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Umweltschutz

4 Monate nach der Klimakonferenz in Paris - mal kurz nachgehorcht, wie's derzeit so aussieht

lexaarts / Shutterstock.com

Knapp 4 Monate ist es her, dass sich Staats- und Regierungschefs aus über 190 Ländern zu einem großen Klimatreffen in Paris, der ‘United Nations Framework Convention on Climate Change, 21st Conference of the Parties’, kurz COP21, getroffen haben.
Global Citizen hat zu der Zeit bereits ausführlich davon berichtet und auch erklärt, was bei einem positiven oder negativen Ausgang auf die Welt zukommen könnte.

Der Ausgang hat weltweit für Schlagzeilen gesorgt: ein großartiges und vor allem ambitioniertes Klimaabkommen ist getroffen worden, das unter anderem vorsieht, die gobale Erderwärmung auf deutlich unter 2°C - am besten sogar auf 1,5°C - zu senken. Es schien, dass die Regierungschefs aller Länder erkannt haben, wie ernst die Lage um das Klima ist und sich bereit gezeigt haben, für Veränderung endlich mal aus den Puschen zu kommen.

So weit so gut. Und wie weiter?


Heute, am 22. April beginnt die heiße Phase. Denn ab heute liegt in New York besagter Vertrag zur Unterschrift aus. Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki Moon, hat ihn dort ausgelegt und die Welt hat ein Jahr lang Zeit, ihn zu unterschreiben. Warum das wichtig ist? Weil mindestens mindestens 55 Länder, die mindestens 55 Prozent der globalen Emissionen abdecken, das Abkommen unterzeichnen müssen, damit es in Kraft tritt.

Yep. So sieht der Ablauf aus. Obwohl, ganz so entscheidend für den Erfolg des Abkommens ist nicht die offizielle Ratifizierung, sondern ob es weltweit gelingt, die Länder zum Umdenken und aktiven Handeln zu bewegen.

Denn um das ehrgeizige Ziel von weniger als 1,5° Grad Erderwärmung zu erreichen, muss jetzt ordentlich was passieren. Zum Beispiel müssen die Treibhausgasemissionen ab jetzt bis zum Jahre 2045 auf fast Null(!) runtergefahren werden. Yep. Da würde bedeuten, dass überall und jeder (absolut jeder!) sich auf erneuerbare Energien umstellen müsste.

Also, ambitioniert, aber nicht unmöglich. Allerdings scheint es, als ob nach gerade mal 4 Monaten die Euphorie zum Handeln bei einigen Teilnehmern ein wenig verpufft zu sein scheint. Böse Zungen behaupten sogar, dass einige sich ein ganz kleines bisschen zu ‘Rumdrucksern’ mausern. Allen voran: die EU-Kommission.

Die hat nämlich nach der Klimakonferenz in Paris mal in die eigenen Unterlagen geschaut, um zu prüfen, ob ihre bereits formulierten Klima- und Energieziele zu den Ambitionen von COP21 passen. Und dann offiziell verkündet: ja, das passt  alles, da müssen wir vorerst nichts an unseren Plänen ändern. Unterlagen zugeklappt, noch schnell eine Notiz zur Wiedervorlage drangetackert. Datum: frühestens im Jahr 2023.

Ähm...ja. Also so ganz passt da was nicht, oder? Denn die Unterlagen, die sich die EU angesehen hat, stammen aus dem Jahr 2014, also zeitlich lange vor COP21. Die neuen, ambitionierten Ziele aus letzten Dezember können da so noch garnicht drin gestanden haben.

Kein Wunder also, dass Aktivisten und Umweltverbände nicht ganz so begeistert waren, als sie die Nachrichten von der EU hörten. „Ein Weiter-wie-bisher wird nicht ausreichen, um unter der Grenze von 1,5 oder 2 Grad Celsius Erderwärmung zu bleiben." sagte beispielsweise Hermann Falk, Geschäftsführer vom Bundesverband für Erneuerbare Energien. „Wir bedauern, dass die EU-Kommission keinerlei Versuche macht, zur Umsetzung der Ergebnisse der COP21 die klima- und energiepolitischen Zielsetzungen der Europäischen Union zu erhöhen."

Die Umweltverbände hatten sich gewünscht, dass die EU zu eine Art Vorreiter wird, in dem sie in einem ersten Schritt ihre vorzeitigen Pläne überarbeitet. Das hätte ein überaus positives Signal an andere Länder gesendet, die Sache ebenfalls jetzt anzupacken.

Denn so scheint in einigen Ländern jetzt das Gegenteil zu passieren: Polen kündigte an, dass es noch strengere Bestimmungen für viel zu ambitioniert hält und ebenso finden Tschechien und Ungarn Gefallen an dem passiven Verhalten der EU und lehnen sich entspannt zurück. Getreu dem Motto: wenn die nichts machen, müssen wir auch nichts machen. Das man hier Äpfel mit Birnen vergleicht, scheint niemanden zu stören.

Und was passiert auf deutscher Seite?


Das deutsche Umweltministerium arbeitet derzeit an einem Klimaschutzplan, welcher bis zum Jahr 2050 “weitere Reduktionsschritte bis zum Zielwert von 80 bis 95 Prozent weniger Treibhausgasemissionen als 1990” will. Man darf also ruhig ein Auge auf diese Entwicklungen werfen, um zu sehen, wie dieser Plan letztendlich aussieht und umgesetzt wird.

Denn eins ist klar: es müssen alle einem Strang ziehen, wenn wir den Klimawandel wirklich so effektiv wie möglich - und das heißt auch so bald wie möglich - bekämpfen wollen. Wenn weiter nichts getan und vor allem weiter kostbare Zeit verschenkt wird, schreiten die Auswirkungen des Klimawandels unaufhörlich voran und treffen vor allem zu aller erst diejenigen, die sich am wenigsten gegen den Klimawandel rüsten können: Menschen in Entwicklungsländer. Auch ein Ende extremer Armut bis zum Jahre 2030 rückt damit in bedrohlich weite Ferne.

Global Citizen wird die Sache weiter verfolgen. Bleibt zu hoffen, dass der Euphorie mit der Einladung Ban Ki Moons zur Unterschrift ab dem 22. April wieder Leben eingehaucht werden kann und entsprechende Motivation zum zeitnahen Handeln mit sich bringt.