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Hunger & Ernährungssicherheit

Frauen und die Welthungerkrise: 10 Fakten

Quelle: Russell Watkins/Department for International Development

Okay okay, bevor es wieder zu Missverständnissen kommt bzw. ich falsch verstanden werde: es gibt unzählige Männer, die weltweit gegen den Hunger in unserer Gesellschaft kämpfen und deren Kampf ebenso signifikant wie bewundernswert und erfolgreich ist.
Mir geht es auch nicht darum zu sagen, welches Geschlecht besser ist oder wessen Kampf wirksamer (ernsthaft, so etwas Stereotypisches habt ihr doch nicht wirklich von mir erwartet, oder?). Mir geht es einzig und allein darum einmal festzuhalten, inwiefern Frauen und der Hunger in unsere Welt aufeinander treffen bzw. welchen Hürden viele Frauen weltweit gegenüber stehen, bevor sie überhaupt dazu beitragen können, gegen den Hunger in dieser Welt aktiv vorzugehen.

Denn oft wird davon gesprochen, dass Frauen zwar eine entscheidende Rolle spielen, wenn es darum geht, eine Welt ohne Mangel- und Fehlernährung zu schaffen, aber welche Rolle außer die einer Mutter und eventuell einer Lehrerin würde den meisten sonst noch einfallen? Und welche Hürden könnten die meisten aus dem Stehgreif nennen, wenn es darum geht, das volle Potential von Frauen ausschöpfen zu können?

Aus diesem Grund ist es enorm wichtig, dass wir die Rolle der Frau weltweit nicht nur stärken, sondern ebenso darauf aufmerksam machen, welche Benachteiligungen viele Frauen in viel zu vielen Regionen erfahren müssen, die parallel ebenso aufgegriffen und angegangen werden müssen.

Frauen ernten.jpgQuelle: flickr / by Neil Palmer (CIAT)


Hier sind 10 wissenswerte Fakten über das Thema Frauen und Hunger:

1. Lang anhaltende Krisen treffen jeden Menschen in einem Land, keine Frage, denn instabile Lagen und politische Unsicherheiten untergraben die Ernährungssicherheit eines Landes und erschweren den Zugang zu Nahrungsmitteln. Allerdings sind Frauen und Kinder davon häufiger betroffen als Männer, denn der Zugang zu Unterstützung & Lebensmittelhilfen wird ihnen oft aufgrund von Geschlechterdiskriminierung schlichtweg untersagt oder aber sie sind erst nach der Versorgung aller Männer an der Reihe. 

2. In Krisenzeiten sind es dennoch regelmäßig die Frauen, die als erstes auf ihre eigene Mahlzeit verzichten, damit der Rest der Familie zu essen hat.

3. Die Sitten und Traditionen in einigen Ländern verlangen es immer noch, dass Frauen als letztes essen— nachdem allen männlichen Familienmitglieder und Kinder gegessen haben.

4. Und dass, obwohl Studien belegen, dass in den meisten Ländern dieser Welt die Zubereitung von Mahlzeiten zu 85-90% immer noch allein von Frauen erledigt wird.

5. Unterernährte Mütter bringen nahezu immer untergewichtige Kinder zur Welt. Bei untergewichtigen Kindern besteht eine 20% höhere Wahrscheinlichkeit, dass sie vor dem 5. Lebensjahr versterben.

6. Etwa die Hälfte aller schwangeren Frauen in Entwicklungsländern leiden an Blutarmut. Das führt dazu, dass jährlich etwa 110.000 Mütter bei der Entbindung sterben.

7. Die Erträge von Bäuerinnen sind im Durchschnitt 20-30% niedriger als die von Männern. Das liegt nicht daran, dass Frauen weniger talentiert sind, sondern dass Sie viel weniger Zugang zu verbessertem Saatgut, Düngemitteln und entsprechenden Werkzeugen haben als ihre männlichen Kollegen.

8. Im Umkehrschluss heißt das: wenn Bäuerinnen mehr landwirtschaftliche Mittel zur Verfügung gestellt werden könnte, so dass sie ihre Erträge optimieren könnten, ließe sich die Zahl der Hungernden Menschen weltweit um etwa 100 – 150 Millionen senken.

9. Nachforschungen belegen: Wenn sich das Einkommen einer Familie erhöht und die Frau für die finanziellen Mittel verantwortlich ist, dann wirkt sich das positiv auf die Gesundheit, Bildung und Ernährung der Kinder aus. 

10. Bildung ist der Schlüssel. Eine Studie zeigt, dass Frauen mit einem Schulabschluss wesentlich gesündere Familien haben. Ihre Kinder sind meist besser genährt und sterben seltener an vermeidbaren Krankheiten. 43 Prozent des Rückgangs der Unterernährung bei Kindern im Zeitraum 1970-1995 ist auf die verbesserte Bildung von Frauen zurückzuführen.
Mädchen Schultafel.jpgQuelle: flickr / by Spc. Charles Willingham


60% aller in Armut lebenden Menschen weltweit sind weiblich. Dabei erbringen Frauen den größeren Anteil an Arbeitsleistung, erhalten jedoch gerade mal ein Zehntel des Welteinkommens und besitzen weniger als ein Hundertstel des Eigentums.
So schwer es für uns manchmal auch zu begreifen ist, aber in vielen Ländern und Kulturen dieser Erde werden Mädchen schlichtweg als weniger Wert angesehen als Jungs. Mädchen sind eine Bürde für die Familie und als Bürde erhalten sie weniger Pflege, weniger Nahrung, weniger Bildung.

Ausgehend von den Geburtenstatistiken und dem zahlenmäßigen Verhältnis zwischen Männern und Frauen, müssten heutzutage eigentlich 100 Millionen mehr Mädchen und Frauen auf unserem Planeten leben.

Es ist daher wichtig, dass wir uns für die Stärkung von Frauen einsetzen: mehr Mitspracherecht, mehr Gleichberechtigung, mehr Bildung, mehr Einkommen, mehr Zugang zu Ressourcen und mehr Gesundheitsfürsorge für Frauen. Mädchen & Frauen spielen eine zentrale Rolle für die nachhaltige Entwicklung und die Bekämpfung von Hunger und umso eher wir all die genannten Dinge angehen, umso schneller werden wir Erfolge in der weltweiten Hungerbekämpfung sehen!