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Laboratory technician Irene Ooko attends to a patient seeking a test for the new coronavirus that causes COVID-19, at the Pathologists Lancet Kenya laboratory in Nairobi, Kenya on April 5, 2020.
Brian Inganga/AP
Gesundheit

Coronavirus: Acht Gründe, warum Armut auch unabhängig von Pandemien krank macht

Warum das wichtig ist
Für Menschen in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen ist es oft eine Herausforderung, Zugang zu qualitativ hochwertiger Gesundheitsversorgung zu erlangen. Doch genau dieser Zugang  ist eine wesentliche Voraussetzung für Wohlstand. Deshalb spielt Gesundheit und Wohlbefinden auch eine Rolle bei den nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen.  Werde hier mit uns aktiv.

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Die Coronavirus-Pandemie bedroht alle Menschen – unabhängig von nationalen Grenzen. Doch das heißt nicht, dass alle gleichermaßen gefährdet sind. Für Menschen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen sowie in marginalisierten Gemeinschaften ist die Corona-Pandemie besonders gefährlich, warnen Organisationen wie Oxfam seit längerem.

Selbst ohne so eine globale Pandemie sind Menschen, die in Armut leben, sehr anfällig für Lücken im Gesundheitssystem. Erst 2017 wurde festgestellt, dass nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mindestens die Hälfte der Weltbevölkerung keinen Zugang zu grundlegenden Gesundheitsdiensten hat. Gleichzeitig sind die Gesundheitsausgaben weltweit für viele Menschen so hoch, dass sie jedes Jahr 100 Millionen Menschen in extreme Armut treiben.

Die Gründe dafür sind oft vielfältig. Im folgenden lest ihr, vor welchen Herausforderungen Menschen, die in Armut leben, stehen, wenn es um Gesundheitsversorgung geht: 

1. Fehlender Zugang zu Impfstoffen
Wissenschaftler*innen arbeiten eifrig an einem Impfstoff gegen COVID-19. Doch Millionen von Kleinkinder haben noch nicht einmal zu den bereits existierenden Impfstoffen Zugang. Im Jahr 2018 erhielten laut WHO fast 20 Millionen Kinder, vor allem in Entwicklungsländern, keine Routineimpfungen. Inzwischen gibt es in 68 Ländern mit niedrigerem Einkommen immer noch mehr als 10 Millionen Kinder, die nicht eine einzige Impfung erhalten haben, so Anuradha Gupta, stellvertretende Geschäftsführerin der Impfallianz Gavi. Die Gründe dafür sind laut UNICEF politische Konflikte, mangelnde Investitionen in nationale Impfprogramme sowie Krankheitsausbrüche.

Dabei sind Impfstoffe eines der wirksamsten Präventivmittel der Medizin: Sie verhindern laut UNICEF derzeit jedes Jahr 2 bis 3 Millionen Todesfälle. Dennoch gibt es immer noch Krankheitsausbrüche die durch Impfungen vermeidbar wären– das hat verheerende Folgen. Im Jahr 2018 zum Beispiel tötete ein Masernausbruch mehr als 140.000 Menschen, die meisten waren Kinder unter fünf Jahren. Am stärksten betroffen war laut WHO Subsahara-Afrika. "Impfungen sind eine Wunderwaffe für die öffentliche Gesundheit – oder so nah an einer dran, wie es möglich ist", sagte Dr. Robin Nandy, Leiter des Impfdienstes bei UNICEF gegenüber dem Telegraph. "Es handelt sich um eine breit verfügbare, kostengünstige Maßnahme. Und es ist eine echte Tragödie, dass wir weiterhin erleben, wie Menschen an vermeidbaren Krankheiten leiden und sterben."

2. Mangelnder Zugang zu Medikamenten
Laut Science Daily sterben jedes Jahr über 5 Millionen Menschen an Krankheiten, die mit Antibiotika behandelt werden können, die meisten in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Weltweit haben fast 2 Milliarden Menschen keinen Zugang zu grundlegenden Medikamenten, so ein Bericht der WHO

Ähnliche Geschichten 29. Januar 2016 Gavi, The Vaccine Alliance Warum Impfungen wichtig im Kampf gegen extreme Armut sind

In Afrika bedrohen Malaria, Tuberkulose und HIV-bedingte Krankheiten – die alle medizinisch behandelbar sind – die Gesundheit und Lebensgrundlage der dort lebenden Menschen.
Organisationen wie der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria setzen sich dafür ein, dass sich die Situation verbessert. . Doch nach wie vor bestehen große Finanzierungslücken.

3. Schlechte Wasserver- und Abwasserentsorgung
Nicht erst seit der Corona-Pandemie wissen wir, wie wichtig Händewaschen für die eigene Gesundheit ist. Doch laut UNICEF haben drei Milliarden Menschen auf der ganzen Welt keinen Zugang zu sanitären Einrichtungen mit Seife und Wasser. Es wird sogar geschätzt, dass weltweit jede sechste Gesundheitseinrichtung nicht über funktionsfähige Toiletten oder Waschbecken verfügt.

Laut UN Water verfügt darüber hinaus mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung, also 4,2 Milliarden Menschen, nicht über funktionierende Toiletten. Das heißt, sie müssen ihr Geschäft im Freien verrichten. Das kann das Trinkwasser verunreinigen. Ständiger, zuverlässiger Zugang zu sauberem Trinkwasser fehlt weltweit 2,2 Milliarden Menschen. 2 Milliarden Menschen nutzen durch Fäkalien verseuchte Trinkwasserquellen.

Auch durch Krankheiten kann Trinkwasser verseucht sein, etwa, wenn Insekten im Wasser leben und brüten. Durchfall, Ruhr, Hepatitis A und Polio etwa sind Krankheiten, die über diesen Weg übertragen werden können. Hätte jeder Mensch auf der Welt Zugang zu sauberem Wasser, würde sich die globale Gesundheitssituation also sehr verbessern.

4. Schlechte Stromversorgung 
Jeder zehnte Mensch weltweit hat immer noch keinen Zugang zu Strom – und ohne Strom, lassen sich einige Impfstoffe nicht sicher lagern. Aber das ist nur eines von vielen Problemen, die damit einhergehen. Fällt die Stromversorgung in Krankenhäusern aus oder ist gar nicht erst verfügbar, hat das Folgen für Operationen und die Versorgung von Patient*innen mit elektrischen, medizinischen Geräten. Schätzungsweise “Zehntausenden Gesundheitszentren” in Entwicklungs- und Schwellenländern haben laut Sustainable Energy for all (SEforALL) keine Stromversorgung. 

"Ich habe gesehen, wie ländliche Gesundheitskliniken darum kämpfen, eine angemessene Gesundheitsversorgung in Dörfern auf der ganzen Welt zu gewährleisten", sagte Robert Freling, der Geschäftsführer des Solar Electric Light Fund. "Es ist nicht möglich, Babys nachts zu entbinden, es ist nicht möglich, Licht anzuschalten, es gibt keine Möglichkeit, Impfstoffe und Medikamente zu lagern, weil es keinen Strom für die Kühlung gibt."

5. Überfüllte Lebensbedingungen
Mit der Empfehlung, zu Hause zu bleiben und so die Ausbreitung von Covid-19 zu verhindern, wurde der Begriff Social Distancing populär. Was wir dabei jedoch nicht vergessen dürfen: Es ist ein Privileg, die Abstandsregeln überhaupt einhalten zu können. Denn weltweit leben über eine Milliarde Menschen in städtischen Slums mit schlechten Wohnverhältnissen, so die Angaben der UN.
"Auch ohne Pandemie wirken sich solche Orte schlecht auf die Gesundheit der Bewohner*innen aus, sie verschlimmern Krankheiten, zu denen auch Atemwegserkrankungen gehören", schrieb David Sanderson in der Konversation.

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Gegenüber CNN beschrieb Jeetender Mahender, ein Sanitärarbeiter im Norden Mumbais in Indien, wie schwer es ist, die Coronaregeln einzuhalten: "Die Gassen sind so schmal, dass sich, wenn wir jemandem entgegenkommen, unsere Schultern berühren. Wir nutzen eine Gemeinschaftstoilette und es gibt 20 Familien, die in der Nähe meines kleinen Hauses wohnen...Wir leben quasi zusammen. Wenn einer von uns krank wird, werden wir alle krank."

6. Das Fehlen von Ärzt*innen
Über 40 Prozent der WHO-Mitgliedstaaten haben weniger als zehn Ärzt*innen pro 10.000 Menschen. Über 26 Prozent der Länder haben laut WHO sogar weniger als drei Ärzt*innen pro 10.000 Menschen. Im Vergleich dazu kommen beispielsweise in den USA über 26 Ärzt*innen auf 10.000 Menschen und in Deutschland über 42.
International reicht die Zahl nach neuesten Daten der WHO von 84 Ärzt*innen pro 10.000 Menschen in Kuba bis zu 0,14 in Tansania. 
Afrika leidet in dieser Hinsicht unverhältnismäßig stark: mit mehr als 22 Prozent der weltweiten Krankheitslast, aber nur 3 Prozent des Gesundheitspersonals.

Ein Faktor dabei ist der sogenannte "medical brain drain", also die Abwanderung von Ärzt*innen aus Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen in wohlhabende Länder, wo die Gehälter höher und die Lebensbedingungen besser sind. Besonders viele Ärzt*innen gehen aufgrund der Sprache in die USA und Großbritannien. Ärzt*innen aus frankophonen Ländern Afrikas wie etwa Senegal, Sierra Leone oder Ruanda gehen vermehrt nach Frankreich, Belgien oder Kanada. Seit Jahren versuchen Entwicklungsländer mit verschiedenen Ansätzen, Ärzt*innen in der Heimat zu halten oder zurückzuholen.
Eine Möglichkeit, die Abwanderung von Ärzt*innen zu verhindern, ist dass Medizinstudent*innen aus Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen ihre Ausbildung in ihren Heimatländern absolvieren, aber Länder wie die USA und Großbritannien hochwertige Facharztausbildungsprogramme finanziell unterstützen, heißt es in einem Artikel des Weltwirtschaftsforums

7. Mangel an medizinischen Einrichtungen
Für Menschen, die in ländlichen Gemeinden leben, kann schon allein der physische Zugang zu Gesundheitseinrichtungen schwierig sein. Ein Bericht der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2015 stellte fest, dass über die Hälfte der Menschen, die in ländlichen Gemeinden leben, keine medizinischen Einrichtungen vor Ort haben. Besonders ausgeprägt ist die Situation in Afrika, wo 83 Prozent der Menschen betroffen sind. Schlaglöcher, sandige Straßen und fehlende Transportmittel machen die Reise zum nächsten Krankenhaus zudem oft noch schwieriger. In vielen Ländern weltweit sind medizinischen Einrichtungen zudem oft seltener und schlechter erreichbar.  Das ist in doppelter Hinsicht problematisch. Denn laut eines Artikels von Harvard Health Policy Review sind Forscher*innen zu der Erkenntnis gekommen, dass es in einkommensschwachen Ländern einen Zusammenhang zwischen der Anreisedauer zu Gesundheitseinrichtungen und dem Standard der Gesundheitsversorgung gibt. In Ghana zeigt sich: Brauchen Bewohner*innen nur halb so lange zu einer Klinik oder einem Krankenhaus wie anderswo, nehmen sie die medizinische Versorgung doppelt so häufig in Anspruch. 

8. Kosten
Medizinische Versorgung ist teuer. Und das ist für fast 8 Prozent der Arbeitnehmer*innen weltweit sowie deren Familien ein Problem, da sie von weniger als 1,90 Dollar pro Tag leben.
Wie teuer Gesundheitsversorgung ist, ist einer der aussagekräftigsten Faktoren, um einzuschätzen, wie gut der Zugang zu qualitativ hochwertigen medizinischen Leistungen für einen Menschen ist, berichtet ein Artikel der Harvard Health Policy Review.
Schätzungen der WHO zufolge müssen bis zu 90 Prozent der Menschen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen für ihre Medikamente aus eigener Tasche bezahlen. Laut Weltbank müssen 800 Millionen Menschen weltweit mindestens 10 Prozent ihres Haushaltsbudgets für Gesundheitskosten aufwenden.

So kann Armut zu einem Teufelskreis werden: Ein Leben in Armut macht anfällig für Krankheiten und verringert gleichzeitig die Chancen auf hochwertige medizinische Behandlungen. Dieser schlechte Zugang zu Gesundheitsversorgung kann weiter in die Armut treiben. 
Überall auf der Welt leiden marginalisierte Menschen unverhältnismäßig stark unter den Auswirkungen von Covid-19. Um die Pandemie zu beenden, müssen wir die Entwicklung von Tests, Medikamenten und Impfstoffen vorantreiben. Und sicherstellen, dass diese Instrumente alle Menschen erreichen.

Werde hier mit uns aktiv und unterstütze unsere Kampagne "Global Goal: Unite for Our Future". Rufen führende Politiker*innen auf, mehr finanzielle Mittel für den Kampf gegen Covid-19 bereitzustellen. Alle Artikel von Global Citizen über die Coronavirus-Pandemie findest du hier.