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Charisse Kenion, Unsplash
AdvocacyFrauenrechte

Aufklärungserfolg: 14-Jährige aus Äthiopien geht zur Polizei, als ihre Eltern versuchten, sie zur Heirat zu zwingen


Warum das wichtig ist
Die nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen fordern ein Ende jeglicher geschlechtsspezifischer Gewalt – einschließlich der Beseitigung von Zwangsheirat. Dennoch leben jetzt gerade rund 650 Millionen Frauen weltweit, die bereits als Kind verheiratet wurden. Hier kannst auch du aktiv werden, um bei der Verwirklichung der nachhaltigen Entwicklungsziele mitzuhelfen.

Mestawet Mekuria ist 14 Jahre alt und lebt in Äthiopien. Sie träumt davon, später einmal Lehrerin oder Ärztin zu werden. Doch ihre Zukunft wurde von genau den Menschen bedroht, die ihr eigentlich dabei helfen sollten, ihre Träume zu verwirklichen.

Denn Mestawets Eltern versuchten, sie zur Heirat zu zwingen.

Sie aber hielt überhaupt nichts davon: "Ich ging sofort zur Polizei, als mir meine Eltern sagten, dass ich verheiratet werden soll", erzählte Mestawet gegenüber dem Kinderhilfswerk UNICEF Äthiopien. "Ich habe im Mädchenclub unserer Schule von der Kinderheirat und ihren Folgen erfahren", fuhr sie fort. "Ich habe meinen Eltern gesagt, dass ich nicht heiraten will. Aber sie wollten nichts davon hören. Da rannte ich zur Polizei."

Take Action: Sign This Petition to #LeveltheLaw and Empower Girls and Women Around the World

Mestawet war völlig überrascht, als ihre Eltern tatsächlich verhaftet wurden und für ganze zwei Wochen hinter Gitter landeten. Das gesetzliche Mindestalter für eine Eheschließung in Äthiopien beträgt 18 Jahre. Da Gesetze aber selten durchgesetzt werden, dachte sie, dass ihre Eltern mit einer Verwarnung davonkommen würden.

Mestawet lebt in Amhara, einer Region, in der laut einer demografischen Gesundheitsstudie aus dem Jahr 2011, 56% der Mädchen vor ihrem 18. Lebensjahr verheiratet werden.

Mit Hilfe der Dorfältesten konnte der Streit zwischen Mestawet und ihren Eltern schlussendlich beendet werden. Jetzt ist alles wieder gut - sogar besser als zuvor.  

"Meine Eltern haben viel über die Kinderehe und ihre Folgen gelernt", erzählt Mestawet. "Sie sind nicht mehr böse auf mich."

Mestawet ist eines von 20 Mädchen, das in den letzten zwei Jahren an der Ayti Primary School im Norden Äthiopiens  vor der Kinderheirat bewahrt wurde. Der Mädchenclub, in dem Mestawet über das Thema erfuhr, wird durch britische Hilfsgelder unterstützt. Eine Maßnahme, die das britische Ministerium für internationale Entwicklung (DfID) im Kampf gegen extreme Armut bis 2030 unternommen hat.

Britische Hilfsgelder flossen dabei in die Unterstützung des globalen UNICEF-UNFPA-Programms, das sich für die Abschaffung von Kinderehen einsetzt. In Zusammenarbeit mit dem 'Bureau of Women and Children Affairs' (BoWCA) wurden im Jahr 2015 in der gesamten Amhara Region ähnliche Clubs gegründet, berichtet UNICEF Äthiopien.

Diese Clubs haben es sich zum Ziel gesetzt, junge Mädchen zu stärken. Hier bekommen sie Zugang zu wichtigen Informationen rund um ihr Leben und ihre Rechte. Auch die Familien werden regelmäßig mit einbezogen, vor allem um Einstellungen zu ändern, die oft auf traditionellen Überzeugungen und Werten beruhen. Und es funktioniert: Ein BoWCA-Trainer berichtete UNICEF Äthiopien, dass er zwischen 2016 und 2017 rund 161 Mädchen geholfen habe, der Kinderehe zu entkommen

Schätzungsweise 650 Millionen der heutigen Mädchen und Frauen wurden bereits im Kindesalter verheiratet.

Im Juli 2014 richtete Großbritannien die weltweit erste Mädchenkonferenz aus, mit dem Ziel, Zwangsheirat und weibliche Genitalverstümmelung (FGM) den Kampf an zusagen. Äthiopien verpflichtete sich daraufhin dazu, sowohl Zwangsheirat als auch weibliche Genitalverstümmelung bis 2025 zu beenden.

Aber es ist ein harter Kampf. Laut der demografischen Gesundheitsstudie 2011, werden in Äthiopien 65 % der Frauen im Alter zwischen 14 und 49 Jahren beschnitten und zwei von fünf Mädchen vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet. Hinzu kommt, dass es schwierig ist, die Zahl der Kinderheirat zu verfolgen: Der 'Girls Not Brides' Initiative zufolge hat Äthiopien kein funktionierendes System, um Geburten, Todesfälle oder Ehen zu registrieren. Daher ist es unglaublich schwer zu beweisen, ob  ein Mädchen tatsächlich minderjährig ist.

Kinderehen haben nicht nur weitreichende Folgen für die Betroffenen, sondern für die gesamte Gesellschaft. Mädchen die jung heiraten, brechen eher die Schule ab, sind anfälliger für geschlechtsspezifische Gewalt, bekommen weniger wahrscheinlich einen Job und sind einem höheren Risiko für schlechte Gesundheit, weibliche Genitalverstümmelung (FGM) und Schwangerschaftskomplikationen ausgesetzt. Unter solchen Umständen können junge Frauen kaum zum wirtschaftlichen Fortschritt eines Landes beitragen und somit eine ganze Gemeinschaften auf unbestimmte Zeit in Armut halten.

"Kinderheirat ist eine schädliche Praktik. Ich möchte, dass Mädchen ihre Ausbildung fortsetzen, genauso wie ich", sagte Mestawet. "Ich habe mit angesehen, wie meine Klassenkameradinnen die Schule verließen, weil sie verheiratet wurden. Ich erzähle meinen Freunden in meinem Dorf immer wieder von der Kinderheirat, und ich werde das auch weiterhin anderen gegenüber tun".

Hoffentlich kann Mestawet sich nun ganz auf ihren Traum, Medizin oder Pädagogik zu studieren, konzentrieren.