Warum das wichtig ist
Das Global Goal 10 der Vereinten Nationen fordert den Abbau von Ungleichheiten ein. Vor dem Hintergrund von rassistisch motivierten Morden wie in Hanau und der lückenhaften Aufklärung sind wir weit davon entfernt, die Gleichbehandlung von allen Menschen sicherzustellen. Werde hier aktiv und setze dich gegen Rassismus und Rechtsextremismus ein.

Das Leben von neun jungen Menschen wurde heute vor einem Jahr bei einem rassistischen Anschlag in Hanau beendet.

Gökhan Gültekin (37), Sedat Gürbüz (30), Said Nesar Hashemi (21), Mercedes Kierpacz (35), Hamza Kurtović (22), Vili Viorel Păun (23), Fatih Saraçoğlu (34), Ferhat Unvar (22) und Kaloyan Velkov (33) wurden in und vor zwei Shisha-Bars, einer Bar und einem Kiosk erschossen.

Dieser Anschlag war ein rechtsextremer Terrorakt. Immer wieder kommt es in Deutschland zu rassistisch motivierten Morden, vom NSU über den Mord am Politiker Walter Lübcke bis hin zu dem gescheiterten Anschlag auf eine Synagoge in Halle

Der Jahrestag von Hanau ist ein wichtiger Anlass, sich zu informieren, rassismuskritisch denken zu lernen und sich mit Betroffenen zu verbünden. Denn um zu verstehen, was Rassismus ist, sollten wir Menschen zuhören, die betroffen sind. Je nachdem, ob du lieber Bücher liest, Podcast hörst oder Dokus anschaust – folgende Autor*innen, Aktivist*innen und Medien können dir helfen, dich mit Rassismus auseinander zu setzen: 

1. Doku: “Eine Nacht und ihre Folgen”

Was geschah vor, während und nach der Tat in Hanau? Wie sieht die Perspektive der Hinterbliebenen aus? Welche Rassismuserfahrungen machen Schwarze Menschen und People of Color in Deutschland? Wie werden die Betroffenen beispielsweise von Behörden und Bildungseinrichtungen benachteiligt behandelt?

Um diese Fragen geht es in der ARD-Doku “Eine Nacht und ihre Folgen“, die am Freitagabend ausgestrahlt wird. Marcin Wierzchowski ist dafür direkt nach dem Anschlag nach Hanau gereist, um monatelang zu recherchieren, mit den Betroffenen zu reden und ihnen zuzuhören.

2. Podcast: “190220 – Ein Jahr nach Hanau” 

Bereits vor einigen Tagen startete der Spotify Original Podcast “190220 – Ein Jahr nach Hanau“. In den sechs Episoden geht es um die persönlichen Schicksale der Opfer sowie ihrer Angehörigen, die ein sehr aufwühlendes Jahr hinter sich haben. Reporterin Alena Jabarine recherchierte mehrere Tage lang in Hanau.

Journalistin Sham Jaff beleuchtet, inwiefern der gesellschaftliche Kontext um Rassismus und Rechtsextremismus bei der Tat eine Rolle spielt. Interviews mit Rechtsextremismus- und Rassismus-Expert*innen geben wertvolle Einblicke in die Thematik.

3. Buch: “Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten“ von Alice Lasters 

Eine Änderung erzielen kann jeder Mensch im Grunde nur bei sich selbst. Und deshalb erklärt Alice Hasters in “Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten“, wie Weiße ihre rassistische Sozialisierung überwinden können, auch, wenn es unbequem ist. 

Anhand ihrer eigenen Erfahrungen als schwarze Frau in Deutschland untermauert sie, warum es so wichtig ist, dass Alltagsrassismus ein Ende findet – von der Frage “Kannst du Sonnenbrand bekommen?” bis hin zu Menschen, die ihre Haare anfassen wollen.

4. Podcast: “Oury Jalloh und die Toten des Polizeireviers Dessau”

Polizeigewalt wie im Fall von George Floyd gibt es lediglich in den USA? Leider nein. 2005 verbrannte ein Asylbewerber aus Afrika im Polizeigewahrsam, man hatte ihn an Händen und Füßen gefesselt. Er habe sich selbst angezündet, hieß es anschließend. 15 Jahre lang missglücklichte es der Justiz wiederholt, den Fall aufzuklären. 

Nach mehr als einem Jahrzehnt der Recherche entstand die fünfteilige Feature-Serie über den Fall Oury Jalloh und Rechtsradikalismus bei der Polizei.

5. Podcast “Die Terrormails: Versagt der Staat im Kampf gegen Rechtsextremismus?“

Personen des öffentlichen Lebens in ganz Deutschland erhielten 2020 Drohbriefe, die mit “NSU 2.0” unterzeichnet waren. Wie sind die Täter*innen an die Adressen gekommen? Welche Rolle spielen Helfer*innen innerhalb der Polizei? Und wie groß ist das Risiko, dass die Täter*innen ihre Drohungen wahr werden lassen?

Der Podcast “Die Terrormails” von Zeit Online nimmt die Hörer*innen mit auf eine Spurensuche, die bis ins Darknet führt.

6. Doku: “Acht Minuten und 46 Sekunden: Die Ermordung von George Floyd”

Auch in den USA kam es im Jahr 2020 zu einem rassistisch motivierten Mord: Bei einem Polizeieinsatz kniete ein Beamter auf dem Hals eines Festgenommenen, sodass dieser erstickte.

Selten erhielt ein Fall von Polizeigewalt, ein Mord an einer Person of Color, so viel Aufmerksamkeit. Die “Black Lives Matter“-Bewegung wurde enorm bekannt. Doch wie wird es nun weitergehen? Wird der Fall in Vergessenheit geraten, bis es erneut zu einem Mord kommt, oder wird tatsächlich ein Wandel stattfinden? Mit diesen und anderen Fragen beschäftigt sich die einstündige Dokumentation.

7. Buch: “Exit Racism“ von Tupoka Ogette

Handle und spreche ich selbst vielleicht manchmal rassistisch? Sich diese Frage zu stellen, erfordert Mut und den Willen, am eigenen Weltbild zu arbeiten. Das Buch - oder Hörbuch - “Exit Racism” hilft dabei und liefert auch gleich Antworten. 

Es erklärt etwa, warum es rassistisch ist, jemanden aufgrund seiner Hautfarbe immer wieder nach seiner “ursprünglichen” Herkunft zu fragen. Und lehrt damit antirassistisches oder rassismuskritisches Denken.

8. Buch: “Das Netzwerk der Neuen Rechten” von Christian Fuchs und Paul Middelhoff  

Stiftungen, Vereine, Medien, Kampagnen – Fuchs und Middelhoff beschreiben in “Das Netzwerk der Neuen Rechten”, wie sich rechte und rechtsradikale Gruppierungen in Deutschland vernetzt haben. 

Während die AfD inzwischen das Zentrum der Bewegung ist, sind auch Zeitschriften und Internet-Plattformen beteiligt. Auch geht es in dem Buch darum, zu beleuchten, wer die Fäden zieht, wer das Netzwerk finanziert und wie groß deren Einfluss auf die Bevölkerung ist.

9. Instagram-Account: “Was ihr nicht seht“

“Bei der Wohnsitz-Ummeldung wurde ich gefragt, ob ich überhaupt einen deutschen Pass besitze.” - “In der 9. Klasse hat meine Bio-Lehrerin behauptet, dass meine Familie in Afrika in Lehmhütten lebt.” - “Gestern Abend fragte mich ein weißer alter Mann, ob er ein Foto von mir machen könnte, um es seiner Afrika-Reisegruppe zu zeigen.” 

Sätze wie diese postet der Instagram-Account “Was ihr nicht seht”, um auf Alltagsrassismus in Deutschland aufmerksam zu machen. Gegründet wurde der Account von Dominik Lucha aus Ravensburg, der selbst im Alltag immer wieder derartigen Rassismus erfährt.

10. Tiktok-Kanal: Willkommen Zuhause

Der neue Tiktok-Kanal “Willkommen Zuhause” von RTL – angelehnt an den Slogan des Senders, will Menschen jeglicher Herkunft mit Respekt, Akzeptanz und Selbstverständnis Gehör verschaffen. Ziel des Accounts ist es, auf Rassismus aufmerksam zu machen. Betroffene sollen dabei zu Wort kommen. Das erste Thema: Die Frage “Woher kommst du eigentlich?”

Die Idee für den Kanal war im Rahmen des TikTok-Förderprogramms #LernenMitTiktok entstanden, das lehrreiche Kurzvideos zu unterschiedlichsten Themengebieten zugänglich macht.

Nur, wenn wir unsere eigene Weltanschauung kritisch hinterfragen und von Rassismus Betroffene zu Wort kommen lassen, können wir zum sozialen Wandel beitragen und dafür sorgen, dass Ungleichheiten reduziert und alle Menschen vor dem Gesetz gerecht behandelt werden. Werde hier mit uns aktiv, um dich für Gleichberechtigung einzusetzen. 

Global Citizen Life

Gerechtigkeit fordern

Ein Jahr nach Hanau: 10 Podcasts, Bücher und Social Accounts, die über Rassismus aufklären

Ein Beitrag von Tanja Koch