Würde ich jedes Mal einen Euro dafür bekommen, wenn ich im Fernsehen oder auf Fotos arme Menschen portraitiert sehe, die entweder apathisch, passiv oder sonst wie machtlos dargestellt werden, dann wäre ich jetzt wahrscheinlich schon Millionär.

Okay, vielleicht nicht ganz so drastisch. Aber ihr wisst, von welcher Art Bilder ich spreche, oder?
Kinder mit großen Augen und in Lumpen gekleidet, die augenscheinlich nichts anderes tun als traurig auszusehen. Bettler, die den ganzen Tag resigniert irgendwo sitzen und die Hand ausstrecken.

Versteht mich nicht falsch, ich will damit nicht sagen, dass solche Darstellungen unrealistisch sind – natürlich gibt es Kinder, die nichts anderes als ein paar Kleidungsstücke am Leib haben. Und Menschen, die scheinbar bewegungslos den ganzen Tag an einem Fleck sitzen können. Was ich sagen will, ist, dass solche Bilder bei weiten nicht die ganze Geschichte erzählen.

Denn auch wenn 896 Millionen Menschen weltweit in extremer Armut leben, nicht jeder einzelne von ihnen ist machtlos und/oder passiv. Ganz im Gegenteil. Und damit wir auch gleich mit einem weiteren gängigen Vorurteil aufräumen, dass viele (leider) im Kopf haben: Nein, arme Menschen warten nicht tatenlos darauf, dass irgendwer daher kommt und alles besser macht. Nein. Sie arbeiten hart, härter als alle anderen, und kämpfen mit dem wenigen, was sie haben für sich und ihre Familien.

Das ist eine Seite, von der ich mir wünschen würde, dass sie öfter gezeigt wird. Und mit dem Gedanken bin ich offenbar nicht alleine.

Der 'Consultative Group to Assist the Poor' Think-Tank aus Washington D.C. (kurz auch 'CGAP' genannt), schreibt jedes Jahr einen Wettbewerb aus, um die 'finanzielle Inklusion' der ärmsten Länder zu unterstützen und voranzutreiben.

Finanzielle Inklusion bedeutet, Menschen Zugang zu grundlegenden finanziellen Serviceleistungen wie ein Bankkonto und digitale Zahlungsmethoden zu ermöglichen – Dinge, die heutzutage fast unabdingbar sind, um Teil des modernen Wirtschaftswesens zu sein. Jedes Jahr bittet CGAP daher Fotografen aus aller Welt, Portraits von Menschen maßgeblich aus Ländern mit mittlerem und geringem Einkommen einzureichen, die hart dafür arbeiten, die Situation in der sie leben zu verbessern. Oftmals genau die Menschen, die von finanzieller Inklusion profitieren. 

Im Jahr 2015 hat die Jury 27 Gewinner aus insgesamt 3300 Beiträgen auserkoren, die insgesamt 77 Länder widerspiegeln. Und auch wenn alle Fotos sich durch ganz unterschiedliche künstlerische sowie geographische Ursprünge unterscheiden, ist doch allen eins gemeinsam: der klare Fokus auf hart arbeitende Menschen.

Ich persönlich fühle mich von dem Einfallsreichtum als auch der Wirkungskraft dieser Bilder ungemein inspiriert. Aber entscheidet selbst! Hier sind meine Top 15 Favoriten der CGAP Fotoshow! (und hier geht es zu der ganzen Ausstellung. Urheberrecht für alle Fotos obliegt der CGAP). 

Angefangen bei hart arbeitenden Müttern....

...über Geschäftsmänner.

Eingefangen in schwarz/weiß...

...als auch in lebendigen Farben.

Von intimen Portraits...

... über umwerfende Landschaften.

Auf dem Land...

... auf dem Wasser ...

... und in den Straßen unserer Welt. Allesamt fantastische Bilder wie ich finde.

Dieses Bild heimste den 'Grand Prize' für seine großartige Bildkomposition ein.


Editorial

Armut beenden

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Ein Beitrag von Hans Glick