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Gesundheit

2015 hätten 1,2 Millionen Kinder in Indien vor dem Tod gerettet werden können

Nach dieser Zahl muss man erst mal tief Luft holen. Ende Juni veröffentlichte UNICEF seinen Jahresbericht, in dem das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen über die Gesundheit aller Kinder dieser Welt berichtet. Das erschreckende Ergebnis gleich vorweg: Laut Bericht sind innerhalb eines Jahres 5,9 Millionen Kinder unter 5 Jahren gestorben. Davon waren es allein in Indien 1,2 Millionen Kinder
Das sind 3.288 Kinder PRO TAG oder 137 Kinder PRO STUNDE, die in einem einzigen Land an den Folgen von (überwiegend) vermeidbaren Krankheiten gestorben sind. 137 Kinder pro Stunde. Kann man sich das überhaupt vorstellen? 

Wahrscheinlich nicht. Was mich sich hingegen vorstellen kann, sind die Lösungsvorschläge, die ebenfalls im Bericht stehen, wie diese hohe Sterberate in Indien und dem Rest der Welt in den kommenden Jahren deutlich gesenkt werden kann.

Die häufigsten Todesursachen

A child getting vaccinated in IndiaFoto von Julien Harnels

Dem UNICEF-Bericht zufolge sterben Kinder unter 5 Jahren auf dem afrikanischen Kontinent südlich der Sahara sowie in Südasien am häufigsten an den Folgen von Lungenentzündungen und Durchfallerkrankungen. Ja richtig, Durchfallerkrankungen. Erkrankungen, die für die meisten Menschen in Europa überhaupt kein Problem darstellen.

Denn wenn hier jemand an Durchfall leidet, kann er Tag und Nacht zum Arzt gehen, sich ein Medikament in der Apotheke holen oder einfach viel und vor allem sauberes Wasser trinken. Das sieht in den ärmsten Regionen der Welt anders aus. Hier ist die nächste Apotheke nicht selten hunderte Kilometer weit weg und häufig steht kein sauberes Trinkwasser zur Verfügung. Das wichtigste bei einer Durchfallerkrankung - eine saubere Toilette! - ist für die meisten Menschen in Europa auch immer da, wenn man sie braucht. In Indien hingegen gibt es immer noch Gegenden, in denen es weit udn breit keine Toiletten gibt. Es haben sogar gerade einmal 40% der Bevölkerung Zugang zu einer funktionierenden Toilette. Viele müssen ihre Notdurft deshalb im Freien unter unhygienischen Bedingungen verrichten.

Mit einer Lungenentzündung verhält es sich ähnlich. Auch hier sind am häufigsten die betroffen, die keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, Sanitäranlagen oder einem funktionierenden Gesundheitssystem haben. Hinzu kommen Probleme durch Unterernährung und hohe Luftverschmutzung sowie die Folgen von Krankheiten wie zum Beispiel Keuchhusten, gegen die man in Europa schon als kleines Kind geimpft wird.

Obwohl sich in den vergangenen Jahren die Situation für viele Menschen auf der Welt verbessert hat, sterben trotzdem noch viel zu viele an diesen beiden Krankheiten. Allen voran Kinder, die gerade unter 5 Jahren noch mitten in ihrer Entwicklung stecken und am anfälligsten sind.

UNICEF child health 2016Quelle: UNICEF

UNICEF hat in seinem Bericht eine Zukunftsprognose abgegeben, die erschreckender nicht sein könnte: Denn zwischen 2016 und 2030 könnten ohne Verbesserungen weitere 69 Millionen Kinder unter 5 Jahren an den Folgen von Durchfallerkrankungen, Lungenentzündungen und anderen vermeidbaren Krankheiten sterben.

Die Welt muss deshalb so schnell wie möglich handeln!

Die Lösung des Problems ist so simpel

Boy with water in IndiaFoto von Scott Harrison

Die Lösungen für die Probleme liegen eigentlich auf der Hand. Was in den nächsten Jahren sichergestellt werden muss, ist vorneweg der Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitären Anlagen sowie eine gute Ernährung für alle Kinder dieser Welt. Alleine dadurch könnten bereits viele Leben gerettet werden. Außerderm sollten Regierungen in eine flächendeckende Impfung investieren, damit Kinder weniger an Keuchhusten oder ähnlichem erkranken und als Folge an einer Lungenentzündung sterben.

Eine flächendeckende Impfung wäre auch im wirtschaftlichen Interesse der Länder. Denn Statistiken zeigen, dass jeder US-Dollar, der in Impfungen investiert wird, sich mit 16 US-Dollarn auszahlt, die später durch mehr Arbeitskräfte zurück in die Wirtschaft fließen.

Die Welt gerechter zu gestalten und dabei zu helfen, die hohen Kindersterblichkeitsraten zu reduzieren, würde im Interesse aller Staaten dieser Welt liegen. Denn dann müssten weniger Menschen vor den ausweglosen Situationen in ihren Heimatländern fliehen.

Mit besseren Worten als sie der Direktor von UNICEF, Anthony Lake, gefunden hat, kann man das Ergebnis des diesjährigen UNICEF-Berichts und den Wunsch nach Veränderung kaum in Worte fassen: „Ungerechtigkeit ist eine Wahl. Die Gerechtigkeit aller Menschen und jedem Kind dieser Welt eine faire Chance ermöglichen, ist auch eine Wahl. Eine Wahl, die wir treffen sollten und treffen müssen. Für die Zukunft unserer Kinder und die Zukunft unserer Welt.”