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Hunger & Ernährungssicherheit

In Dänemark eröffnet erster Supermarkt, der sogenannte Lebensmittelabfälle verkauft

Facebook / WeFood

Ein neuer Supermarkt in Dänemark mit dem Namen WeFood verkauft einzig und allein Lebensmittel, die woanders schon längst in der Mülltonne gelandet wären - und die Leute stehen Schlange, um dort einzukaufen!

Das hört sich vielleicht anfangs etwas komisch an. Nicht aber, wenn man sich das Wort “Lebensmittelabfälle” einmal genauer anschaut.

Denn die meisten Lebensmittelabfälle sind keine ‘echten’ Abfälle, sondern super genießbar. Wenn weißer Reis zum Beispiel fälschlicheweise als Basmati Reis in den Supermarktregalen angeboten wird, wird er weggeschmissen, weil als ‘Abfall’ klassifiziert. Wenn Gemüse nicht in der perfekten Form, Farbe oder Größe daherkommt, zählt es zu den ‘Abfällen’. Wenn Cornflakes-Packungen beim Transport irgendwo einen kleinen Riss bekommen, landen sie direkt im Abfall. Wenn Obst eine kleine Druckstelle hat, dann...yep, richtig geraten: wandert es ebenfalls direkt in den Müll.

Täglich landen diese “Lebensmittelabfälle” zusammen mit den Lebensmitteln, die von den Supermärkten zu viel eingekauft und deshalb tatsächlich verfallen, auf einem riesigen Müllhaufen. Durch diese Vorgehensweise kommt jährlich weltweit ca. 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittelmüll zusammen. Mit dieser Menge an Lebensmitteln könnten man jeden Menschen auf unserer Welt ernähren und so ‘mal eben’ den Hunger in der Welt beenden.

Stattdessen nehmen die Lebensmittel Unmengen an Platz auf Müllhalden ein und tragen auch noch zum weltweiten Treibhausgasausstoß bei.

Da versteh’ einer mal die menschliche Logik.

Die Dänen müssen ähnlich gedacht haben, denn sie hatten von diesem Verhalten die Nase voll und machten sich daran, das ganze zumindest in ihrem eigenen Land zu stoppen. Und siehe da, in den vergangenen 5 Jahren konnte in Dänemark der Anteil an Lebensmittelabfällen um 25% gesenkt werden - was umgerechnet gute 16 Kilogramm an Lebensmittel pro Person pro Jahr sind!

Wie das geklappt hat? Der Supermakrt ‘WeFood’ ist da nur die jüngste von vielen Ideen in Dänemark.

Für Außenstehende mag die Idee eines solchen Lebensmittelladens vielleicht bizarr klingen, aber der Supermarkt zieht eine Menge Kunden an. Und zwar bei weitem nicht nur diejenigen, die sparsam leben (müssen).
In der Vergangenheit zielten Supermärkte, die Lebensmittelabfälle anboten, eher auf eine weniger kaufkräftige Bevölkerung als Kundschaft ab. Doch WeFood versucht, diese Einstellung bewusst zu vermeiden. Ganz im Gegenteil, sie sind der Meinung, dass Lebensmittelabfälle von allen verzehrt werden sollten - auch vom dänischen Königshaus. In der Tat war sogar eine dänische Prinzessin bei der feierlichen Eröffnung des Supermarkts dabei.

Weltweit machen sich einige Politiker bereits ebenfalls dafür stark, ein ebenso klares Zeichen zu setzen: bei der UNO-Vollversammlung vergangenen September zum Beispiel wurde den anwesenden Diplomaten Gerichte aufgetischt, die ausschließlich aus Lebensmittelabfällen hergestellt wurden.

WeFood vegetables.jpg
WeFood

Dänemark ist nicht das einzige Land, das der Lebensmittelverschwendung den Kampf angesagt hat: Frankreich hat erst kürzlich ein Gesetz erlassen, das allen Lebensmittelläden verbietet, verzehrbare Nahrungsmittel wegzuschmeißen. Stattdessen müssen Supermärkte die Nahrungsmittel jetzt an Tafeln (wie es sie ebenfalls in allen größeren Städten Deutschlands gibt) oder Wohltätigkeitsorganisationen abgeben.

Letzten Endes kann das Problem der riesigen Berge an Lebensmittelabfällen jedoch nur gelöst werden, wenn jeder Einzelne sich bewusst anstrengt, keine Lebensmittel mehr zu verschwenden. Das fängt bei den Herstellern an und geht bis hin zu uns, den Verbrauchern.

Lebensmittel nicht aufgrund ihres Aussehens oder ihrer zerdrückten Packung nach zu beurteilen, wäre hierbei schon einmal ein toller Anfang.