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Indian women hug and wish each other during a march on International Women's Day in New Delhi, India, March 8, 2018.
Manish Swarup/AP
Frauenrechte

Per Gerichtsbeschluss: Menstruierende Frauen in Indien dürfen endlich berühmten Tempel betreten

Warum das wichtig ist
Um die 17 nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen zu erreichen, müssen viele Hebel in Bewegung gesetzt werden. Ein Hebel allerdings ist wirklich grundlegend, denn er nimmt auf alle Ebenen Einfluss: Der weltweiten Geschlechterdiskriminierung muss ein Ende gesetzt werden. Setze dich für eine gerechtere Welt ein, indem du hier aktiv wirst.

In die Liste von jüngsten Erfolgen in puncto Stärkung von Frauenrechten weltweit, reiht sich nun eine Entscheidung ein, die der Oberste Gerichtshof in Indien Mitte September getroffen hat: Frauen dürfen ab sofort den heiligen Tempel Ayyappan im südindischen Kerala betreten, auch wenn sie gerade ihre Periode haben.  

“In der Vergangenheit wurden Frauen ungleich behandelt”, sagte Dipak Misra, höchster Vorsitzender des Gerichtshofs, während der Urteilsverkündung. “Unsere Gesellschaft muss sich einem Perspektivenwechsel unterziehen.”

Der Ayyappan Tempel befindet sich auf einem Berg rund 1220 Meter über dem Meeresspiegel, umgeben von einem bewaldeten Reservoir für Tiger. Das Heiligtum ist nur an 127 Tagen im Jahr geöffnet, trotzdem kommen jedes Jahr rund 50 Millionen Pilger. Ein sehr altes Hindu-Gesetz hatte es Frauen seit jeher verboten, während ihrer Periode den Tempel zu betreten.  

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In der indischen Kultur gilt die Periode als etwas “Unreines” und ist daher mit einem tief verwurzelten Stigma belegt. So ist es Frauen verboten, während ihrer Menstruation an gesellschaftlichen Aktivitäten teilzunehmen. Angefangen beim gemeinsamen Kochen über das Einnehmen von gemeinsamen Mahlzeiten bis hin zum Betreten von Tempeln und Heiligtümern sind Frauen während ihrer Periode davon ausgeschlossen.

Mit dem neuesten Urteil ist dieses Verbot zumindest für den Ayyappan Tempel nun hinfällig. “In den vergangenen zwei bis drei Jahren konnten wir miterleben, wie sich in Indien ein liberaler Gerichtshof formte”, stellte Indira Jaising, Anwältin für Frauenrechte, in einem Interview mit der US-amerikanischen Zeitung “Washington Post” fest.

Das liegt allerdings zum Teil auch daran, dass der Gerichtshof sich Themen annimmt, die von der Regierung gemieden werden, berichtet Reuters.

Richter Dipak Misra hielt in seiner Rede fest: “Das Patriarchat in der Religion darf nicht über das Element der reinen Hingabe gestellt werden, das aus dem Glauben und der Freiheit, sich zu seiner Religion zu bekennen und diese zu praktizieren, hervorgeht."

So positiv man das neue Gesetz auch bewerten mag, unmittelbare Veränderung in den Köpfen der Menschen kann es nicht erzwingen. So hat das Management des Tempels gleich nach der Urteilsverkündung seinen Widerstand angekündigt. “Wir werden eine “Review Petition” fordern (Prozess, eine Entscheidung des Obersten Gerichts in Indien anzufechten, Anm. der Red.), sobald wir die Unterstützung anderer religiöser Vorstände haben”, sagte Padmakumar, Vorsitzender des “Travancore Devaswom” Vorstands, die den Tempel verwalten, gegenüber Reuters.