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Flickr: Colin J. McMechan
Frauenrechte

Erfolg! Eine Maasai handelt mit ihrem Volksstamm: Schulbildung ja, Genitalverstümmelung nein

Habt ihr als Kind auch mit euren Eltern um Sachen verhandelt?
Als ich sieben Jahre alt war, war der Satz „nur noch 5 Minuten" bereits fester Bestandteil meines tagtäglichen Wortschatzes. Ich handelte mit meinen Eltern Deals aus, dass ich am Wochenende bei Freunden übernachten durfte und einmal hab ich meine Schwester davon überzeugt, mein glänzendes 50Cent Stück gegen ihr olles 1Euro Stück zu tauschen (ist natürlich Quatsch, meine Schwester ist viel zu klug um auf so etwas reinzufallen).
Nun gut, überflüssig zu erwähnen, dass meine 'Verhandlungsthemen' als Siebenjährige eher trivial waren (auch wenn sie sich damals nicht so angefühlt haben). 

Blog: Kristie Bell

Von Trivialität kann man allerdings bei den Verhandlungsthemen der Dr. Kakenya Ntaiya am aller wenigsten sprechen. Als sie sieben Jahre alt, ließ sie sich auf die sehr drastische Verhandlung ein, einer Genitalverstümmelung an ihrem Körper zuzustimmen, wenn sie im Gegenzug dafür die Schule beenden dürfte. In Ntaiyas Kultur der Maasai ist es üblich, dass junge Mädchen sich der Genitalverstümmelung, oder auch 'Cut' genannt, unterziehen müssen, da es als offizielles Zeichen betrachtet wird, in dem ein Mädchen zur Frau wird. Als Ntaiya in das entsprechende Alter kam, sagte sie gegenüber ihrem Vater: „Ich werde mich dieser Prozedur nur unterziehen, wenn du mich danach zurück zur Schule gehen lässt." Ihr Vater stimmte der Sache zu, ging allerdings davon aus, dass Ntaiya lange Zeit brauchen würde, um sich von der Genitalverstümmelung zu erholen (wenn sie sich denn je davon ganz erholen kann).  
Zum Glück erholte Ntaiya sich allerdings recht schnell und war so in der Lage, ihre Ausbildung soweit abzuschließen, bis sie ihren Doktor in Erziehungswissenschaften in der Hand hielt. 

Mit diesem Abschluss in der Tasche wurde Ntaiya zu einer Fürsprecherin für Frauenrechte und gründete ihre eigene Schule in Kenia, um zum einen jungen Mädchen zu helfen und darüber hinaus die Rate der minderjährigen Zwangsehen und der Genitalverstümmelungen nach und nach zu reduzieren. 
Denn Frau Dr. Ntaiya hat für jedes Mädchen dass ihr Schule besucht, zwei Bedingungen aufgestellt: 

„Erstens: kein Mädchen wird verstümmelt. Das ist etwas, dem alle Eltern zustimmen müssen. Zu Beginn sind sie nicht wirklich begeistert davon, aber wir setzen uns mit ihnen zusammen, wir sprechen mit ihnen, wir klären sie auf, wir zeigen ihnen welche Auswirkungen es auf das Leben eines Mädchens hat, wenn diese verstümmelt werden. Wir sprechen solange, bis die Eltern, vor allem die Väter, zustimmen.
Die zweite Bedingung ist, dass kein Mädchen zwangsverheiratet wird bis sie nicht mindestens die 10. Klasse abgeschlossen hat, bis sie nicht mindestens erwachsen ist."

Von den 235 Mädchen die Dr. Ntaiyas Schule besuchen, ist nicht eine einzige beschnitten oder sonst wie verstümmelt. Das ist eine Statistik, die es verdient hat, gefeiert zu werden! 

Flickr: Javier Carcamo

Dank Aufklärungskampagnen und alternativen Praktiken ist die Rate der Genitalverstümmelung in Kenia tatsächlich zurückgegangen. Die Maasai von Esiteti in Süd-Kenia haben beschlossen, ihre lange Tradition des 'cutting' aufzugeben und stattdessen ein neues Ritual für Mädchen als Zeichen des Erwachsenwerdens einzuführen. In dieser neuen Zeremonie erhalten Mädchen traditionelle Perlenketten und Kleidung, die den Übertritt von Mädchen zur Frau symbolisieren, und sie werden 2 Wochen lang in traditionelle Riten, Tänze, traditionelle Gesänge sowie über die Traditionen der Frau in der Gemeinschaft unterrichtet. In etwas mehr traditionell ausgerichteten Stämmen wird zudem Vieh geschlachtet und die Mädchen müssen etwas von dem Blut trinken. Zudem wird ihr Kopf mit etwas Blut besprenkelt um zu kennzeichnen, dass sie das Ritual durchlaufen haben.
Ein junges Mädchen sagte über diese neue Zeremonie: „Wir haben große Freude an der neuen Zeremonie, denn es beeinträchtigt weder unsere Gesundheit noch unsere Fähigkeit, zur Schule zu gehen." Außerdem ist diese neue Zeremonie bei weitem nicht so brutal wie das Beschneiden von weiblichen Genitalien. 

Zugegeben, als Vegetarierin ruft die Vorstellung, Blut zu trinken auch nicht unbedingt Entzücken hervor - aber auf der anderen Seite finde ich es großartig, dass es möglich ist, das ein für eine Kultur wichtiges Ritual weitergeben und weitergelebt werden kann, ohne dass Mädchen, bzw. heranwachsenden Frauen körperliches Leid widerfährt. 

Die Wandlung von einem Mädchen zu einer Frau muss also nicht schmerzhaft sein, und ich hoffe sehr, dass weitere Kulturen dem Vorbild dieser Maasai folgen und Genitalverstümmelung durch alternative Riten und Zeremonien schon bald austauschen werden.