Global Citizen ist eine Gemeinschaft, die aus engagierten Menschen wie dir besteht.

Menschen, die mehr über die wichtigsten Angelegenheiten dieser Welt erfahren und aktiv werden wollen. Dein Einsatz kann extremer Armut ein Ende setzen.

Hunger & Ernährungssicherheit

Frankreich hat's vorgemacht, jetzt ist Deutschland dran: Stopp der Lebensmittelverschwendung

U.S. Department of Agriculture

„Mist, der Joghurt ist gestern abgelaufen“. So oder so ähnlich denken nahezu 90% aller Deutschen, wenn sie einen Joghurt im Kühlschrank finden, der das Mindesthaltbarkeitsdatum um gerade mal 24 Stunden überschritten hat. Und die Handlung ist zu 90% auch die gleiche: der Joghurt wandert in den Müll. Leider passiert das in unseren Haushalten und Supermärkten so häufig, dass wir in Europa pro Jahr sage und schreibe etwa 90 Millionen Tonnen Lebensmitteln wegwerfen. Jawohl, 90 Millionen Tonnen wandern in den Müll, obwohl der Großteil dieser Lebensmittel noch genießbar wäre - denn bis heute herrscht großes Missverständnis über das Wort Mindesthaltbarkeitsdatum!

Allerdings muss man dazu sagen, dass Frankreich noch eine ganze Ecke drastischer war: dort wurden in Supermärkten noch essbare Lebensmittel, die ihr Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten hatten, von den Händlern mit Chlor überschüttet und dann als Müll entsorgt. Allerdings ist damit seit Mai dieses Jahres Schluss. Denn gegen dieses Unding, gutes Essen einfach wegzuwerfen, geht die französische Regierung nun vor und gibt Supermärkten klare Vorgaben, was mit den Resten zu tun ist:

Unverkaufte Ware soll gespendet, als Tiernahrung genutzt oder als Kompost für die Landwirtschaft verwendet werden. Supermärkte mit einer Fläche von über 400 Quadratmetern werden verpflichtet, ein Abkommen mit einer karitativen Organisation für Lebensmittelspenden zu schließen. In Schulen sollen zudem gezielt Lehrstunden gegen die Verschwendung von Lebensmitteln in den Lehrplan aufgenommen werden.

Das ist schon mal ein Ansatz, um die Menge an weggeworfenen Lebensmitteln zu reduzieren. Jedoch haben die französischen Händler die Maßnahmen bereits kritisiert: die Großhändler sagen, dass diese Maßnahmen die Falschen treffen, schließlich seien sie für nur 5% der verschwendeten Nahrungsmittel verantwortlich. Hinzu kommt, dass Supermärkte ohnehin bereits die Hauptspender für Hilfsorganisationen seien.
Bleibt also die Frage: Wer sind die tatsächlichen Verschwender? Antwort: die Verbraucher selbst. Jeder Franzose wirft pro Jahr 20 bis 30 kg an Lebensmitteln weg.
Frankreich erhofft sich mit seinem neuen Gesetz, die Menge an weggeworfenen Lebensmitteln zu reduzieren, um dem Landesziel näher zu kommen: die Lebensmittelverschwendung der Franzosen bis zum Jahr 2025 zu halbieren.
Da kann man nur hoffen, dass sich auch andere Länder eine Scheibe davon abschneiden, um die Unmengen an guten Lebensmitteln, die auf dem Müll landen, zu reduzieren.

Und wie sieht’s in Deutschland aus?

Was in Deutschland jedes Jahr an Lebensmitteln in den Müll wandert ist erschreckend:  jeder Deutsche wirft pro Jahr 82 Kilogramm Essen weg— etwa 3-mal so viel wie in Frankreich. Insgesamt kommen wir Deutschen also auf 11 Millionen Tonnen Lebensmittel im Jahr  - und dagegen will nun auch die Deutsche Bundesregierung etwas unternehmen, allerdings mit einer etwas anderen Vorgehensweise als Frankreich. Deutschland setzt auf Aufklärung und freiwillige Verhaltensänderung. Es soll deutschlandweit ein Bewusstsein geschaffen werden, dass ein abgelaufenes Mindesthaltbarkeitsdatum auf der Verpackung nicht automatisch bedeutet, dass ein Lebensmittel verdorben ist.

Hier noch ein kurzer Clip vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) mit den wichtigsten Infos zu diesem Thema.

Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist also KEIN Verfallsdatum, sondern lediglich ein Richtwert. Lebensmittel die ihr Mindesthaltbarkeitsdatum knapp überschritten sind sehr häufig noch gut verwendbar.

„Allerdings sollte man sich grundsätzlich – auch vor Ablauf des MHD – davon überzeugen, dass sie noch genießbar sind. Augen, Nase und Zunge sind gute Kontrolleure. Bei untypischem Aussehen, Geruch, Geschmack und Konsistenz sollte das Produkt weggeworfen werden,“ so das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft.