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Bildung

Dieser großartige Vater setzt sich dafür ein, dass alle Mädchen im Dorf zur Schule gehen können

Bhajnu and his daughter Urmilla, a participant in Room to Read’s Girls’ Education Program in India.
Dieser Artikel stammt von der Organisation 'Room to Read', die Originalversion (englisch) kann hier nachgelesen werden. 

„Bildung kann das Licht sein, das das Leben unserer Kinder erhellt. Ebenso kann die Bildung eines Kindes die Gesellschaft erhellen und sowohl für Wohlstand als auch für Fortschritt sorgen.” - Bhanju, Vater aus Indien, der trotz eigener Lese- und Schreibschwäche ein großer Bildungsbefürworter in seinem Dorf ist.


Letztes Jahr waren Sonam und Kavitha - zwei Schwestern, die mit ihrer Familie in einer abgelegenen Region von Madhya Pradesh in Indien leben - drauf und dran, die Schule hinzuschmeißen. Doch dann kam Bhanju, ein Nachbar der Familie, der mit allen Mitteln versuchte, die beiden von ihrem Vorhaben abzubringen. Und er hatte Erfolg! In einem Land, in dem 40% aller Mädchen den Sprung in eine weiterführende Schule nicht schaffen und noch weniger von ihnen einen Abschluss erreichen, hat Bhanjus ‚ungewöhnlicher’ Einsatz schon für Aufsehen gesorgt.

Mithilfe der Organisation 'Room to Read' nahmen die beiden Schwestern an einem Bildungsprogramm für Mädchen teil. Das Programm hilft Mädchen dabei, die weiterführende Schule abzuschließen, wozu vielen Mädchen in Entwicklungsländern sonst nicht die Chance gegeben wird.
Leider sank das Interesse der Schwestern an Schule und Bildung enorm in den Keller, als die beiden durch eine wichtige Prüfung durchfielen. Ihr älterer Bruder, der von Anfang an dagegen war, die beiden zur Schule zu schicken, war dann auch keine große Hilfe. Seiner Meinung nach machte es keinen Sinn, noch mehr Geld für die Bildung von Sonam und Kavitha zu verschwenden, wenn sie eh nicht erfolgreich sein würden.

Room2Read2Sisters.jpgSonam and Kavitha dropped out of school when they failed a key exam
Image: Room to Read


„Ich habe immer mehr dazugelernt, deshalb bin ich auch weiter hingegangen.”


Bhanju arbeitet auf dem Feld, er ist Analphabet und hat noch nie eine Schule von innen gesehen. Wozu auch? Seine Eltern sind ja auch nicht zur Schule gegangen. Doch als 'Room to Read' ihn dazu ermutigte und unterstützte, seine eigene Tochter mithilfe des Bildungsprogramms für Mädchen zur Schule zu schicken, da zögerte Bhanju nicht lange und schickte seine Tochter los. Außerdem begann er, die vom Programm ins Leben gerufenen Veranstaltungen für Familienmitglieder und die Gemeinschaften zu besuchen. Die Veranstaltungen dienen dazu, den Familienmitgliedern und Gemeinschaften Unterstützung bei der Umsetzung des Bildungsprogramms zu bieten.

„Seit meine Tochter an dem Programm teilnimmt, haben sich ihre Noten jedes Jahr verbessert. Ich habe mir gedacht, dass ich, wenn ich die Veranstaltungen besuchen würde, besser verstehen lerne, wie ich meine Tochter unterstützen kann”, sagt Bhanju. „Bei unserem ersten Treffen habe ich vieles gelernt und viele Informationen erhalten, also bin ich auch zum zweiten Treffen gegangen und dann zum dritten. Ich habe immer mehr dazugelernt und deshalb bin ich auch weiter zu den Treffen gekommen.”

Die Treffen werden von Mitarbeitern von 'Room to Read' geführt - oft sind es ausgebildete Frauen aus den Gemeinden, die von Room to Read als Mentoren für die Mädchen im Bildungsprogramm ausgebildet wurden. Während der Treffen klären die Frauen darüber auf, wie wichtig Bildung für die Mädchen ist und auf welche Herausforderungen die Mädchen vielleicht stoßen könnten: gesundheitliche Herausforderungen zum Beispiel oder auch Herausforderungen, was die Sicherheit betrifft. Gleichzeitig bieten die Treffen den Eltern die Möglichkeit, Lösungen bei allgemeinen Erziehungsproblemen zu erhalten und mit anderen Eltern über ihre Probleme und Anliegen zu sprechen.

Room2ReadPapaTeaches.jpgBhajnu speaks at a community meeting led by Rajeshwari, a Room to Read social mobilizer in India
Image: Room to Read

Mehr Unterstützung für die Bildung von Mädchen

Bevor seine Tochter dem Bildungsprogramm beitrat, hatte sich Bhanju über das Thema Bildung nie wirklich Gedanken gemacht, weil er „eben nichts darüber wusste”. Seine Meinung änderte sich allerdings schlagartig, als er anfing, zu den Treffen zu gehen, die von Rajeshwari Bhikonde ausgerichtet wurden.

„Ich hab ja nie richtig viel über Bildung und Schule gewusst als ich noch jung war. Und nachdem ich dann geheiratet habe, drehten sich meine Gedanken darum, wie ich unseren Lebensunterhalt verdienen kann”, berichtet Bhanju. „Und weil ich nicht zur Schule gegangen bin, hatte ich auch keine besonders guten Aussichten. Meine Familie war sehr arm. Nur wenige Männer meiner Familie konnten zur Schule gehen. Hätte ich zur Schule gehen können, wäre ich wahrscheinlich Lehrer geworden.”

Die Veranstaltungen allerdings öffneten Bhanju die Augen. Er verstand, welchen Nutzen Bildung für seine Familie und das ganze Dorf haben kann. Rajeshwari berichtet: „Ich konnte ihn davon überzeugen, wie wichtig es ist, zur Schule zu gehen, damit man zum Beispiel Arzt oder Anwalt werden kann. Inzwischen versteht Bhanju, dass man für bestimmte Berufe bestimmte Fächer lernen muss.”

„Ich und meine Kinder sind immer den Ratschlägen gefolgt, die Rajeshwari uns mit auf den Weg gab”, sagt Bhanju. „Als sie mich darum bat, meine Kinder zur Schule zu schicken, tat ich das. Und als sie mir erzählte, dass ich das, was ich gelernt habe, in meinem Dorf weiter tragen und andere Eltern auch überzeugen soll, habe ich angefangen, dies in die Tat umzusetzen.” Kurze Zeit später setzten sich Bhanju und Rajeshwari gemeinsam dafür ein, mehr Unterstützung für die Bildung von Mädchen in Bhanjus Dorf zu erhalten. Die beiden wandten sich sogar an das Oberhaupt des Dorfs und baten darum, die Zustände in den Schulen für Mädchen zu verbessern.

Der Einfluss eines einzelnen Vaters

Heute engagiert sich Bhanju leidenschaftlich für die Bildung in seinem Dorf und ist darüber hinaus auch noch Mitglied des örtlichen Eltern-Lehrer-Beirats. Wenn seine Kinder jetzt von der Schule nach Hause kommen, fragt er sie jeden Tag, was sie gelernt haben - etwas, was er vorher noch nie getan hat.

Room2ReadFamilyWalking.jpgBhajnu and Social Mobilizer Rajeshwari discuss the importance of education with sisters Sonam and Kavitha
Image: Room to Read

Als Bhanju davon erfuhr, dass Sonam und Kavitha, die Töchter seines Nachbarns, die Schule hinschmeißen wollten, wusste er sofort, dass er etwas tun musste. Er und seine Frau begannen, die Eltern der beiden Mädchen zu besuchen und mit ihnen das zu teilen, was sie auf den Veranstaltungen von Room to Read gelernt hatten.

„Nachdem ich durchgefallen war, wollte ich nicht wieder zurück zur Schule”, erzählt Kavitha. „Aber Bhanjus Frau sagte zu mir Was nutzt es denn faul zu Hause rumzusitzen? Du solltest wirklich zur Schule gehen!"

Bhanju konzentrierte sich darauf, den Vater der Mädchen zu überzeugen. Und er hatte Erfolg! Bhanju überzeugte ihn davon, weiterhin in die Bildung seiner beiden Töchter zu investieren. Kurz darauf meldeten sich die Schwestern wieder zum Bildungsprogramm von Room to Read an. Während des ersten Jahres verbrachte Rajeshwari viel Zeit mit Sonam und Kavitha und half ihnen, Fähigkeiten und Fertigkeiten aufzubauen, um sie wieder auf den richtigen Weg zu bringen.

Bildung ist das Licht im Dunkeln

Heute zeigen Sonam und Kavitha tolle Fortschritte und haben inzwischen Pläne für die Zukunft. Sonam möchte Polizistin werden und Kavitha Lehrerin.

Room2ReadGirlsandMomWalking .jpgToday Sonam and Kavitha, pictured with their Social Mobilizier Rajeshwari, are back in school!
Image: Room to Read

„Bildung kann das Licht sein, das das Leben unserer Kinder erhellt, sagt Bhanju. „Ebenso kann die Bildung eines Kindes die Gesellschaft erhellen und sowohl für Wohlstand als auch für Fortschritt sorgen.”

Obwohl Bhanju als Kind selbst nie zur Schule gegangen ist, lernt er heute fleißig - und jeden Tag etwas neues hinzu. Heute grinst er über beide Ohren: „Meine ältere Tochter hat mir gerade beigebracht, wie ich meinen Namen schreibe.”


Die in diesem Artikel dargestellte Meinung reflektiert ausdrücklich die Meinung des Autors und nicht maßgeblich die Meinung von Global Citizen, unseren Partnern und/oder unserer Partner-Organisationen.