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Im Jahr 2001 wurde ein Werbeclip fĂŒr den Schokoriegel KitKat veröffentlicht, in dem berĂŒhmte Persönlichkeiten nach dem Motto âHave a Breakâ eine âPauseâ von ihren bekannten Rolle einlegen. In dem Spot sind die aus der Science-Fiction-Serie Doctor Who bekannten AuĂerirdischen âDaleksâ zu sehen, die plötzlich liebesbedĂŒrftig darauf bestehen, von allen âgeknuddelt zu werdenâ. SpĂ€ter singen sie gemeinsam mit klatschenden Hare-Krishna-Mönchen ĂŒber âFriede und Liebeâ. Die Marketingidee reicht bis ins Jahr 1957 und sollte mit der neuen Kampagne aufgefrischt werden.
Doch die Wahrheit ist: Die kriegerischen Daleks wollen nicht knuddeln, sie wollen das Universum zerstören. Und KitKat gehört zu dem Unternehmen NestlĂ©, das fĂŒr seine schlechten Arbeitsbedingungen regelmĂ€Ăig Schlagzeilen schreibt. Mit der Entscheidung von KitKat, die Partnerschaft mit Fairtrade zu beenden, bleibt die Marke einem Unternehmensprinzip treu, das Tausende Schwarze Bauern benachteiligt.
Fairtrade: Eine Bewegung gegen die bis heute andauernde Ausbeutung
Schon im Juni berichtete Global Citizen, dass KitKat seine Partnerschaft mit der Fairtrade Foundation beenden wird. Die Fairtrade Foundation ist eine gemeinnĂŒtzige Organisation, die die Lebensgrundlage von Produzenten in EntwicklungslĂ€ndern schĂŒtzt. Der Schritt des Unternehmens war ein weiteres Beispiel fĂŒr Entscheidungen WeiĂer Menschen, durch die Schwarze und People of Colour strukturell diskriminiert werden. Dieses Ungleichgewicht kommt nicht von ungefĂ€hr â sondern kann als eine direkte Nachwirkung des Kolonialismus gesehen werden.
Um Menschen weltweit ĂŒber Schwarze Geschichte aufzuklĂ€ren, wird in Kanada und in den Vereinigten Staaten der Oktober als âBlack History Monthâ gefeiert. Zu diesem Anlass hat Global Citizen eine neue Kampagne gestartet, um zu verhindern, dass sich die Vergangenheit wiederholt. Wir wollen, dass sich Menschen jener Ungleichheiten bewusst werden, die sich direkt vor unseren Augen abspielen und die marginalisierte Menschen in ihren ohnehin geringen Einflussmöglichkeiten zusĂ€tzlich einschrĂ€nken.Â
Kakaoanbau: Ein Leben unter der Armutsgrenze
Der typische Kakaobauer in Westafrika lebt unterhalb der Armutsgrenze. Laut Fairtrade verdienen sie durchschnittlich 83 Cent pro Tag â und damit gerade mal etwas mehr als ein KitKat kostet. Die Entscheidung, Fairtrade den RĂŒcken zu kehren, bedeutet einen enormen Verlust fĂŒr die ohnehin unterbezahlten Produzenten: Jedes Jahr gehen fast zwei Millionen Pfund (etwa 2,2 Millionen Euro) an PrĂ€mien verloren, die die Kakao- und Zuckerbauern sonst erhalten wĂŒrden.Â
Und es gibt voraussichtlich noch dramatischere Folgen: Fairtrade-PrĂ€mien helfen nicht nur den Arbeiter*innen, sondern fördern auch Gemeinden. Beispielsweise wurden frĂŒher damit Projekte wie Schulen, öffentliche KĂŒchen oder Frauenförderprogramme finanziert. Wohin das Geld flieĂt, darĂŒber entscheiden die Gemeinden selbst â was ihnen die Möglichkeit gibt, selbstbestimmt Lösungen zu entwickeln.
Wie immer geht es um Macht
Im Kern dieser Entwicklungen geht es wie so oft um Macht. Und zwar um die Art von Macht, von der marginalisierte und Schwarze Gemeinschaften schon immer eher wenig hatten. Die Art von Macht, die von internationalen Konzernen kontrolliert und weggenommen werden kann, wann immer ihnen danach ist.
Ironischerweise stammt die Idee hinter der Marke KitKat von einem Mitarbeiter, der sich die Welt nach dem Zweiten Weltkrieg vorgestellte und sich einen Schokoriegel wĂŒnschte, den âein Mann mit zur Arbeit nehmen kannâ.
Heute jedoch ist KitKat ein Schokoriegel, der vor allem Schwarzen Bauern Probleme bereitet. Das fĂŒhrte so weit, dass Arbeiter*innen in den vergangenen Monaten groĂe Besorgnis ĂŒber die Machtverschiebung Ă€uĂerten. Seitdem unterzeichneten mehr als 300.000 Menschen eine Petition und forderten KitKat auf, die Partnerschaft mit Fairtrade weiterzufĂŒhren.
NestlĂ©s Versprechen steht bis heute aus. âDie Partnerschaft mit Fairtrade aufzugeben, bedeutet, unsere Stimmen zum Schweigen zu bringenâ, sagt Atse Ossey Francis, Vorsitzender des ivorischen Fairtrade-Netzwerks, in einer eindringlichen Botschaft an NestlĂ©. Das multinationale Unternehmen versprach, im Juli ĂŒber Rassismus ânachzudenken, zu reden und demnach zu handelnâ. Doch was hat sich seitdem getan?
âDies stellt einen gewaltigen RĂŒckschritt dar â die Macht geht zurĂŒck an die FĂŒhrungskrĂ€fte in den Vorstandsetagen von NestlĂ© und weg von einigen der Ă€rmsten Menschen der Welt â obwohl NestlĂ© versprochen hatte, als Reaktion auf die âBlack Lives Matterâ-Bewegung 'wirklich gegen Rassismus einzutretenââ, sagt Zoe Kelland, Direktorin fĂŒr digitale Kampagnen bei Global Citizen. Â
âEs ist wichtig, dass wir NestlĂ© und anderen groĂen Unternehmen, die wir beobachten, eine starke Botschaft sendenâ, fĂŒgt Kelland hinzu. âWir wollen sehen, dass Sie den Ă€rmsten Bauern der Welt ein faires Angebot machen.âÂ
Hi @SteAgoUK â you promised to âget real on raceâ in response to the #BlackLivesMatter movement. How does that fit with the decision to stop sourcing @FAIRTRADE cocoa for @KITKAT, which takes power away from Black farming communities worldwide? #IStandWithFarmers
â DEBBIE DIAMONDđâ„ïžđ (@DEBBIED69590597) October 1, 2020
Hi @SteAgoUK â you promised to âget real on raceâ in response to the #BlackLivesMatter movement. How does that fit with the decision to stop sourcing @FAIRTRADE cocoa for @KITKAT, which takes power away from Black farming communities worldwide? #IStandWithFarmers
â wear your mask (@AxelMalingane) October 1, 2020
Hi @SteAgoUK â you promised to âget real on raceâ in response to the #BlackLivesMatter movement. How does that fit with the decision to stop sourcing @FAIRTRADE cocoa for @KITKAT, which takes power away from Black farming communities worldwide? #IStandWithFarmers
â katcos (@katcos15) October 1, 2020
Der Kampf ist noch nicht vorbei!
Nestlé hat sein Versprechen bis heute nicht eingelöst. Ab Oktober werden die KitKat-Riegel in den GeschÀften nicht mehr das Fairtrade-Zeichen tragen. Aber der Kampf ist noch nicht vorbei.
Aus diesem Grund haben wir uns mit anderen Hilfsorganisationen wie CAFOD, der National Union of Students (NUS) und Tearfund zusammengeschlossen, um NestlĂ© zum Umdenken aufzufordern. Nachdem wir zusammen mit Global Citizens eine starke Botschaft an KitKat und andere groĂe Marken gesendet haben, arbeiten wir hinter den Kulissen eifrig weiter, damit NestlĂ© unserer Forderung Gehör schenkt â und einem fairen Deal fĂŒr die Ă€rmsten Bauern der Welt zustimmt.Â
Und die Welt schaut weiterhin zu: Wenn NestlĂ© und KitKat wirklich an âBlack Lives Matterâ glauben, werden sie ihr Engagement fĂŒr den Fairen Handel nicht aufgeben.