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Coronavirus-Pandemie zwingt womöglich Millionen Jungen und Mädchen in Kinderarbeit

Warum das wichtig ist
Durch die Coronavirus-Pandemie steigen Arbeitslosigkeit und Armut an. Wenn Kinder nicht mehr zu Schule gehen, sinken die Chancen auf ein gutes Einkommen in ihrer Zukunft. Das verstärkt den Teufelskreis der Armut, vor allem in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Das erste Ziel der insgesamt 17 Global Goals der Vereinten Nationen (UN) ist die Beseitigung extremer Armut. Werde hier mit uns aktiv.

Fast 152 Millionen Kinder zwischen fünf und 17 Jahren müssen arbeiten, wie die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) schätzt. Knapp die Hälfte davon übt gefährliche Tätigkeiten aus, arbeitet etwa in Steinbrüchen oder in der Nacht. 19 Millionen von ihnen sind jünger als elf Jahre. Etwa zehn Millionen Kinder werden sogar wie Sklav*innen behandelt. Sie verrichten Zwangsarbeit wie Haushaltsaufgaben oder erfahren sexuelle Ausbeutung.

Das Problem: Viele von ihnen besuchen keine Schule. Das führt zu einem Teufelskreis.

Der Grund für Kinderarbeit ist Armut. Denn wenn der geringe Lohn zur Ernährung einer Familie nicht ausreicht, müssen die Kinder mithelfen. Das ist häufig in Ländern wie Indien, Bangladesch oder Mosambik der Fall. Konflikte, Naturkatastrophen und der Tod der Eltern – etwa, durch Krankheiten wie HIV oder Ebola – verschärfen die Situation.

Auch die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie werden sehr wahrscheinlich dafür sorgen, dass die Kinderarbeit in einkommensschwachen Ländern ansteigt. Davor warnt die Kinderrechtsorganisation Terre des Hommes (TdH) in ihrem aktuellen Kinderarbeitsreport zum Anlass des Tags gegen ausbeuterische Kinderarbeit am 12. Juni.

Für den Report haben TdH und ihre Partnerorganisationen in Simbabwe und Indien betroffene Kinder und Jugendliche nach ihren Erfahrungen gefragt. “Für Millionen Kinder in armen Ländern hat die Corona-Pandemie das Gesicht von Hunger und Ausbeutung”, erklärt Birte Kötter, Vorstandssprecherin von TdH. “Sie sind gezwungen, Geld zu verdienen, damit Familien nicht hungern.”

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Coronavirus-Pandemie trifft Armut: Auch die kleine Ritu muss nun arbeiten

Das gilt auch für die zwölfjährige Ritu (Name von TdH geändert), die seit Kurzem als Hausmädchen putzen, spülen und waschen muss. Ihr Vater, der eigentlich als Müllsammler arbeitet, darf seit dem Lockdown Ende März nicht mehr arbeiten. Zwei Tage später gingen der Familie Geld und Vorräte aus. Ritus Vater schickte sie zum Arbeiten zu einer Mittelschichtsfamilie, wo sie ungefähr 1.000 Rupien (etwa 12 Euro) im Monat verdient. Eigentlich ist die Arbeit illegal, da Arbeiten für Kinder unter 14 Jahren in Indien verboten ist.

Im Haushalt von Ritus Familie gibt es weder Bücher, noch Strom oder einen Internet-Anschluss. Deshalb kann Ritu während der Corona-bedingten Schulschließungen nicht lernen – abgesehen davon, dass sie nach der Arbeit erschöpft ist.

“Meine Eltern haben meine Brüder und mich immer zur Schule geschickt. Wir hatten gehofft, dass wir einmal bessere Arbeit bekommen. Ich weiß nicht, ob ich wieder in die Schule zurück kann”, sagt das Mädchen.

Coronavirus-Krise hat besonders für den informellen Sektor gravierende Folgen

Von extremer Armut wie in Ritus Fall sind laut TdH derzeit 386 Millionen Kinder betroffen. Laut einer Schätzung der UN könnte die Zahl aufgrund der Coronavirus-Pandemie um 66 Millionen steigen. Für empirische Angaben, inwiefern Kinderarbeit durch die Coronavirus-Pandemie steigt, ist es noch zu früh. Doch TdH beobachtet in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern eine offensichtliche Zunahme von Kinderarbeit, etwa in Asien, Afrika und Südamerika. “In großen Städten sind offensichtlich mehr Kinder zu sehen, die betteln. Auf Plantagen und Farmen arbeiten Schulkinder mit ihren Eltern.

Kinder verkaufen Gemüse oder Obst auf den Straßen”, erklärt TdH. Partner auf den Philippinen berichten, dass die Zahl der Kinder steigt, die sich vor der Webcam für ausländische User prostituieren. Laut Europol ist die Nachfrage nach im Internet verfügbaren Aufzeichnungen von sexuellem Missbrauch von Kindern seit Beginn des Lockdowns angestiegen.

Besonders von Kinderarbeit betroffen sind Straßenkinder, Waisen, Mädchen, Kinder von Geflüchteten und Migrant*innen, Minderjährige in Krisengebieten sowie Minderjährige, deren Eltern im informellen Sektor, also ohne Arbeitsvertrag, arbeiten. In Schwellen- und Entwicklungsländern trifft das auf bis zu 95 Prozent der Menschen zu. Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation zufolge verloren im Mai 2020 1,6 Milliarden von ihnen wegen des Lockdowns ihr Einkommen. Ohne Arbeitsvertrag sind sie nicht sozial abgesichert, erhalten etwa kein Arbeitslosengeld.

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Auch die Schulschließungen erhöhen das Risiko, dass die Kinderarbeit ansteigt. Denn Schulen und andere Bildungseinrichtungen funktionierten als Frühwarnsysteme. “Weder häusliche Gewalt in den Familien noch Versuche von Arbeitsvermittlern oder Geldverleihern, Kinder als Arbeitskräfte zu rekrutieren, fallen auf”, erklärt TdH in dem Report.

Coronavirus-Hilfspakete reichen nicht aus, um Kinderarbeit entgegen zu wirken

Die Organisation fordert, dass nationale Regierungen und internationale Entscheidungsträger*innen Kinder in ihren Corona-Hilfspaketen stärker berücksichtigen. “Wegen des akuten Bedarfs und um negative mittel- und langfristige Folgen wie Kinderarbeit zu verhindern, sind Nahrungsmittelhilfe oder Direkthilfen für bedürftige Familien jetzt unverzichtbar”, steht in dem Report. Zudem müssten die Schulöffnungen nach den Lockdowns “von flächendeckenden Wiedereinschulungskampagnen begleitet werden, um den Schulabbruch von Kindern zu verhindern.” Auch international agierende Unternehmen müssten zur Verantwortung gezogen werden. Es sei nötig, Lieferketten verstärkt zu kontrollieren, um die Ausbeutung von Kindern zu verhindern.

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Im Hinblick auf die deutsche Entwicklungszusammenarbeit lobt TdH das Sofortprogramm zur Unterstützung von Entwicklungsländern in der Corona-Pandemie des Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Doch Kinder spielten darin noch eine zu kleine Rolle. die Bundesregierung müsse nachsteuern und den Schulabbruch von Millionen Mädchen und Jungen verhindern.