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Frauenrechte

Indien führt Handy-Alarmknopf für Frauen ein

Indien hat eine neue Vorschrift bekannt gegeben, die besagt, dass alle im Land verkauften Handys mit einem Alarmknopf ausgestattet werden müssen, um Mädchen und Frauen besser vor sexuellen Übergriffen und Belästigungen zu schützen. Die neue Regelung soll bereits ab 2017 in Kraft treten - das heißt, ab dann müssen alle Handys bzw. Smartphones mit einer Notruf-Funktion und eingebauter GPS-Ortung ausgestattet sein.

Indiens Ministerium für Kommunikation und Informationstechnologie gab die neue Regelung bereits im April bekannt. Sie ist Teil eines umfangreichen Plans, die Sicherheit der Frauen und Mädchen im Land zu verbessern. Zudem soll in den kommenden Monaten die erste landesweite Notrufnummer eingeführt werden, die Europäern sehr bekannt vorkommen dürfte, nämlich 112. Mit dieser Nummer kann auch in ganz Europa die Polizei, Feuerwehr oder der Notarzt alarmiert werden.

Ravi Shankar Prasad, Minister für Kommunikation und IT, sagt, dass das neue GPS-System ab 2017 vor allem dabei helfen soll, schnelle Hilfe „an den Ort zu bringen, an dem eine Frau in diesem Moment sexuell belästigt wird”.

Die Regierung in Indien arbeitet bereits seit längerem an verschiedenen Lösungen, Frauen und Mädchen im Land besser vor sexueller Gewalt schützen zu können. Ausschlaggebend war der Übergriff auf eine Frau in Indiens Hauptstadt Delhi im Dezember 2012, nachdem diese an den Folgen einer Vergewaltigung und Folterung durch sechs Männer gestorben war. Alle Männer wurden zum Tode verurteilt. Doch auch nach der Verurteilung wurde die Regierung weiterhin scharf kritisiert, weil sie bis dato keine weiteren Maßnahmen zum Schutz von Frauen vor Gewalt eingeleitet hatte.

In der breiten Öffentlichkeit hingegen zeigten sich spürbare Veränderungen. Seit dem Vorfall in 2012 stieg die Anzahl der Frauen, die Vergewaltigungsübergriffe zur Anzeige brachten, sprunghaft an. Und auch die öffentliche Wahrnehmung über Gewalt an Frauen hat sich geändert und wird nun auf öffentlicher Ebene viel stärker diskutiert.  

Denn die Statistiken, die inzwischen auch der indischen Regierung vorliegen, sind nach wie vor schockierend: alle 30 Minuten wird eine Vergewaltigung an einer Frau bzw. einem Mädchen in Indien verübt. Und man vermutet, dass die Dunkelziffer um einiges höher ausfällt, da nicht alle Übergriffe auch angezeigt werden.

Daher also die Einführung der Notruf-Funktion: neue Smartphones sollen mit einem neuen Knopf auf der Rückseite oder mit einem neuen Feature auf dem Display ausgestattet werden, um einen Notruf zu senden. Zudem soll es möglich sein, den Power-Button dreimal zu drücken, um die Notrufzentrale zu erreichen. Auf alten Handygeräten kann ab 2017 die Tastenkombination 5 und 9 gedrückt werden, um einen Notruf zu tätigen. An diese neue Regelung müssen sich ab kommenden Jahr auch wirklich alle Handy- und Smartphone-Hersteller - ja, auch Apple und Samsung - halten.

Ganz neu ist die Idee in Indien allerdings nicht. Die App 'Uber India' war 2015 die erste, die einen Alarmknopf in ihre Taxi-App installierte, nachdem Aussagen über sexuelle Übergriffe durch die Fahrer immer lauter wurden. 

Maneka Ghandi, Indiens Ministerin für den Schutz von Frauen und Kindern, hat sich gemeinsam mit dem Premierminister Narendra Modi seit mehr als zwei Jahren für die Entwicklung des Alarmknopfes eingesetzt. Die Ministerin plant darüberhinaus ein weiteres Feature, welches im Falle eines Knopfdrucks zehn Menschen alarmieren soll, die sich in unmittelbarer Nähe befinden.

Gewalt gegenüber Mädchen und Frauen ist ein weltweites Problem. Um es zu bezwingen, erfordert es allerdings nicht nur ein Umdenken innerhalb einer Kultur, so dass Mädchen und Frauen als gleichberechtigt angesehen und respektiert werden, sondern auch den entschlossenen Einsatz einer Regierung.
Die Entwicklung der Notruf-Funktion für Handys zum Beispiel zeigt, dass hier der Einsatz von Institutionen wie dem Ministerium für Kommunikation & IT und dem Ministerium für den Schutz von Frauen und Kindern essentiell war, um große Konzerne wie Apple und Samsung zum Mitmachen zu bringen.
Jedes Mädchen und jede Frau muss vor sexuellen Übergriffen geschützt werden - egal wo auf der Welt!