Impfungen: Wie können wir Fehlinformationen bekämpfen?

Autor: Jackie Marchildon

Courtesy of Thomas Breuer
Warum das wichtig ist:
Impfskepsis und die Verbreitung von Fehlinformationen gefährden die Gesundheit aller Menschen weltweit. Impfaktivist*innen wie Thomas Breuer klären über die Sicherheit und Relevanz von Impfungen auf. Werde hier mit uns aktiv.

Dank weltweiter Impfkampagnen können jedes Jahr schätzungsweise zwei bis drei Millionen Todesfälle verhindert werden. Doch obwohl Impfungen täglich Leben retten, wächst die Skepsis über die Sicherheit von Impfungen – vor allem durch die Verbreitung von Fehlinformationen über die sozialen Netzwerke.  

Wir haben Global Citizens auf Facebook gefragt, welche Fragen sie zu Impfungen haben. Dabei trat ein Aspekt besonders in den Vordergrund: "Was kann jede*r einzelne von uns tun, um ein Gegengewicht zu diesen Fehlinformationen zu bilden?“

Thomas Breuer, Chief Medical Officer bei dem britischen Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline (GSK), hat kürzlich einen Artikel im Weltwirtschaftsforum mit dem Titel “Warum wir eine neue Bewegung von Impfbefürworter*innen starten müssen“ veröffentlicht.

Die zentrale Erkenntnis? Indem wir eine Bewegung ins Leben rufen, die sich für Impfungen ausspricht, könnten wir die Impfgegner-Bewegung vielleicht zum Schweigen bringen.

“Momentan verwenden wir [die Begriffe] Impfskepsis und Impfgegner-Bewegung im selben Atemzug“, sagt Breuer gegenüber Global Citizen. “Aber für mich sind das zwei unterschiedliche Dinge.“

Denn jemand, der an der Sicherheit von Impfungen zweifelt, hat eventuell ungeklärte Fragen und benötigt weiterführende Informationen, erklärt Breuer. In diesem Fall nütze es nichts, den- oder diejenige anzugreifen oder auszugrenzen. Wenn du Zugang zu Informationen hast, die jene Personen nicht haben, dann teile sie mit ihnen – in einem freundlichen Austausch, rät Breuer.

Thomas Breuer_vaccine activist.jpegImage: Courtesy of Thomas Breuer

“Ich würde schätzen, dass mindesten 80 bis 90 Prozent jener Menschen einfach nach Informationen suchen. Und auch wenn sie Fehlinformationen vermittelt bekommen haben, sind sie offen dafür, eines Besseren belehrt zu werden“, sagt er.

Das ist tatsächlich eine wichtige Unterscheidung: Die Anti-Impf-Bewegung sei problematisch, aber bei weitem nicht so groß, wie sie zu sein scheint. Die meisten Menschen wären gegenüber Impfungen aufgeschlossen, so Breuer – nur sind es oft die Stimmen der Impfgegner*innen, die wir am lautesten hören.

“Auf Seiten der Industrie, der Regierung und der öffentlichen Gesundheit müssen wir weiterhin unseren Teil dazu beitragen, Antworten bereitzustellen, die zugänglich sowie leicht zu verstehen sind und die wirklich auf die bestehenden Fragen eingehen“, sagt Breuer.

Der Auslöser, der zur Entstehung der Anti-Impf-Bewegung geführt hat, war eine Behauptung des heute in Verruf gekommenen Arztes Andrew Wakefield. Er gab in seiner Studie von 1997 an, dass der Impfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln zu Autismus führen würde.

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Forscher*innen konnten Wakefields Studienergebnisse nie verifizieren. Doch mit ihrer Veröffentlichung verbreiteten sich diese Fehlinformationen rasend schnell. Seitdem arbeiten Impfbefürworter*innen unermüdlich daran, die Öffentlichkeit über diese Falschaussagen aufzuklären  – und das schon lange, bevor das Internet ins Spiel kam.

Heute können sich Informationen über die sozialen Netzwerke in nur wenigen Minuten viral verbreiten. Der Begriff “Fake News“ wird im Alltag zunehmend inflationär gebraucht. Zudem wird es für viele Menschen immer schwieriger, zwischen wahr und falsch zu unterscheiden.

Diese Bedrohung ist nicht neu.

Bereits 2013 warnte das Weltwirtschaftsforum in einem Bericht vor “digitalen Lauffeuer“, welche die “virale Verbreitung“ von irreführenden Informationen verursachen und zu einer ganzen Reihe von globalen Gefahren führen könnten.

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Der Bericht sollte leider Recht behalten. Die Anti-Impf-Bewegung wurde bereits für den erneuten Masernausbruch, der sich plötzlich vor zwei Jahren an mehreren Orten der Welt ereignete, mitverantwortlich gemacht. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) listete die Impfskepsis als eine der zehn größten Gefahren für die öffentliche Gesundheit für das Jahr 2019 auf.

Breuer umreißt drei zentrale Schritte, um sich der Bewegung der Impfbefürworter*innen anzuschließen und dabei zu helfen, Fehlinformationen zu Impfungen einzudämmen.

Schritt eins: Nimm dir Zeit, um dich in die Fülle an Informationen, die von der WHO, der CDC und vielen weiteren Gesundheitsorganisationen bereitgestellt werden, einzulesen“, sagt er.

Die “Centers for Disease Control and Prevention“ (CDC) bilden die Bundesbehörde des US-amerikanischen Gesundheitsministeriums und bieten verifizierte Informationen zu Impfstoffen und der Krankheiten, die durch diese vermieden werden können, an. Als die international tätige Behörde der Vereinten Nationen für das öffentliche Gesundheitswesen gibt die WHO hilfreiche Einblicke zu Impfkampagnen auf der ganzen Welt.

Schritt 2: Wenn dir jemand begegnet, der sich skeptisch zu Impfungen äußert, dann erinnere dich daran, dass es nicht verwerflich ist, Fragen zu haben“, sagt Breuer. “Diese Fragen könnten das Resultat einer Einwirkung von emotional aufgeladenen und überzeugend wirkenden Fehlinformationen sein. Nimm dir Zeit, nachzuvollziehen, woher diese Zweifel kommen und hilf ihnen, die richtigen Informationen zu finden. Ermutige sie, bei weiterhin bestehenden Bedenken mit einer medizinische Fachkraft zu sprechen.“

Und Schritt drei?

“Wiederhole Schritt eins und zwei“, sagt Breuer.

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