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Alle Afrikaner sind arm und 15 andere Mythen

Über Afrika kursieren die merkwürdigsten Gerüchte. Ich glaube, wir alle sind mittlerweile auf demselben Stand, was die Frage angeht, ob Afrika ein Land oder Kontinent ist (es handelt sich um einen Kontinent, darüber sind wir uns doch im Klaren!). Aber wir haben noch einiges zu klären, denn ich habe hiervon definitiv einiges geglaubt. Und du?

1. Afrika ist gar nicht so groß

Hier ist die tatsächliche Größe des Kontinents zu sehen. Ganz schön groß, oder? 

2. Ganz Afrika besteht aus Savanne und wilden Tieren

Image credit: BBC

Vor einigen Monaten ist der großen US Fluggesellschaft, Delta Air Lines, ein großer Fehler in den sozialen Medien unterlaufen. Sie gratulierten dem US Weltmeisterschaftsteam zu deren Sieg gegen Ghana und verwendeten dabei das Foto einer Giraffe, um damit das afrikanische Land zu repräsentieren. Jedoch hat Delta Airlines nicht berücksichtigt, dass es in Ghana gar keine wilden Giraffen gibt. Die Twitter Community hat Delta Air Lines auf diesen Fehler hingewiesen.

Delta wurde daraufhin vorgeworfen sie seien rassistisch und würden Klischees aufrecht erhalten. Sie haben sich seither dafür entschuldigt. Allerdings zeigt dies, wie weit verbreitet solche Klischees in westlichen Medien sind und auch aufrechterhalten werden. Ja, es gibt eine ganze Menge aufregender wilder Tiere und wunderschöne Savannen in einigen Ecken Afrikas. Allerdings gibt es auch riesige Städte, sanft geschwungene Strände, historische Kulturdenkmäler und vieles mehr. Eine Region Afrikas ist nicht mit einer anderen zu vergleichen, und wir sollten nicht einen ganzen Kontinent auf diese Weise klischeehaft betrachten.

3. Afrika ist arm und wird es immer bleiben

DJ Paco (Papis), ein DJ und Rap-Musiker aus Mauretanien. Foto von Philippe Sibelly, The Other Africa.

Ja, 47% der Bewohner Schwarzafrikas leben von weniger als $1.25 pro Tag. Das ist ein Skandal. Allerdings sinkt die Zahl und die Lage bessert sich. Einer von drei Afrikanern wird der Mittelklasse zugeordnet und während sich viele westliche Volkswirtschaften in der Krise befinden, wächst die afrikanische Wirtschaft beständig. Wusstest du, dass 6 von 10 der am schnellsten wachsenden Volkwirtschaften der Welt aus Afrika kommen?

4. Es ist dort immer heiß, trocken und sonnig

Photo credit: Kyle Taylor (Flickr)

Der „Band Aid“ Song ist vielleicht ein klassischer festlicher Hit, aber wenn du beim nächsten Mal die Strophe singst „In diesem Jahr wird es zu Weihnachten in Afrika nicht schneien“, dann bedenke, dass Afrika ein vielfältiger Kontinent mit einer großen Vielzahl von Landschaften und Temperaturen ist. Schaue dir zum Beispiel diese überwältigend schöne Schneelandschaft des Kilimandscharo in Tansania an!

5. Afrikaner haben keinen Zugriff auf moderne Technik

Der Technikmarkt in Afrika wächst unvorstellbar schnell und globale Technologie-Giganten investieren umfangreich in den Kontinent. Wusstest du, dass es für Menschen in Kenia 4 Mal wahrscheinlicher ist, ein Mobiltelefon zu besitzen als Zugang zu einer sauberen Toiletten bzw. zu sauberen Sanitäranlagen generell? Bereits im Jahr 2013 hatten nahezu 80% aller Afrikaner Zugang zu einem Mobiltelefon, aber weniger als die Hälfte regelmäßigen Zugang zu einer sauberen Toilette. 

6. Um sich zu entwickeln, sollte Afrika sich am Westen orientieren

Der Tana River in Kenia steht für die Wasserkraft des Landes. Image credit: Bedford Biofuels

Es gibt so viele Argumente gegen diese Vermessenheit. Lasst mich eines davon in den Blickpunkt rücken: Viele afrikanische Länder sind den westlichen Ländern weit voraus, was umweltverträglichen Energieverbrauch angeht. Sowohl England als auch die Vereinigten Staaten beziehen nur 11% ihrer Energie aus erneuerbaren Quellen, weniger als Kenia allein aus geothermalen Quellen bezieht (13% des kenianischen Energieverbrauchs). Inzwischen kommen erstaunliche 50% der Energie Kenias aus Wasserkraft. Was also die Nachhaltigkeit angeht, sollten wir da nicht unseren Blick auf Kenia richten, um dort Antworten zu finden? Oh ja! 

7. In Afrika gibt es keine Medienindustrie

Die nigerianische Schauspielerin Taiwo Ajayi-Lycette wird vor ihrem Auftritt geschminkt. Foto: Akintunde Akinleye/Reuters

Pro Jahr werden in Nigerias 'Nollywood' mehr Filme produziert als im amerikanischen Hollywood. Das ist eine TATSACHE. Punkt. 

8. Die Afrikaner unternehmen nichts, um sich selbst zu helfen

Dr. Hawa Abdi und ihre Töchter. Gemeinsam haben sie in Somalia über 90.000 Frauen und Kindern geholfen. Foto: Dr Hawa Abdi Stiftung.

Das Klischee, dass Afrikaner hilflos und von westlicher Hilfe abhängig sind, wird seit Jahrzehnten durch gut gemeinte, aber wohl gefährliche Wohltätigkeitsinserate im Westen aufgebaut. Bombardiert mit Bildern von traurigen, schmutzigen Kindern, deren Augen den Betrachter eindringlich dazu aufrufen, Geld zu spenden, verwundert es nicht, dass alle das glauben. Die Debatte darüber, wie entwicklungsorientierte Wohltätigkeitsorganisationen Anzeigen gestalten sollten, ist komplex, aber diese Fotos lassen die Tatsache außer acht, dass Afrikaner sich selbst helfen können und das auch tun.

Im Jahre 2010 haben die Afrikaner, die außerhalb ihres Kontinents lebten, sage und schreibe 51.8 Milliarden US Dollar zurück nach Afrika überwiesen. In der Zwischenzeit wurden von westlichen Ländern $43 Milliarden zur Unterstützung überwiesen, bekannt als „Öffentliche Entwicklungszusammenarbeit“, Official Development Assistence (ODA). Ja, du liest richtig. Afrikaner, die jetzt außerhalb des Kontinents leben, schicken mehr Geld zu ihren Familien nach Hause als die ganze westliche Welt an Hilfe sendet.

Außerdem existieren zahllose Beispiele für die „Grassroots Projects“, gegründet von Afrikanern für Afrikaner. Eine davon ist Hawa Abdi, eine wunderbare Somalierin, die in den 80er Jahren eine Kurklinik gründete. Diese umfasst nun eine Schule, ein Flüchtlingslager und ein Krankenhaus für über 90.000 Frauen und Kinder, die im Krieg ihre Heimat verloren haben. 

9. „Afrikanisch“ ist eine Sprache (und Afrikaner sprechen kein Englisch)

Ein Student der Cambridge University hinterfragt afrikanische Klischeevorstellungen Photo from Tumblr (We Too Are Cambridge)

Es werden über 2000 Sprachen quer über den ganzen afrikanischen Kontinent gesprochen, aber „Afrikanisch“ gehört nicht dazu. Das entspräche der Annahme, dass Menschen, die in Europa leben, „Europäisch“ sprechen. Auch Englisch ist eine offizielle Sprache in 24 afrikanischen Nationen und wird auf einem hohen Niveau in Schulen überall im Land unterrichtet.

10. Afrikanische Männer tragen immer Maschinengewehre mit sich

Dieses tolle Video von Mama Hope wurde von Afrikanern aufgenommen, um Mythen und Klischees über sich selbst zu widerlegen. Das ist echt cool, oder?

11. Jeder in Afrika hat AIDS

Justine Sacco, eine PR Direktorin der InterActiveCorp, hat Ende 2013 kurz bevor sie an Bord ihres Fluges nach Südafrika ging, diesen Tweet gepostet. Verständlicherweise eskalierten die Reaktionen aus aller Welt schnell, und zwar von „einfach unglaublich“ bis...

Nachdem Justine ein weltweiter Twittersturm getroffen hatte, entschuldigte sie sich für ihre Anmerkung. Dennoch zeigt dieser entsetzlich taktlose Tweet ein schreckliches Klischee, das noch weit verbreitet ist.

Nicht jeder Mensch in Afrika ist krank. Darüber hinaus sollten wir mit denen, die an HIV oder an einer anderen Krankheit leiden genau so umgehen, wie auch wir es erwarten würden, nämlich mit Respekt und Würde.

12. Sämtliche Staatsführungen in Afrika leisten schlechte Arbeit

Ellen Johnson Sirleaf bei einer Rede zur Eröffnung von Liberias erster schulgeldfreien Mädchenschule, der More Than Me Academy. Foto: More Than Me.

Lasst mich diesen Mythos beseitigen anhand des Beispiels einer Frau, die unglaubliche Fortschritte für ihr Land bewirkt. Die derzeitige Präsidentin von Liberia, Ellen Johnson Sirleaf, ist eine inspirative Frau, die Liberia aus der verheerenden Zerstörung, die durch den Bürgerkrieg verursacht worden war, beständig herausführt. Der Präsidentin Sirleaf wurde im Jahr 2011 der Friedensnobelpreis für ihren „gewaltlosen Kampf um die Sicherheit von Frauen und deren Rechte“, verliehen. Außerdem wurde sie als eine der 10 führenden Frauen weltweit vom Time Magazine aufgelistet.

13. Jeder Afrikaner lebt in einer Lehmhütte im Niemandsland

Raten Sie mal, wo sich diese Stadt wohl befindet? In den Vereinigten Staaten? In Europa? In Asien? Nein, es handelt sich um Lagos, Nigeria, mit einer Bevölkerungszahl von 21 Millionen Menschen – mehr als doppelt so viele wie im Stadtgebiet von London! Im Jahre 2008 lebten 39% der afrikanischen Bevölkerung in Ballungsgebieten – mit rapide steigender Tendenz.

14. In Afrika wird nicht gefeiert

Bevor ich zum ersten Mal den Kontinent bereiste, hätte ich nicht gedacht, dass es in Afrika auch Partys, Bars oder Klubs gibt. Ich dachte, sowas gäbe es dort gar nicht, aber, da hatte ich mich wirklich gründlich geirrt. Nachdem ich 5 Jahre meines Lebens mit einer NGO (=Non Governmental Organisation) zusammengearbeitet habe, kann ich mit Sicherheit sagen, dass die meisten meiner kenianischen Freunde wissen, wie man richtig feiert. Und mit Feiern meine ich nicht nur Kneipen und Klubs, sondern einen Grund zu finden, um zu singen, zu tanzen und zu feiern – egal zu welcher Tageszeit.

15. Schicksal und Hoffnungslosigkeit

Dieser satirische Gedanke ("it’s all doom and gloom") zeigt, dass wir alle miteinander verbunden sind, ganz gleich, wo wir geboren wurden. Alle 60 Sekunden passieren schreckliche Dinge auf der ganzen Welt, nicht nur in Afrika. Aber, es geschehen auch sehr viele gute Dinge!