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Was es heißt, in diesen drei Ländern Afrikas ein Kind zu bekommen

Jede Minute werden weltweit rund 250 Kinder geboren. Ein alltäglicher Vorgang also, sollte man meinen. Für hunderttausende Frauen birgt jedoch schon die Schwangerschaft tödliche Risiken.

Wenn Frauen in den ärmsten Ländern schwanger werden, bedeutet das für sie automatisch und unmittelbar ein höheres Risiko. Deshalb wurde im Jahr 2015 die Global Financing Facility (GFF) gegründet – mit dem Ziel, die Gesundheit von Schwangeren, Müttern, Neugeborenen, Kindern und Heranwachsenden sowie deren Ernährung zu verbessern.

Die GFF arbeitet mit den Gesundheits- und Finanzministerien der betroffenen Länder zusammen, um Engpässe bei der medizinischen Versorgung zu ermitteln sowie wirksame und nachhaltige Finanzierungswege zu finden – und so letztlich die Gesundheitsindikatoren von Frauen, Kindern und Heranwachsenden zu verbessern.

Schaut man sich die letzten Jahre und die entsprechenden jährlichen Berichte zur Gesundheit von Frauen, Kindern und Heranwachsenden in mehreren geförderten Ländern an, wird deutlich, dass die GFF-Initiativen bereits ihre Wirkung entfaltet haben.

Global Citizen hat sich angeschaut, was es in Kamerun, der Demokratischen Republik Kongo und in Tansania - die ersten drei von der GFF unterstützten Länder -  heißt, ein Kind zur Welt zu bringen. Zudem untersuchten wir, wie die GFF mit den Regierungen dieser Länder zusammenarbeitet, um die Bedingungen zu verbessern, und warum die kontinuierliche Unterstützung entscheidende Voraussetzung für die Gewährleistung einer hochwertigen medizinischen Versorgung für die Frauen und Kinder in diesen Ländern ist.

Kamerun

Die Gesundheitsausgaben pro Kopf sind in Kamerun zwar im Schnitt höher als in anderen Ländern in Subsahara-Afrika – um die Gesundheit von Müttern und Neugeborenen steht es jedoch nach wie vor schlecht. Zwar sanken die Sterblichkeitsraten im Verlauf der Jahre, allerdings nicht schnell genug, um wirklich Anlass zur Hoffnung zu geben.

Zwischen 1990 und 2017 sank die Säuglingssterblichkeit von 84 auf 53 Todesfälle pro 1.000 Lebendgeburten, und die Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren ging von 135 auf 80 Todesfälle pro 1.000 Lebendgeburten zurück.

Den Daten aus 2015 zufolge sank auch die Müttersterblichkeit: von 720 auf 590 Todesfälle pro 100.000 Geburten.

Dennoch: Die Menschen vor Ort zahlen, wenn sie es denn können, nach wie vor den Großteil ihrer medizinischen Leistungen aus eigener Tasche – und sind damit ständig davon bedroht, in die Armut abzurutschen. Oftmals sehen sich vor allem in Armut lebende junge Frauen gezwungen, sich zu prostituieren, was wiederum die Gefahr von Teenager-Schwangerschaften mit sich bringt. Und so beginnt der Teufelskreis: Mädchen, die schwanger werden, brechen häufiger die Schule ab. Ohne (abgeschlossene) Schulbildung schwinden ihre Chancen, später einen Job zu bekommen. Ohne Job bleibt ihnen nur die finanzielle Abhängigkeit von einem Ehemann.  

Deshalb ist es eine der Prioritäten der GFF, in die Bildung von Mädchen zu investieren und zu gewährleisten, dass Heranwachsende Zugang zu medizinischen Leistungen, Förderung und Bildung haben.

Studien belegen, dass je länger ein Mädchen die Schule besucht, desto geringer läuft sie Gefahr, schon in jungen Jahren in Ehe und Schwangerschaft gedrängt zu werden. Die Global Partnership for Education führte in 42 Ländern eine Untersuchung zur Bildung von Mädchen durch und stellte fest, dass frühe Heirat und Gewalt in der Schule für Mädchen die größten Hürden für einen guten Schulabschluss sind.

Ein weiterer Schwerpunkt der GFF ist die Förderung von Familienplanungsangeboten.

Im Rahmen einer Kooperation zwischen der GFF und der Regierung von Kamerun erhielt das Land Fördergelder in Höhe von $27 Millionen und konnte damit beispielsweise Kurse zum Erwerb von Lebenskompetenz für heranwachsende Mädchen sowie Programme zur Förderung des Stillens ausweiten. Mit diesen Maßnahmen wurden mindestens 25 % der Bevölkerung erreicht. Zudem vereinfachte sich für junge Frauen auch der Zugang zu Verhütungsmitteln.

Demokratische Republik Kongo

Die Demokratische Republik Kongo hatte jahrelang eine der höchsten Mütter- und Kindersterblichkeitsraten der Welt. 2014 starben 846 Mütter pro 100.000 Geburten.

Eine sehr häufige Ursache ist oft, dass hochschwangere Frauen aufgrund fehlender Infrastruktur und schlechter Straßen nicht oder zu spät eine medizinische Einrichtung erreichen. In einem Beitrag für Médecins Sans Frontières (Ärzte ohne Grenzen) schildert Susanne Mortazavi den Fall einer jungen kongolesischen Frau.

“Die Frau hatte in einem staatlichen Gesundheitszentrum ihr Kind zur Welt gebracht. Nach der Entbindung löste sich jedoch die Plazenta nicht und die Frau hatte starke Blutungen. Man sagte der Familie, sie müsse so schnell wie möglich ins Krankenhaus von Shamwana gebracht werden“, schreibt Mortazavi. “Es wurde ein Motorrad-Taxi gemietet, aber das Motorrad hatte eine Panne und in der Stunde, die der Fahrer für die Reparatur brauchte, verschlechterte sich der Zustand der Frau deutlich.“

Wenige Stunden später starb sie. Fälle wie dieser führen deutlich vor Augen, welche Bedeutung die geografische Lage im Hinblick auf die medizinische Versorgung hat.

“Es wird viel in die Ausbildung traditioneller Geburtshelfer investiert, die Warnzeichen erkennen und Infektionen verhindern sollen. Durch die schwache Infrastruktur in Katanga, die schlechten Straßen und das Fehlen von Verkehrsmitteln erreichen die Menschen die medizinische Einrichtungen jedoch nicht rechtzeitig“, erklärt Mortazavi.

Parallel zur GFF-Förderung wurde von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und UNICEF eine Analyse zu Engpässen im Gesundheitssystem durchgeführt.

Eine der Prioritäten im Kongo ist die Verbesserung der geographischen Verteilung des medizinischen Fachpersonals. Das GFF-Sekretariat leistet Unterstützung bei der Umsetzung eines Ressourcenverteilungsprogramms. Die kongolesische Regierung erklärte ihrerseits 14 Provinzen mit den niedrigsten gesundheitsbezogenen und sozioökonomischen Indikatoren zu Schwerpunktprovinzen.

Mit einem Sprung von 25 auf 49 Prozent stieg die Qualität der Gesundheitsversorgung innerhalb von nur neun Monaten bereits spürbar. Zudem wurde die Effizienz der Systeme erhöht – beispielsweise durch die Senkung der Verwaltungskosten und Reduzierung der Anzahl von Lieferanten, die Medikamente an die gleiche Einrichtung liefern.

Tansania

Zwischen 2010 und 2015 gelang es Tansania, die Lebenserwartung zu erhöhen sowie die Säuglingssterblichkeitsrate und die Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren zu senken. Bei der Müttersterblichkeit sieht es hingegen schlechter aus – die stieg sogar  von 454 auf 556 Todesfälle pro 100.000 Geburten.

Seit 2014 gab es in verschiedenen Bereichen aber auch Verbesserungen: So stieg die Zahl der Geburten, die in Krankenhäusern stattfanden, die Zahl der Schwangeren, die während der Schwangerschaft mindestens viermal untersucht werden, sowie die Zahl der Einrichtungen, die bei der Qualitätsbewertung mindestens drei (von fünf) Sternen erhalten. Zudem werden Schwangere im Rahmen der Schwangerschaftsuntersuchungen inzwischen auf Malaria untersucht und präventiv behandelt.

Doch die sanitäre Versorgung ist in vielen Teilen des Landes immer noch schlecht. Das heißt, dass sich nur schwer gewährleisten lässt, dass Geburten unter hygienischen Bedingungen stattfinden.

Die Regierung von Tansania hat bereits einen Plan entwickelt, der Investitionen in medizinische Ausrüstung und Medikamente sowie eine umfassendere Ausbildung des medizinischen Personals vorsieht. Das soll die Bereitstellung einer grundlegenden geburtshilflichen Notversorgung und nachgeburtlichen Betreuung, Familienplanung und Aufklärung von Heranwachsenden im Hinblick auf die sexuelle Gesundheit sicherstellen.

Es kann jedoch noch Jahrzehnte dauern, die Risiken für Frauen und Kinder zu beseitigen. Häufig braucht es nämlich umfangreiche Lösungen: Die fehlende Infrastruktur muss aufgebaut und die sanitäre Versorgung verbessert werden. . Wenn wir uns anschauen, wie viel die GFF seit ihrer Gründung bereits erreicht hat, stehen die Chancen gut, dass dies gelingt.