu messen. Für ihre Untersuchungen entschieden sie sich für die entlegenste Region im Ozean.

Sie schickten Messfahrzeuge in die tiefsten Meeresgräben, um dort winzige Amphipoden (auch als Flohkrebse bekannt) zu untersuchen, die in dieser rauen Umgebung leben und nach Nahrung suchen.

Im sogenannten Marianengraben, eine Tiefseerinne im westlichen Pazifischen Ozean und der tiefste Punkt im Ozean, hatte jeder einzelne, gefangene Flohkrebs mindestens eine Kunststofffaser im Magen. So lauten die Ergebnisse der Studie, die im Februar dieses Jahres in der Zeitschrift Royal Society Open Science veröffentlicht wurde.

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Insgesamt wurden sechs Tiefseerinnen untersucht. 72 Prozent aller Flohkrebse aus diesen Rinnen hatten Kunststoffpartikel im Körper. Und auch wenn diese Kunststoffteile winzig waren – betrachtet man sie im Verhältnis zur Größe des Krebses, dann sind diese Partikel in etwa so groß, wie ein ein Meter langes Plastikseil in einem Menschen, erklärten die Forscher gegenüber dem Online-Magazin The Atlantic.

Außerdem kann der Kunststoff den Meereslebewesen in mehrfacher Hinsicht schaden, erklärt Alan Jamieson, verantwortlicher Autor des Berichts. Zum einen ist Plastik unverdaulich und nimmt damit Platz im Darm ein. Wenn sich dann noch genügend Plastik im Magen eines Tieres befindet, könnte dieses fälschlicherweise denken, es sei satt – und somit verhungern.

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Kunststoff ist zudem ein Magnet für giftige Chemikalien wie polychlorierte Biphenyle oder PCBs, die ebenfalls die Gesundheit von Tieren beeinträchtigen. In anderen Forschungsarbeiten hat Jamieson bereits die PCB-Verschmutzung in Meeresumgebungen dokumentiert.

Flohkrebse, die in den tiefsten Gegenden unserer Ozeane leben, sind von Natur aus gezwungen, ausgezeichnete Aasfresser zu sein. Futterknappheit und Lichtmangel, kilometerweit unterhalb der Wasseroberfläche, machen jedes noch so kleine Stückchen Nahrung wertvoll. Kein Wunder also, dass Flohkrebse so auf Plastikteile stehen.

Noch sind weitere Nachforschungen notwendig, um herauszufinden, was das viele Plastik mit der langfristigen Gesundheit der Flohkrebse macht. Die Auswirkungen der Plastikverschmutzung auf andere Meereslebewesen könnten jedoch bereits wichtige Anhaltspunkte liefern. Forscher fanden heraus, dass die Sterblichkeitsrate einer Schildkröte um 20 Prozent steigt, nachdem sie nur ein einziges Stück Plastik gefressen hat.

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Die Vermutung liegt also nahe, dass Flohkrebse durch Plastik ähnlichen Schaden nehmen. Sollte dies der Fall ist, dann stellt die Plastikverschmutzung eine existenzielle Bedrohung für die gesamte Nahrungskette der Meere dar. Denn diese winzigen Kreaturen sind eine enorm wichtige Nahrungsquelle für andere Tiere, de wiederum zur Nahrungskette anderer Tiere gehören. Und so weiter. Kurz: Der ganze ökoligische Kreislauf ist betroffen. 

Das sieht auch Jamieson so: "Das Plastikproblem wird sich nur noch verschlimmern", sagt Jamieson gegenüber dem Online-Magazin The Atlantic. "Wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es auch hinaus."