Global Citizen ist eine Gemeinschaft, die aus engagierten Menschen wie dir besteht.

Menschen, die mehr über die wichtigsten Angelegenheiten dieser Welt erfahren und aktiv werden wollen. Dein Einsatz kann extremer Armut ein Ende setzen.

Bildung

Vom Kindersoldaten zum Flüchtlingsanwalt: Die Geschichte von Deng Thiak Adut

Dieses Video stammt aus der Feder einer Universität in Australien, die das Genre der Imagefilme für Universitäten definitiv mal ein wenig umgekrempelt hat und die beeindruckende Geschichte einer ihrer Absolventen erzählt.

Es ist die Geschichte von Deng Thiak Adut, der sich vom seinem Leben als Kindersoldat zu einem angesehenen Anwalt hochgekämpft hat.Heute ist Deng Thiak einer der größten Verfechter von Flüchtlingsrechten in Australien und betreibt eine eigene Kanzlei in Sydney.

Das ist Dengs Thiaks Geschichte:

Aufgewachsen in sehr armen Verhältnissen im Sudan wurde Deng mit sechs Jahren von seiner Mutter weggerissen und gezwungen, als Kindersoldat für den Bürgerkrieg im Land zu kämpfen.

Mit gerade mal 6 Jahren lernte Deng Thiak also, wie man eine Waffe bedient, statt lesen und schreiben zu lernen. Man zwang ihn, ein riesiges AK 47 Maschinengewehr zu bedienen, obwohl er weder groß noch stark genug dafür war.

Rückblickend ist sich Deng Thiak bewusst, dass man ihn um seine Kindheit betrogen hat: „Ein Kind mit einer Waffe ist irgendwie kein Kind mehr – es ist ein Soldat, ein Killer.”

Massiv von der Armee beeinflusst und regelmäßiger Folter ausgesetzt, verlor Deng Thiak nicht nur seine Kindheit durch den Krieg, sondern auch die wenigen Freunde, die er hatte. Zurück behielt er lediglich viele Verletzungen – Schusswunden, Splitterwunden von explodierenden Landminen und Bomben. Zudem steckte sich mit Krankheiten wie Masern und Cholera an.   

Selbst als er die Gelegenheit hatte zu fliehen, ging er zurück zur Armee. „So stark war die Gehirnwäsche. Du willst nicht fliehen, du willst nur zurück”, sagt Deng Thiak heute. 

Das änderte sich erst, als er unerwarteten Besuch von seinem Bruder bekam, den er lange für tot hielt. Es war sein Bruder, der ihn letztendlich davon überzeugte, die Armee zu verlassen. „Er sagte zu mir: Wenn du mit mir mitkommst, kannst du zur Schule gehen und studieren. Du könntest etwas aus dir machen … Da habe ich mir gedacht: Okay, ich probier's.”

Eines Nachts gelang Deng Thiak die Flucht, in dem er sich in einem Getreidesack auf einem LKW versteckte. Nahezu wie ein Wunder schafften die Brüder es durch alle Kontrollen und über die Grenze bis nach Kenia.

Und das Glück blieb den Brüdern hold, denn in einem der kenianischen Flüchtlingscamps lernten sie eine australische Familie kennen, die ihnen 1998 half, nach Australien auszuwandern.

Zu dem Zeitpunkt war Deng Thiak 15 Jahre alt, konnte weder lesen noch schreiben und sprach kein Wort Englisch. Trotzdem fühlte er sich zum ersten Mal seit sehr langer Zeit wieder frei, wie er selbst erzählt. 

Dank seines immensen Durchhaltevermögens lernte Deng Thiak Englisch, schloss die Schule ab und studierte im Anschluss Jura. Heute ist er Anwalt in Blacktown, Sydney und bemüht sich nach Kräften, andere sudanesische Flüchtlinge vor Gericht zu verteidigen.

Sein Traum ist es, eines Tages als Anwalt in den Sudan zurückzukehren, um dort das Problem anzugehen, das er für die Ursache des Konflikts hält: ein unfaires und fehlgeleitetes Management der kostbaren Wasserressourcen im Land. 

Dieser Artikel stammt von Liesel Maddock, Media and Partnerships Manager, Global Poverty Project (Australia)