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Wasser & Hygiene

Wie ein Dorf in Malawi Toiletten baut

In einem Dorf in Malawi, in der Nähe des Malawisees, bedeutet ein Mangel an Toiletten, dass Bewohner ihr Geschäft unter freiem Himmel und im Grünen erledigen müssen. Um dem ein Ende zu setzen und um die Situation rund um sanitäre Anlagen in solchen Gemeinden allgemein aufzubessern, gibt es ausgebildete Gesundheitsmitarbeiterinnen wie Singo Katanga, die tatkräftig zur Seite stehen.  



Der sogenannte 'Global Sanitation Fund' (GSF) hat bereits über 153.000 Menschen in Malawi den Zugang zu Toiletten ermöglicht. Der Fond kommt auch für das Training von Singo und ihren Mitarbeitern auf und nutzt eine inzwischen bewährte Methode mit dem Namen ‚Community-led total sanitation‘ (CLTS), um Hygienestandards zu verbessern. Kern der CLTS-Methode ist es, die Menschen zu einem Umdenken anzuregen um so Einfluss auf ihre Handlungsweisen zu nehmen, statt sie lediglich mit Theorie zu konfrontieren und auf ein verändertes Verhalten zu hoffen. Die Dorfbewohner sollen ihre derzeitige Situation einschätzen können und aktiv dazu beitragen wollen, ihre Sanitäranlagen aufzubessern.
Die CLTS-Methode wurde zu Beginn des 21.Jahrhunderts in Bangladesch von Dr. Kamal Kar von der CLTS Stiftung entwickelt. Die auf eigenmotivierte Mitbestimmung ausgelegte Methode stellt die Antwort auf traditionell subventionierte Programme dar, denen es bisher nicht gelang, Menschen davon zu überzeugen, Toiletten zu bauen, dafür zu bezahlen oder diese zu benutzen.

Singo Katanga weiß, dass die Änderung von Verhaltensweisen bei jedem Einzelnen ansetzen muss, es jedoch am besten funktioniert, wenn sich die gesamte Gemeinde dafür einsetzt, der Verrichtung von Bedürfnissen unter freiem Himmel ein Ende zu setzen.
Folgend zeigt Singo in 10 Schritten, wie sie ein ganzes Dorf zum Handeln bewegt:

1. Schritt - Eine Karte des Dorfes zeichnen

Singo (mitte) trifft im Dorf ein. Ihr Ziel ist es, durch einen sogenannten 'triggering' (auslösen) Prozess, das Bewusstsein für eine verbesserte tägliche Hygiene zu stärken. Sie bewegt die Dorfbewohner dazu, eine Karte mit den Hauptmerkmalen des Dorfes wie z.B. dem Fluss und der Straße zu zeichnen. 


2. Schritt - Die Dorfbewohner markieren die Stellen an denen sie ihre Notdurft verrichten 

Die Bewohner legen Kieselsteine auf die Stellen, wo sie an diesem Morgen zur Toilette gegangen sind. Singo motiviert die Bewohner solange zum mitmachen bis jeder seinen Kieselstein abgelegt hat.


3. Schritt - Der 'Walk of Shame'

Anschließend  begibt sich Singo mit den Dorfbewohnern auf den sogenannten ‚Walk of Shame’. Sie laufen alle Stellen ab, an denen sie morgens noch ihr Geschäft erledigt haben. Sie singen ‚Let us end open defecation!' ("Lasst uns damit aufhören unsere Bedürfnisse unter freiem Himmel zu verrichten") 



4. Schritt - Der Moment des Schocks

Singo macht den Dorfbewohner klar, wie Fliegen Krankheiten übertragen können: indem sie erst auf den Haufen und dann auf dem Essen der Bewohner landen. Zusätzlich erklärt sie, wie man eine ungefähre Bilanz über die jährliche Ausscheidung ziehen kann und veranschaulicht den Bewohnern, wie ihre Ausscheidungen in der Regenzeit in die Wasserversorgung gespült werden. Die Dorfbewohner sind schockiert als sie feststellen, dass sie im Prinzip ihre gegenseitigen Ausscheidungen essen und trinken.  


5. Schritt - Wie Fliegen die Krankheitserreger ins Essen transportieren

Der nächste Zwischenstopp ist der Ort, wo das Essen zubereitet wird. Fliegen werden von menschlichen Fäkalien angelockt und tragen Krankheiten mit sich, wenn sie auf dem Essen landen. 



6. Schritt - Das Einbeziehen der Kinder

Währenddessen leitet die Assistentin für Gesundheitsüberwachung, Webster Phiri, das ‚triggering‘ der Kinder. Auch sie singen ‚Let us end open defecation!' ("Lasst uns damit aufhören unsere Bedürfnisse unter freiem Himmel zu verrichten")


7. Schritt - Die Dorfbewohner wollen handeln

Webster und Singo bringen die Gruppen in Hochstimmung zurück zum Treffpunkt im Dorf. Sie motivieren die Bewohner zu handeln, um mit dem Bau von Toiletten der Notdurft unter freiem Himmel ein Ende zu setzen. 


8. Schritt - Eine gesunde und würdevolle Zukunft schaffen

Es wird ein Dorfausschuss ernannt um die Hygienestandards zu verbessern. Singo hilft bei der Planung der nächsten Schritte. 


9. Schritt - Strafen festlegen, wenn sie in alte Gewohnheiten zurück fallen

Mbewa, Leiter des Dorfes, spricht zu den Bewohnern: „Warum liegt ein Haufen offen im Grass wenn es eine Toilette in der Nähe gibt? Wer ab Mitte des kommenden Monats keine der errichteten Toilette benutzt, muss zur Strafe ein Huhn zahlen."


10. Schritt - Jeder ist hochmotiviert und bereit, Toiletten zu bauen und zu benutzen

Die Veranstaltung wird von den leitenden Programm-Mitarbeitern des Dorfhygiene Projektes (Hygiene Village Project) sorgfältig überwacht. Ein erfolgreiches 'triggering' wird von ihnen als „Streichholz in einer Tankstelle“ beschrieben, bei der jede Person sprichwörtlich 'Feuer fängt' und bereit ist zu handeln.