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Bildung

LEGO will Bildungssystem umkrempeln: Kinder sollen statt Unterricht mehr spielen

CB Libraries

Manchmal ist die Zeit gekommen, da sollten Schulbücher lieber gegen kleine bunte Bausteine getauscht werden. So lautet zumindest die Überzeugung des weltweit größten und bekannten Spielzeugherstellers LEGO.

Die LEGO Foundation steht bereits in den Startlöchern, um die Zukunft des weltweiten Bildungswesens sozusagen Stein für Stein umzukrempeln, in dem sie die bisherige Überzeugungen und Schulsysteme auf den Prüfstand stellen will. So fordert die Firma unter anderem besondere “Spielzeiten” in der frühkindlichen Erziehung. Natürlich sind sich hier nicht alle Experten einig.

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Bildung ist der Schlüssel zu einer gut ausgebildeten Generation von Morgen und damit elementarer Bestandteil im Kampf gegen die weltweite extreme Armut. Lehrer, Eltern und Regierungen sollten sich daher fragen, wie Kinder durch ihre Erfahrungen im Klassenzimmer bereits im frühen Alter auf die Zukunft vorbereitet werden können. Die Schüler von heute sind die Chefs von Morgen und gerade deshalb ist es so wichtig, scheinbar erfolglose Bildungsmaßnahmen zu hinterfragen und die Qualität des Unterrichts weltweit für die Zukunft zu verbessern.

Die seit 29 Jahren bestehende LEGO Foundation ist fest davon überzeugt, dass es an der Zeit sei, den immensen Druck, der auf den Kinderschultern durch Eltern und Regierung lastet, endlich zu reduzieren. Der zunehmende Konkurrenzdruck schreibt den Schulen vor, ihren Schülern so viel wie möglich beizubringen - und das so früh wie möglich und so schnell wie möglich. Dieses Verhalten könnte allerdings dazu führen, dass Kinder in ihrer persönlichen wie auch schulischen Entwicklung gehemmt werden.

„Kinder sollten bis zu einem Alter von 8 Jahren überwiegend durch Spielen lernen”, meint Hanne Rasmussen, Vorstandsvorsitzende bei LEGO.

Die Foundation glaubt, dass Schülern viele Entwicklungsmöglichkeiten verwehrt bleiben, wenn Lernen nur auf Bücher beschränkt ist - nämlich das Entdecken von Kreativität, die Fähigkeit zur Problemlösung und Einfühlungsvermögen. Spielerisches Lernen beinhaltet praktisches Lernen mit den Händen und stärkt das Miteinander unter Kindern und zielt nicht nur auf das bloße Behalten von Zahlen und Wörtern ab.

Hanne Rasmussen geht davon aus, dass Eltern und Schulen die Bedeutung von spielerischem Lernen nicht ausreichend bewusst ist und es deshalb übersehen wird. 

LEGO hat es sich daher zum Ziel gesetzt, die Denkweise von Erziehern und Lehrern weltweit zu ändern. Die Foundation plant, in die Forschung zu investieren, um eine tiefere Einsicht in die Bedeutung des Spielens in der Entwicklung des Kindes zu erhalten, und herauszufinden, wie diese messbar ist. Denn Messbarkeit ist eine wichtige Eigenschaft, die es braucht, um in die Bildungspolitik eingreifen zu können.

Teil dieses Plans ist es, speziellen “LEGO Forschern” der Cambridge Universität in England und anderen Hochschulen 4 Millionen britische Pfund zur Verfügung zu stellen, um so weitere Untersuchungen auf diesem Themengebiet zu finanzieren. Eine Untersuchung könnte sich zum Beispiel damit beschäftigen, wie früh spielerisches Lernen auf andere Aspekte in der Entwicklung von Kindern Einfluss nimmt: was passiert im Gehirn, wenn gespielt wird, und wie fördert Spielen das Wachstum, das Lernen und das allgemeine Wohlbefinden.

Irgendwelche Ratschläge für den größten Spielzeughersteller der Welt?

Die Welt mit kleinen bunten Bausteinen zu erobern ist das eine, aber Regierungen und Eltern zum Umdenken zu bringen, das andere.

Der Leitgedanke der LEGO Foundation “Inspiriere und fördere die Erschaffer von morgen” spiegelt das Interesse der Firma an diesem Thema wider, Fachleute und Pädagogen jedoch hinterfragen die Glaubwürdigkeit, die hinter LEGOs Ambitionen steckt.

Denn LEGOs Pläne stellt die bisherige, auf Wissen basierte und unzählige Male geteste Schulbildung, die von den meisten Ländern befürwortet wird, offen infrage.

LEGO Chefin Hanne Rasmussen fühlt sich für diese Herausforderung bereit. Sie ist in Dänemark aufgewachsen und zur Schule gegangen und erinnert sich noch gut daran, dass es während ihrer Schulzeit immer genügend Zeit und Raum zum Spielen gab, um sich miteinander zu beschäftigen und auszutauschen. Dadurch haben sie und ihre Mitschüler viel von und miteinander lernen können und sich in viele verschiedene Richtungen entwickelt.

Einige der Untersuchungen, die an der Cambridge Universität durchgeführt wurden, konnten bereits belegen, dass Kinder Geschichten erzählen und mit Hilfe von LEGOsteinen nachspielen konnten, noch bevor sie diese schreiben konnten. Dies zeige, dass konkrete Spielzeit die Fähigkeit, Geschichten zu erzählen und zu schreiben durchaus unterstützen kann.

Wenn LEGO recht hat, hat dann das Bildungssystem unrecht? Nein, das Bildungssystem hat nicht in allem unrecht, aber es könnte unter Fachleuten und Pädagogen einen eindeutigeren Fokus darauf geben, was in eine hochwertige Schulbildung reingesteckt werden muss, damit in der Zukunft aus Schülern vielseitige Erwachsene werden.

Rasmussen sieht hier für die Bildungspolitik definitiv die Notwendigkeit zur Erforschung aller Aspekte der Kindheit: Natürlich glauben wir, dass der (LEGO)stein ein sehr, sehr wichtiges Mittel beim 'spielerischen Lernen' darstellt, aber ist es das einzige Mittel? Nein, mit Sicherheit nicht.”