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Frauenrechte

In Bangladesch müssen Frauen bei Heirat keine Angabe zur Jungfräulichkeit mehr machen

Von Naimul Karim

DHAKA, 27. August (Thomson Reuters Foundation) –– Das Oberste Gericht in Bangladesch hat entschieden, dass Frauen auf der Heiratsurkunde nicht mehr eintragen müssen, ob sie noch Jungfrauen sind oder nicht. Das Gesetz ist das Ergebnis eines fünfjährigen Rechtsstreits, den Frauenrechtsaktivist*innen angestoßen hatten. Ihr Anliegen war es, Frauen in ihrer Privatsphäre und vor möglicher Erniedrigung zu schützen.

Zuvor mussten Frauen in dem vorwiegend muslimisch geprägten Land in Südasien bei einer Heirat angeben, ob sie “kumari" – also jungfräulich, geschieden oder verwitwet sind.
Dann veranlasste das Oberste Gericht, das Wort “kumari“ mit dem Wort “unverheiratet“ auszutauschen. Die an dem Rechtsstreit beteiligten Frauenrechtler*innen begrüßten die Entscheidung.

Das Gesetz verpflichtet auch den Bräutigam dazu, dieselben Angaben über den eigenen Beziehungsstatus zu machen.

Die am Fall beteiligte Anwältin Ainun Nahar Siddiqua berichtete, dass der Rechtsstreit auf einen im Jahr 2014 gestellten Antrag auf Änderungen des seit 1974 bestehenden muslimischen Ehe- und Scheidungsrechts zurückging.

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“Dieser Rechtsspruch gibt uns die Hoffnung, dass wir [weiter] kämpfen und in Zukunft weitere Veränderungen für Frauen erreichen können“, sagt Siddiqua, Rechtsberaterin bei der gemeinnützigen Organsiation BLAST in Bangladesch, gegenüber der Thomson Reuters Foundation.

“Wir haben den Antrag auf Änderung eingereicht, weil die Frage, ob jemand Jungfrau ist oder nicht, gegen das Recht auf Privatsphäre verstößt“, sagt sie.

Der muslimische Standesbeamte Mohammad Ali Akbar Sarker aus Dhaka erzählte der Thomson Reuters Foundation, dass er und andere Standesbeamte nach Verabschiedung des Gesetzes auf die konkreten Anweisungen des Justizministerium hätten warten müssen.

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“Ich habe viele Eheschließungen in Dhaka durchgeführt und mir wurde oft die Frage gestellt, warum Männer die Freiheit haben, ihren Status zu verschweigen, und Frauen nicht. Immer wieder musste ich ihnen sagen, dass ich das nicht in meinen Händen liegt. Ich schätze, diese Frage wird man mir von nun an nicht mehr stellen“, sagte Sarker.

(Ein Beitrag von S Naimul Karim @Naimonthefield; Überarbeitet von Belinda Goldsmith; Bitte die 'Thomson Reuters Foundation' als Quelle angeben, wenn dieser Artikel zitiert / geteilt wird. Die Thomson Reuters Foundation liefert Beiträge über humanitäre Hilfe, Frauenrechte, Menschenhandel, Klimawandel und vieles mehr auf news.trust.org.)