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So hat das Modelabel Blutsgeschwister nachhaltige Lieferketten aufgebaut

Warum das wichtig ist
Mit Global Goal Nummer 12 haben die Vereinten Nationen verantwortungsbewussten Konsum und nachhaltige Produktion zum Ziel erklärt – um die Umwelt zu schonen und faire Arbeitsbedingungen zu ermöglichen. Genau darum geht es in dem Projekt von Blutsgeschwister und develoPPP. Schließe dich Global Citizen an und setze dich ebenfalls für die Erreichung der Global Goals ein.

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Näherinnen sitzen dicht an dicht in einer stickigen Halle. Sie stellen Kleidung her, die ein Vielfaches von dem kostet, was die Frauen pro Tag verdienen. Die Schichten dauern länger als zwölf Stunden. Und doch können sie von ihrem Monatsgehalt kaum leben. Das Arbeitsklima gefährdet ihre psychische, das marode Gebäude und die unbequemen Stühle ihre körperliche Gesundheit. Doch um ihre Familie zu ernähren, sind die Näherinnen auf den Job angewiesen.

In etwa so sieht die Realität in vielen Textilfabriken aus. Da aus solchen Bedingungen niedrige Einkaufspreise resultieren, verschließen Marken oft die Augen davor. Das Modelabel Blutsgeschwister hingegen hat sich zum Ziel genommen, nachhaltige und faire Lieferketten zu etablieren – mit Erfolg. Beispielsweise arbeitet das Berliner Unternehmen mit einer Strickwaren-Näherei in Tirupur, Indien, zusammen, die ihren Angestellten heute nicht nur ein familiäres Arbeitsklima bieten kann, sondern auch kollektive Gehaltsverhandlungen. Die Fluktuationsrate ist niedrig, es gibt also nur selten Kündigungen und Neubesetzungen.

Alles begann damit, dass Blutsgeschwister 2013 Mitglied der Fair Wear Foundation wurde. Die Nichtregierungsorganisation kämpft weltweit für bessere ökologische und soziale Standards in der Textilbranche.

“Unser Ziel, den Aufbau eines nachhaltigen Lieferkettenmanagements in der chinesischen und indischen Textilindustrie, speziell auch bei unseren Produzenten und Dienstleistern, konnten wir im ersten Schritt nicht ohne Unterstützung realisieren”, erinnert sich Katharina Fest, Corporate-Social-Responsibility Managerin bei der Blutsgeschwister GmbH. So bewarb sich das Unternehmen um ein Förderprogramm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ): develoPPP – mit Erfolg.  

Im Rahmen von develoPPP fördert das BMZ Projekte aus der Privatwirtschaft im Bereich Entwicklungspolitik. “Dafür stellt das BMZ Unternehmen, die ihr Engagement in Entwicklungs- und Schwellenländern auf- oder ausbauen wollen, finanzielle und fachliche Unterstützung im Rahmen konkreter Projekte zur Verfügung”, erklärt Tanja Walter-Dunne aus der Abteilung Programmkommunikation bei develoPPP. Diese Projekte erstrecken sich über alle Branchen und Themenfelder – von der Ausbildung lokaler Fachkräfte über die Pilotierung von Technologien bis hin zur Verbesserung von Umwelt- und Sozialstandards. Bis zu 50 Prozent der Gesamtkosten werden über das Förderprogramm getragen, konkret zwischen 100.000 und 2 Millionen Euro.

Entwicklungszusammenarbeit: Das Ziel von develoPPP ist langfristiger Einfluss

Das Projekt von Blutsgeschwister konzentriert sich auf elf ausgewählte Nähbetriebe in China und Indien. In Zusammenarbeit mit der Fair Wear Foundation schulte das Label die eigenen Mitarbeiter*innen sowie die der Betriebe im Hinblick auf das Ziel “nachhaltige Lieferketten”. Zudem klopften die Unternehmer*innen ihre Lieferantenstruktur auf Schwachstellen ab und erarbeiteten Gegenmaßnahmen. Sie stellten sich Fragen wie: Inwiefern müssen sich Arbeitssicherheit und Arbeitszeiten verbessern? Haben Arbeiter*innen die Möglichkeit, sich zu beschweren, wenn ihre Rechte nicht eingehalten werden? Wie entscheiden wir über Veränderungen und wie dokumentieren wir sie?

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Doch develoPPP greift weiter als das konkrete Zielvorhaben. “Wichtig ist, dass dadurch eine Entwicklung auch über das eigentliche Projekt hinaus angestoßen wird und so ein langfristiger Nutzen für die Bevölkerung vor Ort entsteht”, erklärt Walter-Dunne. 
Um für Nachahmer in der Branche zu sorgen, bietet die Fair Wear Organisation anderen interessierten Unternehmen eine Dokumentation über die Umstrukturierungen bei Blutsgeschwister an. Das Engagement von Blutsgeschwister trägt dazu bei, dass sich die Lebens- und Arbeitsbedingungen von zahlreichen Beschäftigten in einer der größten und wichtigsten Branchen in Entwicklungsländern verbessern, wie auf der develoPPP-Webseite erklärt wird.

Doch glatt lief es nicht immer. So erlebte Blutsgeschwister, dass es mitunter schwierig ist, in den Industrien vor Ort zu operieren. “Zum Beispiel unterstützt die Bezahlung nach Stücklohnsystem – vergleichbar mit dem Akkordlohn – nicht per se die Zahlung eines Mindestlohnes oder angemessene Arbeitszeiten. Die Überprüfung der Einhaltung erfordert zusätzlichen Aufwand und Ressourcen”, erklärt Katharina Fest von Blutsgeschwister. Man müsse sich grundsätzlich auf einen langjährigen Umstellungsprozess einstellen, schnelle Veränderungen lassen sich nur in wenigen Bereichen erzielen.

Nachhaltige Lieferketten: Veränderungen etablieren ist oft mühsam

Walter-Dunne von develoPPP kennt das Problem. “develoPPP.de-Projekte finden teilweise in Umfeldern statt, die Plananpassungen während der Projektlaufzeit nötig machen. Veränderte politische Rahmenbedingungen, neue Regularien im Partnerland oder auch Naturkatastrophen sind nur einige Beispiele für unvorhergesehene Herausforderungen, die während eines Projekts auftauchen können”, erklärt sie.

Grundsätzlich ist das Fazit aber sehr positiv – sowohl was das gesamte Förderprogramm angeht als auch das konkrete Projekt von Blutsgeschwister.

Innerhalb von 20 Jahren kam es zu mehr als 2.400 Entwicklungspartnerschaften in über 100 Ländern. Die Investitionen dafür betragen insgesamt 1,1 Milliarden Euro – Investitionen in nachhaltige Wirtschaftsentwicklung in Branchen wie Energie, Landwirtschaft, Bildung und Gesundheit. Oder eben Textilien und Mode. 

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Katharina Fest fasst die Erfolge von Blutsgeschwister zusammen: “Wir haben nicht zuletzt in Zusammenarbeit mit der Fair Wear Foundation viele soziale Standards eingeführt, die wir nicht unterschreiten. Wir haben auch unsere ökologischen Standards weiterentwickelt, die über die gesetzlichen Anforderungen weit hinaus gehen. Neue Partnerschaften mit Lieferanten messen wir klar an diesen Standards.” Zudem habe die Partnerschaft auch die eigenen Strukturen und Prozesse verbessert, wie auf develoPPP.de zu lesen ist. “Wir sind jetzt noch besser in der Lage, unsere Partner vor Ort zu begleiten und zu unterstützen”, zitiert die Website Stephan Künz, Geschäftsführer der Blutsgeschwister GmbH.

Neben der Näherei in Indien, die ihre Arbeitsbedingungen verbessern konnte, ist Katharina Fest auch eine Fabrik in China in Erinnerung geblieben. “Der General Manager einer unserer langjährigen Fabriken hat im Rahmen eines Table Meetings in Anwesenheit von Bundesminister Dr. Gerd Müller eine sehr emotionale Rede darüber gehalten, wie CSR-Arbeit (Corporate Social Responsibility, Anm. d. Red.) sein Leben und seine Arbeit verändert haben und sowohl große Brands wie Zalando als auch mittelständische Unternehmen wie Blutsgeschwister ihn dazu beeinflusst haben.” Nachhaltigkeit gehört nicht zu den Werten, mit denen er aufgewachsen sei. Das Projekt mit dem Berliner Modelabel motivierte ihn neben dem Aufbau einer Vorzeigefabrik auch zu Veränderungen auf privater Ebene.