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Frauenrechte

Frankreich verurteilt zum ersten Mal Mann wegen sexueller Belästigung in der Öffentlichkeit

Warum das wichtig ist
Frankreich hat dieses Jahr ein neues Gesetz erlassen, das jegliche sexuelle Belästigung in der Öffentlichkeit unter Strafe stellt. Dazu gehört auch Hinterherpfeifen – bzw. rufen. Nun wurde eine erste Person tatsächlich bestraft – und Frankreich beweist damit, dass es ernsthaft gegen sexuelle Gewalt und Geschlechterdiskriminierung vorgehen will. Hilf uns dabei, die Gleichstellung der Geschlechter weltweit voranzutreiben. Hier kannst du aktiv werden. #LeveltheLaw

Frankreich redet nicht nur drüber, sondern lässt Taten sprechen: Nachdem im August ein neu verfasstes Gesetz gegen sexuelle Belästigung in der Öffentlichkeit in Kraft trat, gab es nun die erste Verurteilung

Wie der Nachrichtendienst Reuters berichtet, hat ein Mann einer jungen Frau an den Hintern gefasst und anzügliche Kommentare über ihren Körper gemacht. Die Situation ereignete sich am helllichten Tag in einem Bus in einem Pariser Vorort.  

Als der Busfahrer die Aufregung im Bus bemerkte, schloss er sofort die Türen, um den Täter festzuhalten, bis die Polizei eintraf. Der Mann soll alkoholisiert gewesen sein, wird berichtet. Die 21-jährige Frau erstattete Anzeige. 

Der Mann erhielt nun eine Geldstrafe in Höhe von 300 Euro sowie eine neunmonatige Haftstrafe - drei Monate für "einen Akt sexueller Aggression" und weitere sechs Monate für den Angriff auf den Busfahrer. Letzteres wurde auf Bewährung ausgesetzt, so ein Staatsanwalt gegenüber dem Sender CNN.

"Bravo für die schnelle Reaktion des Busfahrers und die verhängte Strafe. Gemeinsam werden wir Sexismus und sexueller Gewalt ein Ende setzen", schreibt Marlene Schiappa, Frankreichs Staatssekretärin für Gleichberechtigung. 

Sexuelle Belästigung und Geschlechterdiskriminierung gelten in Frankreich nach wie vor als weit verbreitet, was größtenteils auf hartnäckige kulturelle Einstellungen zurückzuführen ist.

"Es gibt eine seit Langem bestehende Vorstellung darüber, wie Franzosen angeblich Geschlechterverhältnisse wahrnehmen - vor allem im Vergleich zu prüden Amerikanern - und dass das angeblich mit dem französischen Verständnis von Verführung zu tun hat“, sagte Joan Scott, ehemalige Professorin am "Institute for Advanced Studies“, deren Arbeit sich auf französische Geschichte und Geschlechterdynamik konzentriert, letztes Jahr gegenüber der New York Times.

Die jüngste Verurteilung spiegelt den Versuch Frankreichs wider, solchen "Vorstellungen“ und Stereotypen entgegenzuwirken und den Schutz von Mädchen und Frauen in den Vordergrund zu stellen. Das gewünschte Umdenken in der Bevölkerung jedoch schreitet nur zäh voran. 

"Uns begegnen noch immer Männer, die sagen ... 'Es ist französische Kultur, es ist Liebe à la française'", so Schiappa in einem CNN Interview im vergangenen Jahr, als sie sich für die Umsetzung des neuen Gesetzes stark machte und dabei auf so manchen Widerstand stieß.

Wie die französische Agentur für Kriminalstatistik in 2017 berichtete, haben mehr als 220.000 Frauen in Frankreich in einem Zeitraum von zwei Jahren sexuelle Belästigung in der Öffentlichkeit erfahren. 

Laut Polizeiangaben stiegen Berichte über Vergewaltigung und sexuelle Belästigung im ersten Quartal 2018 in Paris an, was eventuell den Schluss zulässt, dass sich Betroffene nun ermutigt fühlen, Fälle von sexueller Gewalt zu melden – um so ihre Angreifer vor Gericht zu bringen.