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Hunger & Ernährungssicherheit

7 unerwartete Fakten zum Thema Ernährungssicherheit

Vorab: Ernährungssicherheit hat nichts mit Vorhängeschlössern an Kühlschränken oder so zu tun. Und nein, auch keine hochentwickelten, bewegungsgesteuerten Lasersensoren, die den Kühlschrank hermetisch abriegeln. 

Fridge.jpgImage: Bluesci

Wenn von Ernährungssicherheit die Rede ist, dann ist im Allgemeinen die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln so wie die Produktion und der Zugang zu Lebensmitteln gemeint. Dabei kann der Begriff sowohl auf Landes- und Gemeinschaftsebene bis zum einzelnen Individuum hin angewendet werden. Heißt: ein Land kann um seine Ernährungssicherheit ebenso bemüht sein wie eine Familie oder ein einzelner Mensch.

Und wenn man mal einen Blick auf die Landesebene vor allem in Entwicklungsländer wagt, kann man ganz unterschiedliche Situationen feststellen: es gibt Länder die recht zuverlässig das ganze Jahr hindurch, und somit auch in Dürreperioden, Lebensmitteln produzieren können, während andere Länder enorme Schwierigkeiten haben. Einige Länder können Getreide und weitere Grundnahrungsmittel in ihre landesweiten Gemeinden transportieren, während in anderen Ländern die fragile Infrastruktur (Straßen, Schienen und/oder Seewege) solche Transporte nicht zulässt. Es gibt Länder, in denen nahezu jeder Bewohner sich ein gewisses Angebot an Lebensmitteln leisten kann, während in anderen Ländern Millionen Menschen über keinerlei finanzielle Mittel verfügen, um sich eine ausgewogene und gesunde Ernährung zu leisten. Und die Liste könnte endlos weitergehen...

Im Jahr 1996 wurde auf dem damaligen Welternährungsgipfel in Rom die Schlussfolgerung verfasst, dass man ,,erst dann von Ernährungssicherheit sprechen kann, wenn jeder Mensch weltweit, zu jeder Zeit, physischen und ökonomisch erschwinglichen Zugang zu ausreichenden, gesicherten und nahrhaften Lebensmittel hat, so dass er sich eine ausgewogenen Ernährung leisten kann, die ihm ein aktives und gesundes Leben ermöglicht". Ich finde, dass trifft den Nagel so ziemlich auf den Kopf.

Halten wir fest: Ernährungssicherheit ist enorm wichtig

Eine 'gesicherte' Ernährung ermöglicht es Menschen, gestärkt und selbstbewusst ihre eigene Zukunft zu planen, die Energie aufzubringen einen Arbeitstag anpacken zu können, und gesundheitliche Probleme und Einschränkungen zu vermeiden, die eine Fehlernährung mit sich bringen. Klingt alles logisch und nach gesundem Menschenverstand? Oh ja. Sollte also die Grundvoraussetzung für das Leben eines jeden Menschen sein? Leider nicht. Die erschreckende Realität ist, dass mehr Menschen einer Ernährungsunsicherheit gegenüber stehen, also es weltweite Ernährungssicherheit gibt.

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen schätzt, dass allein zwischen 2011 und 2013 annähernd 842 Millionen Menschen täglich chronischem Hunger ausgesetzt waren - und diese Zahlen berücksichtigen nicht einmal all die Gemeinden, die grundsätzlich betrachtet durchaus in der Lage sind, ihre Bewohner mit Lebensmitteln zu versorgen, allerdings Dürreperioden, Naturkatastrophen oder anderen Gründen für Ertragsausfälle kaum Stand halten können.

Hier also die versprochenen 7 unerwarteten Fakten zum Thema 'Ernährungssicherheit':
(zumindest waren sie für mich unerwartet)

1. Archäologen haben bei ihren Ausgrabungen im Mittleren Osten eine Getreidekammer entdeckt, deren Alter auf mehrere tausend Jahre geschätzt wird! Das heißt, dass bereits Menschen aus der Antike in Ägypten und China große Lebensmittelmengen gelagert haben - mit dem Wissen, dass das Überleben ihrer Dynastien und Königreiche auch maßgeblich von der Ernährungssicherheit abhängig ist. 

Han_Dynasty_Granary_west_of_Dunhuang.jpgRemains of a 2000 year old grain storage building on the Silk Road in Western China. Image: John Hill

2. Wenn Menschen aus Entwicklungsländern ihr Heimatland verlassen, dann häufig, um im Ausland Geld zu verdienen. Sehr viele schicken dann einen großen Anteil ihres Gehalts zurück in ihr Heimatland bzw. an ihre Familien und Freunde, um diese finanziell zu unterstützen. Diese Form von 'Finanzspritze' hat bereits erstaunliche Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit gehabt, da diese unterstützten Familien über ein solideres Einkommen verfügen, und sich somit eine ausgewogene und nahrhafte Ernährung leisten können.

3. Die weltweiten Preise für unterschiedlichste Lebensmittel sind in den vergangenen Jahren enorm gefallen. Das sind gute Nachrichten vor allem für arme Bevölkerungsgruppen - aber man darf nicht davon ausgehen, dass dieses Preistief für immer anhält. Im Gegenteil - die Wahrscheinlichkeit ist sogar ziemlich hoch, dass besagte Preise wieder sprunghaft ansteigen. Deswegen müssen wir jetzt die Zeit nutzen, jeden, der davon betroffen sein könnte, entsprechend darauf vorzubereiten. 

FAO prices.jpgSource: FAO

4. Die Anzahl an mangelernährten Menschen weltweit ist seit den Jahren 1990/92 bis heute um ganze 17% gesunken. Und die Zahl wird noch beeindruckender wenn man dabei berücksichtigt, dass im gleichen Zeitraum die Weltbevölkerung um einiges gewachsen ist. Wir machen also Fortschritte!

5. Süd-Ost Asien und Latein-Amerika gehören weltweit zu den Regionen, welche die meisten Fortschritte in Bezug auf eine stabile und kontinuierliche Ernährungssicherheit machen. Sehr gut! Muy bien! 挺好

bananachild.jpgImage: Bambu Productions/Iconica/Getty Images

6. Obwohl man an dieser Stelle auch mal erwähnen muss, dass in den vergangenen 20 Jahren in JEDER Region weltweit ein Rückgang an mangelernährten Menschen verzeichnet werden konnte. Das ist absolut großartig! Und was sagt uns das? Das wir auf dem richtigen Weg sind und es ist ABSOLUT möglich ist, dieses Problem zu lösen. Wir müssen nur weiterhin ambitioniert sein und in weitere Lösungen investieren.

7. Der Klimawandel stellt nicht nur eine enorme Gefahr für die weltweite Ernährungssicherheit dar, sondern birgt zudem das Potential, auch alle unsere bereits erzielten Fortschritte wieder zunichte zu machen. In einem kürzlich veröffentlichen Bericht der UN heißt es, dass der Klimawandel bereits erste spürbare Auswirkungen auf die weltweite Nahrungsmittelproduktion genommen hat, in dem Ernteerträge langsam aber sicher zurück gehen. Der Bericht sagt außerdem voraus, dass der Klimawandel dazu führen wird, dass Erträge aus der Fischerei, vor allem in tropischen Gebieten, um ganze 60% zurückgehen werden. 

hippo.jpgThese three African fishermen face an uncertain future due to climate change. Ok, that’s a lie… hippos mainly eat plants and grasses. Image: Issouf Sanogo/AFP

Warum eigentlich 7 Fakten?

Warum nicht 6? Oder 45? Ganz einfach: ich hab 7 in Anlehnung an den anstehenden G7-Gipfel gewählt. Die G7 ist eine Gruppe, die aus den sieben reichsten Industrienationen unserer Erde besteht, und diese Sieben werden sich nächste Woche in Deutschland treffen um über das derzeitige Weltgeschehen zu diskutieren und darüber, was global getan werden kann, um dieses Geschehen positiv zu beeinflussen.

Wir hier bei Global Citizen finden, dass einer der Punkte, den die G7 aufgreifen sollte, die Ernährungssicherheit sein sollte, und wie man diese für alle Menschen weltweit gewährleisten kann. So sollten Gemeinden, die über keine stabile Ernährungssicherheit verfügen, von den großen Industrienationen fordern dürfen, dass diese sich intensiv mit dem Kampf gegen den Klimawandel befassen. Denn den Ärmsten auf unserem Planeten fehlen nicht nur die Mittel für diesen Kampf - sie sind auch diejenigen, die am ungeschütztesten den Konsequenzen des Klimawandels ausgesetzt sind.

Falls du dich für den G7 in Deutschland interessiert und mehr darüber erfahren willst (ohne den ganzen langweiligen Nachrichtenkram drum rum), dann klick hier.

So, und eine letzte (aber super wichtige) Frage:

Was machst du eigentlich am 06. Juni? Noch nichts vor? (und selbst wenn: verschieben!) Denn wir Global Citizens treffen uns am Samstag dem 6. Juni zusammen mit einer erstklassigen Riege an Musikern, Politikern, Stars und weiteren Ehrengästen auf dem Königsplatz in München treffen, um gemeinsam ein Zeichen gegen extreme Armut zu setzen!

Lass dir diese Gelegenheit nicht entgehen! 2015 ist DAS entscheidende Jahr um nachhaltigen Einfluss auf die globale Entwicklungspolitik zu nehmen. Gemeinsam können wir die G7 dazu aufrufen, uns Gehör zu schenken und Ernährungssicherheit in den Mittelpunkt zu rücken, so dass den 795 Millionen hungernden Menschen auf unserem Planeten ein für alle mal geholfen werden kann! 

Sei dabei: am 06. Juni auf dem Königsplatz in München! Der Eintritt ist frei! register here!