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Erfolg: Katar und Burma heben Mindestlohn an. Aber ist das genug?

Flickr: Habeeb Mohammed Abu-Futtaim

Ich denke ich hab meinen fairen Anteil an Jobs geleistet, die einige nicht unbedingt als Traumjobs bezeichnen würden: Ich war Tellerwäsche, Kassierer, habe Regale aufgefüllt und Flure geputzt.

Aber zumindest kann ich sagen, dass ich in all' diesen Beschäftigungen immer anständig bezahlt wurde (in Relation zu dem, was ein junger Mensch, der keine großen Rechnungen zu bezahlen hat, so an Geld braucht) und die Arbeitszeiten waren nicht unmenschlich. Manchmal ging die Zeit sogar ziemlich flott rum (manchmal nicht).

Wie auch immer, mein Punkt ist: Milliarden Menschen auf der Welt, viele von ihnen für Familien verantwortlich, können leider nicht das gleiche behaupten. Sie arbeiten zu lange, zu unmenschlichen Arbeitszeiten und verdienen oftmals nicht mal ansatzweise den deutschen Mindestlohn.

Viele dieser Jobs sind zudem im Produktions- oder im Baugewerbe und gerade hier könnte die Schere zwischen dem was an Arbeit reingesteckt wird und was als Ergebnis rauskommt, kaum noch ungerechter sein.

Nehmen wir zum Beispiel die FIFA Weltmeisterschaft in Katar im Jahr 2022.

Input: 
Tausende Arbeiter, die in Bussen aus dem Ausland angekarrt wurden und die teilweise ohne notwendige Schutzausrüstung unter riskanten Bedingungen arbeiten, ihr Leben riskieren, ihr Leben verlieren, so gut wie nichts verdienen und dann nicht mal pünktlich Gehalt ausgezahlt bekommen. 

Laborers in QatarImage: Flickr: Richard Messenger

Output: eine schier unendliche Anzahl majestätisch anmutender Gebäude, welche die weltbesten (und best bezahltesten) Sportler der Welt beherbergen. Für eine Handvoll Wochen. Bevor alle wieder nach Hause fliegen und die Unterkünfte in Vergessenheit geraten. 

Olympic parkImage: Flickr: slimmer_jimmer

Oder aber die Kleidungsmanufakturen in Asien
Input: Millionen Frauen, die den ganzen Tag in vollgestopften und schlecht durchlüfteten Räumen gebückt über Maschinen sitzen, und oftmals 12 und mehr Stunden pro Tag arbeiten um am laufenden Band Kleider, Westen bis hin zu Unterwäsche zu nähen. Und dabei maximal ein bis zwei Euro pro Tag verdienen. 

Garment factory in Sri LankaImage: Flickr: ILO in Asia and the Pacific

Output: Nicht enden wollende Einkaufszentren und Shopping-Malls, alle bis unter die Decke ausgestattet sind mit mehr Kleidung als wir je tragen können.

MallImage: Flickr: Daniel Hoherd

Aktivisten rund um die Welt versuchen seit Jahren, im Namen dieser ausgebeuteten Arbeiter für eine besser Behandlung und Bezahlung zu protestieren, allerdings soweit mit eher magerem Erfolg.

Daher freue ich mich eigentlich immer über Nachrichten wie diese, auch wenn die Erfolge winzig sind. Obwohl, wenn ich ganz ehrlich bin - nach längerem Nachdenken bin ich nicht mal mehr sicher, dass ich das alles als Erfolg verbuchen würde. Was denkt ihr? 

In Katar hat die Regierung jetzt ein Gesetz erlassen dass jeden, der seine Angestellten nicht rechtzeitig bezahlt, bestraft. Arbeitgeber müssen die Gehälter jetzt rechtzeitig auf ein Bankkonto einzahlen und die Bank überweist das Gehalt an die Angestellten.

Und auch wenn das noch nicht das Problem der Unterbezahlung löst, so ist es doch zumindest schon mal ein guter Schritt in die richtige Richtung, denn bisher waren Verzögerung von Gehaltszahlungen ein recht häufig vorkommendes Problem. Das erlassene Gesetz wird es hoffentlich für Angestellte leichter machen, pünktlich Gehalt zu bekommen um ihren Familien ein geregeltes Einkommen zu bieten. Ein Bericht aus dem Jahr 2013 hat rausgefunden, dass jeder fünfte ausländische Arbeiter in Katar nur unregelmäßig bezahlt wird.

Ein weiterer Knackpunkt der ebenfalls noch nicht gelöst ist, ist das "Kafala system". Dieses System besagt, dass jeder ausländische Arbeiter in Katar ein Visum braucht, das von seinem Arbeitergeber gesponsort wird. Damit hat der Arbeitgeber quasi die Gewalt über seine Angestellten und kann Ihnen drohen, das Visum jederzeit zurück zu ziehen und die Arbeiter zurück in ihr Heimatland abzuschieben.

Der zweite kleine 'Sieg', von dem ich anfangs gesprochen hatte kommt aus Burma. Denn in Burma wurde jetzt der Mindestlohn angehoben, so dass jeder Arbeiter pro Monat Vollzeit (was übrigens eine 6 Tage Woche ist, und wer weiß wie viele Stunden) mindestens $67 Dollar (ca. 59€) Gehalt bezahlt bekommt.

Leider herrscht in Burma weiterhin die Vorstellung, trotz dieser Anhebung 'konkurrenzfähig' bleiben zu wollen. In Vietnam und Kambodscha liegt der monatliche Mindestlohn zwischen $90 und $128 Dollar (ca. 79€ und 113€).

Hinzu kommt, dass in Burma und in vielen weiteren Ländern, Arbeitnehmer regelmäßig um ihr Gehalt gebracht werden und unter absolut miserablen Bedingungen arbeiten müssen. Das macht also die Lohnanhebung wirklich nur zu einem winzig kleinen Gewinn. Wenn überhaupt (muss ich fairerweise sagen). Denn einige Stimmen sagen, dass aufgrund dieser Anhebung Fabrikbesitzer nun die tägliche Quote anheben, was bedeutet, dass Angestellte gezwungen sind, länger zu arbeiten um diese Quote zu erfüllen. Und wer weiß ob sie für diese Extrastunden dann bezahlt werde.

Ganz ehrlich, die Geschwindigkeit, mit der sich solche Dinge ändern ist erschreckend langsam. Dringend benötigte Reformen müssen jetzt passieren und nicht erst in 5 oder 10 oder 20 Jahren.

„Wir arbeiten dran" ist meistens die Antwort, die man von allen Seiten zu hören bekommt. Ich finde: für einen Arbeiter, der nicht weiß, wie er seine Kinder ernähren soll oder ob er überhaupt mit Gehalt rechnen kann, bringt es absolut nichts, wenn sich erst in 5 Jahren etwas ändert.

Ich finde, jeder Mensch verdient ein Recht darauf, ein gesundes, ausgewogenes und gerechtes Leben zu führen, in welchem er fair behandelt wird und nicht leiden muss. Niemand sollte unter unmenschlichen Bedingungen und Zeiten arbeiten müssen. Ich persönlich habe es mir zur Aufgabe gemacht meinen Teil zur Erreichung dieses Ziel beizutragen. Sind wir mal ehrlich, es sind Kleinigkeiten die am Ende des Tages einen gewaltigen Unterschied machen können. Jeder von uns kann sich zum Beispiel informieren, wie und wo seine Klamotten hergestellt werden und unter welchen Bedingungen. Und das ein oder andere Mal nachzufragen kann auch nicht schaden. Packen wir es an!