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In this Aug. 13, 2015, file photo, a plastic bottle lies among other debris washed ashore on the Indian Ocean beach in Uswetakeiyawa, north of Colombo, Sri Lanka.
Gemunu Amarasinghe/AP
Umweltschutz

Aus einem Kabeljau lassen sich 1.400 Plastiktüten herstellen

Warum das wichtig ist
320 Millionen Tonnen Plastik werden weltweit pro Jahr produziert. 8 Millionen davon landen jährlich in unseren Ozeanen. Die Vereinten Nationen (UN) haben entschieden, unsere Welt bis 2030 nachhaltiger, umweltfreundlicher und lebenswerter gestalten zu wollen. Setz dich mit uns dafür ein, dass dieses Ziel erreicht wird.

Schokoladeneis, Rückenmassagen, Plastik-Alternativen aus Fischabfällen. Bei manchen Dingen sind sich alle einig: Geil!

Und für eines dieser Dinge gewann Lucy Hughes nun den James Dyson Award. Richtig geraten: Es geht um die Plastik-Alternative au Fischresten. Die 23-jährige Designerin wurde in London geboren und studierte an der University of Sussex. Den James Dyson Award erhielt Hughes für ihre innovative und nachhaltige Erfindung: MarinaTex.

MarinaTex wird aus den Schuppen und Gräten von Fischen hergestellt. Das “Fischplastik”  bleibt vier bis sechs Wochen stabil und zersetzt sich dann selbst – und ist damit eine nachhaltige Alternative zu Verpackungen aus herkömmlichem Plastik.

Nach über 100 Experimenten hatte Hughes Erfolg und kann heute aus nur einem Kabeljau bis zu 1.400 Fischplastiktüten herstellen. 

Sie gewann 2,500 US-Dollar (etwa 2.266 Euro), indem sie sich mit ihrem Fischplastik gegenüber einer künstlichen Intelligenz, die Asthma überwacht, und Solarzellen, die an Zelte und Rucksäcke angebracht werden, durchsetzte, berichtet der Guardian.

MarinaTex sieht aus wie herkömmliches Plastik und es fühlt sich auch so an, doch es ist robuster und nachhaltiger. 

Mit Agar, einer Substanz, die aus den Zellwänden von roten Algen gewonne wird, bindet Hughes die Fischreste. Wer hätte sich in einer sich immer weiter zu teilen scheinenden Welt, jemals träumen lassen, dass die Ding von photosynthetischen Organismen zusammengehalten werden?

“Plastik ist ein so faszinierendes Material, dass wir Designerinnen und Ingenieurinnen davon abhängig geworden sind”, sagt Hughes. “Es macht aber einfach keinen Sinn, dass wir Plastik, das Ewigkeiten nicht zerfällt, für Dinge verwenden, die wir nach einem halben Tag wegschmeissen.”

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“MarinaTex repräsentiert für mich eine Art der Selbstverpflichtung zu materiellen Innovationen und deren Auswahl, indem der Designprozess von Nachhaltigkeit, Lokalität und den Faktor Zeit bestimmen wird”, sagt Hughes weiter. “Als Erfinderinnen und Herstellerinnen dürfen wir uns nicht auf Form und Funktion beschränken, sondern müssen Form, Funktion und ökologischen Fußabdruck mit einbeziehen.”

Weltweit werden jährlich 320 Millionen Tonnen Plastik hergestellt. Bis 2034 soll sich diese Zahl verdoppeln, schreiben Surfers Against Sewage. Gleichzeitig werden aber 90,5 Prozent des Plastiks nicht recycelt. 

Viel Plastikmüll landet also auf Müllhalden oder wird verbrannt und generiert dabei Treibhausgase, die den Klimawandel vorantreiben. 

Plastik, das in den Ozeanen landet, schadet dem maritimen Leben, da es von  Meeresbewohner*innen verspeist werden kann. Letztlich ist es dann auch möglich, dass Plastik, das sich in beispielsweise Fische befindet, auch von Menschen aufgenommen wird. 

Trotz des Verbots von kostenlosen Plastiktüten gehört Deutschland in Sachen Plastikmüll in Europa zu den Spitzenreitern: 38 Kilogramm Plastikmüll produziert jede*r Deutsche im Jahr. Zu diesem Ergebnis kommt der Plastikatlas 2019. Das ist deutlich mehr als der/die durchschnittliche EU-Bürger*in mit 24 Kilogramm zu verantworten hatte.

Blickt man auf Verpackungsmüll im Allgemeinen, fällt die Bilanz noch düsterer aus: Niemand produziert so viel wie die Deutschen. 220,5 Kilo pro Kopf und Jahr waren es hierzulande 2016. Damit sich dies ändert, müssen Politiker*innen strengere Gesetze erlassen und Konsument*innen umdenken. Aber auch Innovationen wie MarinaTex können helfen die Herstellung von Plastik zu reduzieren und gleichzeitig Fischreste, für die sonst niemand eine Verwendung hat, sinnvoll zu verarbeiten.