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KitKat beendet Partnerschaft mit Fairtrade – und wendet sich damit auch von “Black Lives Matter” ab

Warum das wichtig ist
Ziel acht der Global Goals der Vereinten Nationen (UN) setzt sich für menschenwürdige Arbeit ein und zielt damit auf ein Wirtschaftswachstum ab, bei dem alle Beteiligten von Unternehmertum profitieren. Fairtrade dreht sich genau darum: Dass auch Produzenten in ärmeren Ländern an einem gerechten Handel teilnehmen können. Dass KitKat seine Zusammenarbeit mit Fairtrade aufgibt, gefährdet die erfolgreiche Umsetzung der Global Goals bis 2030. Werde hiermit uns gegen extreme Armut aktiv und setze dich für eine faire Wirtschaft ein.

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Im Jahr 2001 wurde ein Werbeclip für den Schokoriegel KitKat veröffentlicht, in dem berühmte Persönlichkeiten nach dem Motto “Have a Break” eine “Pause” von ihren bekannten Rolle einlegen. In dem Spot sind die aus der Science-Fiction-Serie Doctor Who bekannten Außerirdischen “Daleks” zu sehen, die plötzlich liebesbedürftig darauf bestehen, von allen “geknuddelt zu werden”. Später singen sie gemeinsam mit klatschenden Hare-Krishna-Mönchen über “Friede und Liebe”. Die Marketingidee reicht bis ins Jahr 1957 und sollte mit der neuen Kampagne aufgefrischt werden.

Doch die Wahrheit ist: Die kriegerischen Daleks wollen nicht knuddeln, sie wollen das Universum zerstören. Und KitKat gehört zu dem Unternehmen Nestlé, das für seine schlechten Arbeitsbedingungen regelmäßig Schlagzeilen schreibt. Mit der Entscheidung von KitKat, die Partnerschaft mit Fairtrade zu beenden, bleibt die Marke einem Unternehmensprinzip treu, das Tausende Schwarze Bauern benachteiligt.

Fairtrade: Eine Bewegung gegen die bis heute andauernde Ausbeutung

Schon im Juni berichtete Global Citizen, dass KitKat seine Partnerschaft mit der Fairtrade Foundation beenden wird. Die Fairtrade Foundation ist eine gemeinnützige Organisation, die die Lebensgrundlage von Produzenten in Entwicklungsländern schützt. Der Schritt des Unternehmens war ein weiteres Beispiel für Entscheidungen Weißer Menschen, durch die Schwarze und People of Colour strukturell diskriminiert werden. Dieses Ungleichgewicht kommt nicht von ungefähr – sondern kann als eine direkte Nachwirkung des Kolonialismus gesehen werden.

Um Menschen weltweit über Schwarze Geschichte aufzuklären, wird in Kanada und in den Vereinigten Staaten der Oktober als “Black History Month” gefeiert. Zu diesem Anlass hat Global Citizen eine neue Kampagne gestartet, um zu verhindern, dass sich die Vergangenheit wiederholt. Wir wollen, dass sich Menschen jener Ungleichheiten bewusst werden, die sich direkt vor unseren Augen abspielen und die marginalisierte Menschen in ihren ohnehin geringen Einflussmöglichkeiten zusätzlich einschränken. 

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Kakaoanbau: Ein Leben unter der Armutsgrenze

Der typische Kakaobauer in Westafrika lebt unterhalb der Armutsgrenze. Laut Fairtrade verdienen sie durchschnittlich 83 Cent pro Tag – und damit gerade mal etwas mehr als ein KitKat kostet. Die Entscheidung, Fairtrade den Rücken zu kehren, bedeutet einen enormen Verlust für die ohnehin unterbezahlten Produzenten: Jedes Jahr gehen fast zwei Millionen Pfund (etwa 2,2 Millionen Euro) an Prämien verloren, die die Kakao- und Zuckerbauern sonst erhalten würden. 

Und es gibt voraussichtlich noch dramatischere Folgen: Fairtrade-Prämien helfen nicht nur den Arbeiter*innen, sondern fördern auch Gemeinden. Beispielsweise wurden früher damit Projekte wie Schulen, öffentliche Küchen oder Frauenförderprogramme finanziert. Wohin das Geld fließt, darüber entscheiden die Gemeinden selbst – was ihnen die Möglichkeit gibt, selbstbestimmt Lösungen zu entwickeln.

Wie immer geht es um Macht

Im Kern dieser Entwicklungen geht es wie so oft um Macht. Und zwar um die Art von Macht, von der marginalisierte und Schwarze Gemeinschaften schon immer eher wenig hatten. Die Art von Macht, die von internationalen Konzernen kontrolliert und weggenommen werden kann, wann immer ihnen danach ist.

Ironischerweise stammt die Idee hinter der Marke KitKat von einem Mitarbeiter, der sich die Welt nach dem Zweiten Weltkrieg vorgestellte und sich einen Schokoriegel wünschte, den “ein Mann mit zur Arbeit nehmen kann”.

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Heute jedoch ist KitKat ein Schokoriegel, der vor allem Schwarzen Bauern Probleme bereitet. Das führte so weit, dass Arbeiter*innen in den vergangenen Monaten große Besorgnis über die Machtverschiebung äußerten. Seitdem unterzeichneten mehr als 300.000 Menschen eine Petition und forderten KitKat auf, die Partnerschaft mit Fairtrade weiterzuführen.

Nestlés Versprechen steht bis heute aus. “Die Partnerschaft mit Fairtrade aufzugeben, bedeutet, unsere Stimmen zum Schweigen zu bringen”, sagt Atse Ossey Francis, Vorsitzender des ivorischen Fairtrade-Netzwerks, in einer eindringlichen Botschaft an Nestlé. Das multinationale Unternehmen versprach, im Juli über Rassismus “nachzudenken, zu reden und demnach zu handeln”. Doch was hat sich seitdem getan?

“Dies stellt einen gewaltigen Rückschritt dar – die Macht geht zurück an die Führungskräfte in den Vorstandsetagen von Nestlé und weg von einigen der ärmsten Menschen der Welt – obwohl Nestlé versprochen hatte, als Reaktion auf die “Black Lives Matter”-Bewegung 'wirklich gegen Rassismus einzutreten’”, sagt Zoe Kelland, Direktorin für digitale Kampagnen bei Global Citizen.  

“Es ist wichtig, dass wir Nestlé und anderen großen Unternehmen, die wir beobachten, eine starke Botschaft senden”, fügt Kelland hinzu. “Wir wollen sehen, dass Sie den ärmsten Bauern der Welt ein faires Angebot machen.” 

Der Kampf ist noch nicht vorbei!

Nestlé hat sein Versprechen bis heute nicht eingelöst. Ab Oktober werden die KitKat-Riegel in den Geschäften nicht mehr das Fairtrade-Zeichen tragen. Aber der Kampf ist noch nicht vorbei.

Aus diesem Grund haben wir uns mit anderen Hilfsorganisationen wie CAFOD, der National Union of Students (NUS) und Tearfund zusammengeschlossen, um Nestlé zum Umdenken aufzufordern. Nachdem wir zusammen mit Global Citizens eine starke Botschaft an KitKat und andere große Marken gesendet haben, arbeiten wir hinter den Kulissen eifrig weiter, damit Nestlé unserer Forderung Gehör schenkt  – und einem fairen Deal für die ärmsten Bauern der Welt zustimmt. 

Und die Welt schaut weiterhin zu: Wenn Nestlé und KitKat wirklich an “Black Lives Matter” glauben, werden sie ihr Engagement für den Fairen Handel nicht aufgeben.