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Frauenrechte

10 Mythen über weibliche Genitalverstümmelung

@waithash via Twitter

Hinweis: Der folgende Text enthält mitunter verstörende Informationen in detailreicher Ausführung.

Genitalverstümmelung, auch bekannt als FGM (Female Genital Mutilation) ist ein weltweites Problem. Die Gründe dafür, dass sich Eltern entschließen, ihre Tochter beschneiden zu lassen, sind vielfältig.

Da es viele Missverständnisse rund um das Thema gibt, wollen wir heute mit den häufigsten Mythen aufräumen.

Mythos 1: Es gibt nur eine Form von Genitalverstümmelung

Die Weltgesundheitsorganisation definiert FGM als ein Verfahren, bei dem die „weiblichen Genitalien ganz oder teilweise entfernt werden oder andere Verletzungen der weiblichen Geschlechtsorgane aus nichtmedizinischen Gründen“ vorgenommen werden.

Schätzungsweise gibt es rund 200 Millionen Mädchen und Frauen, die beschnitten wurden. Die Hälfte davon lebt in Ägypten, Äthiopien und Indonesien. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie alle dasselbe Verfahren durchlaufen haben.

Es gibt vier Haupttypen von Genitalverstümmelung. Typ I und Typ II werden am häufigsten angewandt.

o Typ I: Klitoridektomie ist die teilweise oder vollständige Entfernung der Klitoris

o Typ II: Die „Exzision“, bedeutet, dass der äußerlich sichtbare Teil der Klitoris sowie die inneren Schamlippen teilweise oder vollständig entfernt werden. Mitunter werden auch die äußeren Schamlippen verstümmelt.

o Typ III: Bei der „Infibulation“ wir das äußere Genital komplett entfernt und bis auf ein kleines Loch zugenäht.

o Typ IV: Bezeichnet alle weiteren, medizinisch nicht begründeten Eingriffe, welche die Vulva und Klitoris der Frau nachhaltig schädigen. Darunter fallen etwa Verätzungen, Verbrennungen und das Auftragen von nervenschädigenden oder betäubenden Substanzen. Praktiken wie das Räuchern, Tupfen oder Auflegen von magischen Gegenständen hinterlässt zwar keine physischen Schäden, wird aber dennoch in der Absicht ausgeübt, die Sexualität des Mädchens zu kontrollieren.

Mythos 2: Nur Teenager durchlaufen die Prozedur als Ritual, um vom „Mädchen zur Frau“ zu werden

Mädchen, die bis zu ihrem 14. Lebensjahr beschnitten wurden, machen 44 der 200 Millionen Frauen aus. In Gambia wurden 56 Prozent der Mädchen in dieser Altersgruppe beschnitten. In Indonesien werden rund die Hälfte der Mädchen bis zu ihrem 11. Lebensjahr beschnitten – die meisten sogar schon im Säuglingsalter. Der UN-Weltfrauenbericht 2015 stellte fest, dass die Mehrheit der Mädchen das Verfahren durchlaufen musste, bevor sie fünf Jahre alt wurden.

Mythos 3: Die Mädchen verstehen, was die Beschneidung bedeutet und wollen sich dem Verfahren unterziehen

Einige beschnittene Frauen berichten, damals auf den Moment der Beschneidung gewartet zu haben, bei dem sie – wie es ihnen die Gesellschaft eingeredet hat – vom „Mädchen zur Frau“ werden. Doch die Mädchen waren in dem Alter nicht in der Lage, den Eingriff zu verstehen. Meist wird die Beschneidung in der Gesellschaft nur abstrakt dargestellt. Offen über das Thema zu reden gilt in vielen Gesellschaften als Tabu. Die Mädchen haben deshalb keine Ahnung, wie der Eingriff abläuft, welche Schmerzen sie erfahren und vor allem welchen enormen Risiken sie ausgesetzt werden.

Mythos 4: Genitalverstümmelung ist nicht verbreitet – zumindest nicht mehr

Großer Irrtum: Gesammelte Daten von der UN ergeben, dass 98 Prozent der Frauen und Mädchen im Alter von 15 bis 49 Jahren in Somalia beschnitten wurden. Auch in Sierra Leone, Ägypten, Eritrea und Dschibuti sind mehr als 90 Prozent der Frauen betroffen. In Ägypten leben weltweit die meisten Opfer von Genitalverstümmelung (fast ein Viertel).

Mythos 5: Der Eingriff wird von Ärzten durchgeführt

Schätzungen besagen, dass nur jeder fünfte Eingriff von FGM von einem Arzt durchgeführt wird. Die Mehrheit der Mädchen und Frauen wird dagegen von Gemeindemitgliedern, traditionellen „Medizinern“, Verwandten und manchmal sogar von Friseuren beschnitten - meistens sogar ohne Betäubung. Als 'Werkzeuge' werden Gläser, Rasierklingen oder Dornen benutzt.

Mythos 6: Es ist möglich den Eingriff so vorzunehmen, dass die Frauen keine Beeinträchtigung haben

Selbst weniger umfangreiche Formen von FGM sind für Mädchen gefährlich und beeinflussen ihre Lebensqualität. Allein die psychologischen Folgen durch die Verletzung ihres Körpers im intimsten Bereich, können ein lebenslanges Trauma hervorrufen. „Jedes mal wenn ich meine Vagina untersuchen ließ, wurde mir schwarz vor Augen, weil ich mich an das Trauma erinnerte, das ich als Kind erlebt hatte", sagt FGM-Überlebende und Aktivistin Leyla Hussein der New York Times.

Mythos 7: Der Eingriff wird immer mit Religion begründet

Viele Menschen glauben, dass FGM religiös motiviert ist. Dabei ist das Ritual eher kulturell verwurzelt – sowohl in christlichen als auch muslimischen Gemeinden. Es gibt keine religiösen Schriften, die die Praxis vorschreiben. In den meisten Gesellschaften, in denen FGM praktiziert wird, hat es eine kulturelle Tradition, die oft Jungfräulichkeit und Treue der Frau symbolisieren soll. Häufig wird FGM als Übergangsritus durchgeführt, um Mädchen heiratsfähiger zu machen.

Mythos 8: FGM wird aus medizinischen Gründen durchgeführt

Einige Verfechter der Praktik behaupten, sie habe gesundheitliche Vorteile. Diese Überzeugungen gehen jedoch größtenteils auf die Idee zurück, dass die Genitalien einer Frau „schmutzig“ sind. Oft gelten unbeschnittene Mädchen als „unrein“. Das ist nicht nur Unsinn, sondern ignoriert auch komplett die Wahrheit: Es gibt eine Fülle von Gesundheitsrisiken im Zusammenhang mit FGM und keine wissenschaftlich bewiesenen Vorteile.

Mythos 9: Das passiert nur in Entwicklungsländern

FGM ist ein weltweites Problem. Und auch wenn es in einigen Entwicklungsländern wie Somalia und Mali viel weiter verbreitet ist, wächst die Zahl der FGM-Opfer auch in Ländern wie den USA und Deutschland. Zwar ist es verboten, Mädchen in Deutschland zu beschneiden oder für die Beschneidung ins Ausland zu bringen. Doch die Kontrollen sind schwer durchzuführen. 

Mythos 10: FGM ist mit der männlichen Beschneidung vergleichbar

Manche Menschen behaupten, dass FGM einfach eine „weibliche Version“ der Beschneidung ist, wie sie bei Jungs praktiziert wird.

Es gibt jedoch ein paar wichtige Unterschiede: Zwar ist auch die männliche Beschneidung – durchaus zu Recht – umstritten, wird sie von einigen Religionen vorgeschrieben, FGM hingegen nicht. Darüber hinaus ist die Beschneidung von Männern die Entfernung der Haut und nicht des Geschlechtsorgans selbst (wie bei der Klitoris) und verursacht typischerweise nicht dieselben langfristigen Gesundheitsprobleme. Aber am wichtigsten ist, dass FGM oft durchgeführt wird, um Frauen attraktiver für Männer zu machen und ein Mittel ist, um Kontrolle über Frauen und ihre Sexualität auszuüben.

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