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Umweltschutz

Palau macht es vor: so kann Meeresschutz funktionieren

Flickr: LuxTonnerre

Der pazifische Inselstaat Palau mag flächenmäßig vielleicht nicht viel größer sein als die Stadt Köln, doch das zum Staat dazugehörige Ozeangebiet ist fast zweimal so groß wie Deutschland.

So ein riesiges Gebiet zu überwachen ist eine ziemliche Herausforderung, erst recht, wenn die Küstenwache aus gerade einmal 18 Personen und 3 Booten besteht und nur eins der Boote auch wirklich seetüchtig ist.

Trotzdem verfolgt Palau ambitionierte Ziele: es will seine Gewässer schützen und illegalen Fischfang auf Null runterfahren. 

Palau islandImage: Flickr: Syn

Das Vorhaben Palaus könnte schon bald Vorbild für viele weitere Staaten auf der Welt sein.

Das sind die Schritte, die das Inselarchipel eingeleitet hat: zum einen hat die Regierung verboten, mit Schleppnetzen direkt am Meeresboden zu fischen. Bei dieser Art von Fischerei zieht ein Fisch- oder Krabbenkutter trichterartige Fischnetze über den Meeresboden und zerstört damit alles, was den Netzten so im Weg steht. Zusätzlich hat Palau das weltweit erste Haifisch-Schutzgebiet der Welt geschaffen und auch noch dafür gesorgt, dass ab sofort auf jedem Thunfisch-Fangboot mindestens eine Person den Fang überwacht. So kann nämlich sichergestellt werden, dass es nicht mehr zu Beifängen von Haien, Delfinen, Schildkröten oder auch Vogelarten kommt.

Und hier hört der Einsatz Palaus für den Ozean nicht auf: 2015 hat der Inselstaat das bis dahin größte Meeresschutzgebiet - oder besser gesagt die größte No-Take-Zone - der Welt geschaffen. Heißt: auf einem Gebiet von 500.000 km² darf weder gefischt, gebohrt noch gefördert werden!

Damit Palaus Mühen auch langfristig Bestand haben, arbeitet das Land mit verschiedenen staatlichen, gemeinnützigen und kommerziellen Partnern zusammen. Aber auch Privatpersonen setzen sich für den Schutz des Ozeans rund um Palau ein. Und zusätzlich - dem Inselstaat mangelt es nicht an Ideen - versucht das Archipel einzelne Projekte durch Crowdfunding zu finanzieren.

Einer der Partner Palaus ist die gemeinnützige SkyTruth Organisation aus den USA. SkyTruth überprüft für Palau verschiedene Satellitendaten und meldet der Küstenwache sofort, wenn sich etwas verdächtiges auf den Bildern regt.

Doch trotz all der Mühen können manche Probleme und Herausforderungen nicht nur von einem Staat allein bewältigt werden. Dazu braucht es globale Zusammenarbeit.

Fische halten sich ja nicht nur in den Gewässern vor Palau auf, sondern schwimmen wohin sie wollen. Auch wenn eine Nation alles daran setzt, dem illegalen Fischfang ein Ende zu setzen, können Boote fröhlich außerhalb der Hoheitsgewässer warten, bis die Fische sich auf den Weg zu einem neuen Gebiet machen.

School of fish in PalauImage: Flickr: Albert

Doch es ist noch nicht einmal der illegale Fischfang, der das größte Problem der Meere und Ozeane darstellt. Es ist die Überfischung, die weitaus mehr Schäden verursacht. Denn Fischerboote fangen mehr als 80% des gesamten Fischbestandes auf der Welt.

Die Fischer sind dabei mit ihren Fangmethoden so unglaublich erfolgreich geworden, dass sie mittlerweile mehr als 94 Millionen Tonnen Fisch aus den Meeren und Ozeanen holen. Zum Vergleich: in den 1940ern waren es “nur” 16,5 Millionen Tonnen.

Aufgrund dieser Massenfischerei sind 90% aller Fischarten überfischt. Die Menschheit behandelt die Meere und Ozeane so, als ob diese unendliche Fischvorkommen besäßen. Doch so ist es nicht! Und die Folgen davon werden immer spürbarer.

Auch Palau beobachtet diese Effekte genau.

Obwohl der Staat den Fischbestand innerhalb ihrer Gewässer schützen kann, kann es nichts außerhalb ihres Hoheitsgebietes tun. Unter Wasser gibt es keine Grenzen. Und so wird auch Palaus Fischbestand nach und nach im Netz der Fischer landen.

Als wären die Probleme und Herausforderungen nicht schon groß genug, hat Palau gleichzeitig auch mit Meeresverschmutzung zu kämpfen. Denn unweit von Palaus Gewässern wirbelt ein riesiger Plastikstrudel, der für die Unterwasserwelt und alle Lebewesen vor Palaus Küste immer gefährlicher wird.

Ach ja, und dann gibt es da zu guter Letzt auch noch den Klimawandel, der eine weitere Bedrohung für Palaus Küsten darstellt. Denn der Klimawandel erhöht den weltweiten Meeresspiegel und zerstört durch häufiger auftretende tropische Wirbelstürme zahlreiche Korallenriffe vor Palaus Küsten - wie bereits in 2015 einmal geschehen.

Reef in PalauImage: Flickr: NOAA Ocean Explorer

Nichtsdestotrotz zeigen Palaus energische Pläne zum Schutz des Ozeans Erfolg - und das nicht nur zu Hause, sondern auf der ganzen Welt! Denn viele weitere Staaten wollen es dem kleinen Inselstaat gleichtun und engagieren sich für den Meeresschutz!

Die USA haben zum Beispiel eine neue No-Take-Zone ins Leben gerufen und Großbritannien errichtete die größte, zusammenhängende No-Take-Zone rund um die Pitcairninseln im südlichen Pazifik.

China hat ebenfalls auf der Our Ocean Conference 2015 verlauten lassen, dass es ein Meeresschutzgebiet von fast 1.000.000 km² errichten will. Solche Entscheidungen lassen hoffen, dass in vielen Ländern ein Umdenken stattfindet, was den Schutz unserer Meere und Ozeane angeht. Denn dass dies nötig ist, zeigt ein Blick auf weitere Zahlen:

Momentan stehen gerade einmal 2% des gesamten Ozeangebiets unter Schutz (wobei auch hier zum Teil gefischt oder gebohrt werden darf). Experten sind aber der Überzeugung, dass mindestens 10% des Gebiets unter Schutz gestellt werden muss, um eine spürbare Veränderungen zu bewirken.

Dem gegenüber ist erfreulicherweise aber auch der Druck aus der Gesellschaft in den letzten Jahren gestiegen. Denn Statistiken und Fakten über die Überfischung, die Versäuerung der Meere und Ozeane und die Verschmutzung verbreiten sich immer schneller und weiter, so dass sich immer mehr Menschen für den Schutz einsetzen.

Palau - so klein der Staat auch ist - zeigt nun der Welt, dass die Ozeane durchaus beschützt werden können, WENN alle an einem Strang ziehen und Staaten zusammenarbeiten. 


Die Pariser Klimakonferenz im Dezember vergangenen Jahres konnte die Debatte schon ein Stück weit vorwärts bringen, nämlich, in dem Experten und Umweltschützer die Chance hatten, über ihre Pläne zu berichten. Doch es muss noch mehr passieren.

Denn alle Menschen auf der Welt müssen verstehen lernen, dass die Ozeane keine unendliche Nahrungsquelle darstellen. Genausowenig sind Ozeane als Müllkippen zu gebrauchen. Alle Länder sollten erkennen, dass auch die Meere und Ozeane sensible und deshalb anfällige Ökosysteme sind, die unbedingt beschützt werden müssen.

Das heißt nicht, dass die Menschheit ab heute keinen Fisch mehr fangen dürften. Aber wenn die Menschheit es schaffen könnte, nachhatliger mit der Ressource Fisch umzugehen, könnten sich die Fischbestände nach und nach erholen und wären so vor dem Aussterben geschützt.