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Gesundheit

Ein kleiner roter Punkt zum Aufkleben, der die Gesundheit fördert

A young woman from a fishing community in West Bengal in eastern India. She comes from a village that is known for high levels of trafficking of women and girls to other major cities
Flickr: UN Women/Anindit Roy- Chowdhury

Ashwini Raut führt heute ein glückliches, gesundes Leben - sie genießt den Alltag in ihrer Heimatstadt Maharashtra in Indien, wird bald heiraten und ist in Gedanken bereits bei der Familienplanung. Das war nicht immer so. Noch vor geraumer Zeit stand Raut einem gesundheitlichen Problem gegenüber, dass ihre Gesundheit hätte dauerhaft beeinträchtigt können. Denn die Gegend, in der Raut lebt, ist für ihren Jodmangel bekannt - und Jod als Spurenelement ist für einen gesunden menschlichen Körper unentbehrlich. Raut ist also in ihrer Ernährung auf Nahrungsergänzungsmittel angewiesen, da sie ansonsten aufgrund des Iod-Mangels mit schweren gesundheitlichen Folgen wie Schilddrüsenunterfunktion, Kropfbildung, bis hin zu Brustkrebs und Hirnschäden rechnen müsste. Auch ihre Kinder könnten unter dem Mangel leiden und mit körperlichen Schäden zur Welt kommen oder unter Entwicklungsstörungen leiden. 

Und Raut ist bei weitem nicht die Einzige. Der indische Subkontinent ist für seinen Iod-armen Boden bekannt. So hat das 'Indien Journal of Medical Research' festgestellt, dass die indische Bevölkerung am stärksten von IDD (Iodine deficiency disorder) gefährdet ist. 
IDD kann also zu langfristigen Schäden führen - allerdings ist die Gegenmaße denkbar simpel und zu 100% effizient: für einen Erwachsenen eine tägliche Dosis in Höhe von 150-200 Mikrogramm Iod.
Die einfachste Methode, die erforderliche Menge zu sich zu nehmen, ist durch den Verzehr von Iod-haltigem Salz. Studien belegen allerdings, dass zwar 91% aller indischen Haushalte über Iod-haltiges Salz verfügen, aber gerade mal 71% aller Inder die empfohlene Menge auch wirklich zu sich nehmen. Was bedeutet: rund 350 Millionen Menschen im ganzen Land sind einem IDD-Risiko ausgesetzt, allen voran diejenigen, die in ländlichen bzw. abgelegenen Gegenden leben. 

Und hier kommt 'Grey for Good' ins Spiel. Die Organisation ist der philanthropische Arm der in Singapur stationierten Marketing & Advertising Firma Grey Group, die das Problem erkannt und eine elegante Lösung präsentiert.
Viele Frauen in Indien tragen ein Bindi auf der Stirn, einen meist roten Punkt, der mittig zwischen den Augenbrauen gemalt oder aufgeklebt wird. Grey for Good hat dies zu einem Iod-beschichteten Bindi inspiriert, dass als tragbares Nahrungsergänzungsmittel fungiert, wenn es mindestens für 4 Stunden auf der Haut getragen wird. 

In Zusammenarbeit mit der indischen NGO Neelvasant Medical Foundation and Research Center, hat die Organisation im März dieses Jahres eine Kampagne in Delhi und Maharashtra gestartet, um diese besonderen Bindis an mehr als 30.000 Frauen zu verteilen - auch in Rauts Gemeinde. 

a little red dot is saving live body1.jpgImage: Flickr: Vinoth Chandar

Jedes einzelne Bindi ist mit ca. 150-200 Mikrogramm Iod beschichtet, dass über die Haut aufgenommen werden kann. Die Effektivität dieser Methode hängt allerdings von individuellen Eigenschaften wie zum Beispiel der Dicke und Schwitzfähigkeit der Haut ab. Im Durchschnitt allerdings absorbieren die Träger dieser Bindis ungefähr 12% der täglich notwendigen Dosis an Iod, wie Prachi Pawar, Präsidentin und Ophthalmologin des Neelvasant Medical Foundation and Research Centers herausgefunden hat. Im übrigen haben die Bindis keinerlei Nebenwirkungen.  

Wichtiges Element des Projekts ist allerdings nicht nur die Verteilung der Iod-Bindis, sondern auch eine verbreitete Aufklärungs-Kampagne darüber, welche wichtige gesundheitliche Aspekte eine auszureichende Iod-Aufnahme für alle Familienmitglieder haben kann, und wie man Iod ganz einfach in die tägliche Nahrungsaufnahme, z.B. durch Iod-Salz, einbauen kann. 

"Die meisten Familien im ländlichen Maharashtra benutzen Kristallsalz, dem kein zusätzliches Iod beigesetzt ist, um Lebensmittel zu konservieren.", sagt Pawar. Sie erklärt weiter, dass viele das gleiche Salz auch zum kochen benutzen, da es schlichtweg überall erhältlich ist. "Wir waren neugierig, warum Familien kein Iod-haltiges Salz aus dem Supermarkt kauften, aber als wir nachfragten, konnten uns die Familien gar keinen Grund nennen. Die Bedeutung von Iod war ihnen schlichtweg nicht bewusst."

Und während die Auswirkungen von IDD Frauen und Männer gleichermaßen treffen können, wurden im Rahmen der Kampagne vor allem Frauen angesprochen. "Frauen sind die Grundpfeiler einer jeden Familie. Sobald sie von etwas überzeugt sind, beeinflussen sie die gesamte Familie. Außerdem ist Iod enorm wichtig während einer Schwangerschaft, denn dann benötigen Frauen fast die doppelte Menge. Nur wenn das gewährleistet werden kann, können auch Neugeborene vor Mangelerscheinungen und gesundheitliche Schäden bewahrt werden.", fasst Prachi Pawar zusammen. 

Die zweite Phase der 'Life Saving Dot' Kampagne soll laut Planung in den nächsten Monaten starten, um mit den Iod-beschichteten Bindis noch mehr Frauen zu erreichen. Die Organisation Grey for Good bestätigt, dass das Projekt auch weitere, vor allem ländliche Teile Indiens in Angriff nehmen wird. Hierzu soll eng mit einer Anzahl an anderen NGOs zusammen gearbeitet werden, die sich an einer Partnerschaft sehr interessiert gezeigt haben.

Zurück zu Raut: wie viele andere Frauen auch findet auch sie den Gebrauch der Iod-beschichteten Bindis einfach und effektiv. Und es freut sie, dass ein wichtiger Beitrag zur eigenen Gesundheit so schnell und einfach gelöst werden kann und ihr den Freiraum gibt, sich wieder auf andere Dinge zu konzentrieren. 


Aus dem Englischen von Priti Salian, eine in Bangalore stationierte Journalistin, die unter anderem für Publikationen wie The Christian Science Monitor, Prevention, The National gearbeitet hat. Übersetzung von Global Citizen.