Global Citizen ist eine Gemeinschaft, die aus engagierten Menschen wie dir besteht.

Menschen, die mehr über die wichtigsten Angelegenheiten dieser Welt erfahren und aktiv werden wollen. Dein Einsatz kann extremer Armut ein Ende setzen.

Entwicklungsfinanzierung & Innovation

In Kanada eröffnet die erste „Bibliothek Für Alles, Was Man Im Leben Braucht” (und Bücher)

Die "Library of Things" in Toronto. Foto via Facebook.

Was für ein genialer Einfall: In der kanadischen Stadt Toronto hat vor Kurzem die erste „Library of Things” - die erste Bibliothek der Dinge - ihre Türen geöffnet. Jeder kann hier nun Bohrer, Diskokugeln, Brettspiele oder Sportausrüstung leihen. Alles also, was man im Leben so braucht. Einfach grandios!

Die meisten Menschen kennen das: man hat sich ein neues Bild gekauft und will es nun sofort zu Hause aufhängen. Doch der Hammer ist weit und breit nicht in Sicht. Man durchstöbert Keller und Garage und kommt zu der Erkenntnis, dass der Hammer beim letzten Umzug abhanden gekommen sein muss. Also geht man noch einmal vor die Tür, um einen neuen Hammer und gleich auch noch ein paar Nägel zu kaufen. Zu Hause macht man sich dann gleich ans Werk, stellt aber schnell fest, dass das neue Bild ohne Dübel und Schrauben in der Wand nicht halten wird. So.

Genervt überlegt man nun, wo man um 8 Uhr abends noch einen Bohrer herbekommen könnte. Nach weiteren zwei Stunden Google-Recherche à la „Bild aufhängen ohne Bohrer” stellt man das vor ein paar Stunden noch so geschätzte Bild zermürbt in die Ecke, wo es nach einem Jahr immer noch steht - dahinter liegt der unbenutzte Hammer und die Nägel.

In solchen Situationen wäre eine „Bibliothek der Dinge” genau das Richtige! Das müssen sich auch die beiden Freunde Ryan Dyment und Lawrence Alvarez gedacht haben, als ihnen die Idee zur Library of Things gekommen ist.

Dass man sich in einem Baumarkt zum Beispiel Werkzeug ausleihen kann, ist nicht neu, doch meistens zahlt man dafür viel Geld. Die Library of Things hingegen bietet eine jährliche Mitgliedschaft zwischen 50-100 Kanadischen Dollar an. Dafür erhält man Zugang zu einem umfangreichen Sortiment an Dingen, die man sich hier Tag für Tag ausleihen kann.

Von Campingkochern und Zelten für den nächsten Campingurlaub, Diskokugeln und Karaokemaschinen für die nächste Party, bis hin zu hunderten von Brettspielen bietet die Library of Things alles, was das Herz begehrt.

Warum immer die teure Golf- und Tennisausrüstung kaufen, wenn man noch nicht weiß, ob einem der Sport auch wirklich Spaß macht? Warum muss überhaupt jeder Mensch Sachen besitzen, die er nur selten benutzt, wenn man sie sich genauso gut auch mit anderen teilen kann?

Genau das war auch der Gedanke hinter dem Sharing Depot Projekt. Denn, wenn Dinge miteinander geteilt werden, hat jeder mehr davon - nicht zuletzt die Erde, auf der wir leben. Das Projekt versucht mit dem bisher vorherrschenden Verständnis, dass sich jeder Mensch über seinen Besitz definieren muss, zu brechen und stattdessen ökonomisch, ökologisch und sozial nachhaltiger zu handeln.

„Warum muss jeder ein eigenes Zelt, einen Bohrer oder eine teure Sportausrüstung besitzen? Wenn wir unsere Besitztümer miteinander teilen würden, würde jeder zum einen Geld sparen und zum anderen die Umwelt schonen”, sagt Lawrence. Gleichzeitig gibt die Bibliothek der Dinge JEDEM die Möglichkeit, Aufgaben selbst zu erledigen. Menschen, die sich vorher keine eigenen teuren Werkzeuge anschaffen konnten, können sie nun für wenig Geld in der Bibliothek ausleihen und ihr Zuhause wieder selbst in Schuss bringen.

Mehr Lesen: Diese Frau produzierte in 2 Jahren weniger Müll als andere an einem Tag

Mittlerweile hat die Library of Things in Toronto mehr als 2.000 Mitglieder und verleiht mehr als 5.000 verschiedene Gegenstände. So konnten bereits mehr als 1.000.000 Kanadische Dollar eingespart werden - eben weil sich nicht mehr jeder seine Ausrüstung selbst kaufen muss.

Bücher können schon seit Jahrhunderten in Bibliotheken ausgeliehen werden. Dass jemand auf die Idee kommt, eine Bibliothek zu eröffnen, die weitaus mehr als nur Bücher verleiht, war höchste Zeit. Hoffentlich werden mehr Gemeinden durch die Idee inspiriert und entwerfen ähnliche Konzepte.