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Bildung

Zehn Hürden, die überwunden werden müssen, damit alle Kinder zur Schule gehen können

Kinder in Entwicklungsländern müssen viele Hindernisse überwinden, um eine gute Schulbildung zu bekommen. Manche sind ganz offensichtlich – zum Beispiel wenn es einfach keine Schule gibt. Andere hingegen sind subtiler, wenn etwa Lehrer unterrichten, die nie eine Ausbildung genossen haben.

Die Hindernisse zu kennen, ist die Voraussetzung, um an Lösungen zu arbeiten zu können. Das tut unter anderem die Globale Bildungspartnerschaft (GPE). Sie ist ein globaler Zusammenschluss von 60 Entwicklungsländern und 20 Geberländern. GPE arbeitet daran, dass alle Kindern weltweit eine Grundschule besuchen können.

Wir werfen nun einen Blick auf die Liste der zehn wesentlichen Bildungsbarrieren und die passenden Lösungen.

1. Finanzierungslücken für Bildung. Oder: Geld, es fehlt Geld!  

Image: The Global Partnership for Education

Während GPE viele Entwicklungsländer dabei unterstützt, ihre staatseigenen Haushaltsposten für Bildung zu aufzustocken, fällt die globale Spendenrate für Bildung in erschreckendem Maße ab. Die Menge der gesamten Hilfen reduzierte sich in den Jahren 2009 bis 2012 in fallender Linie um 16 Prozent. Die Hilfe für eine Basisbildung ist wieder auf dem Level von 2008 angelangt. Dies erzeugt eine globale Finanzierungskrise mit ernsthaften Folgen für die Möglichkeiten der Länder, Kinder zur Schule zu schicken und lernen zu lassen.

Bei der aktuellen GPE-Geberkonferenz in Dakar entscheidet sich nun, wie viel Geld in den kommenden drei Jahren für Bildung in Entwicklungsländern zur Verfügung stehen wird.

2. Keine Lehrer oder Lehrer ohne Ausbildung

Plan UK: Lensa Kebede teaches her Kindergarten class in Addis Ababa, Ethiopia.

Was ist das A und O, das ein Kind zum Lernen braucht? Ein Lehrer natürlich! Wir stehen vor einigen Herausforderungen, wenn es um die Lehrer geht. Selbst in Deutschland machte der bevorstehende Lehrermangel an Grundschulen kürzlich Schlagzeilen. Das lässt ahnen, wie dramatisch die Lage dann erst in Entwicklungsländern sein muss. Viele Lehrer arbeiten, obwohl sie keine Ausbildung haben – und nicht alle können den Kindern Grundlagen wie Rechnen oder sprachlichen Fähigkeiten vernünftig vermitteln. Global, so schätzt die UN, werden rund 69 Millionen (!) neue Lehrer gebraucht, um das festgelegte Ziel zu erreichen, bis 2030 alle Kinder mit qualitativer Schulbildung zu versorgen.

Im Jahr 2016 hat GPE dazu beigetragen, weltweit 238,000 Lehrer auszubilden. Wenn die Geberkonferenz erfolgreich verläuft, kann GPE dafür sorgen, dass noch mehr Lehrer ausgebildet werden und Bildung die Aufmerksamkeit bekommt, die sie verdient.

3. Lehrer? vielleicht. Klassenzimmer? Fehlanzeige.

Plan UK: Children in South Sudan learn under a mango tree after their school was destroyed by civil war.

Das scheint ziemlich einleuchtend zu sein – wenn du kein Klassenzimmer oder einen ruhigen Ort hast, an dem du lernen kannst, wird das alles nichts. Aber dies wiederum ist für Millionen von Kindern weltweit Realität. Kinder werden in vielen Ländern Afrikas in der unteren Sahara in überfüllte Klassenräume gepresst, in Klassenräume, die auseinander fallen, oder sie sitzen draußen im Freien. In Malawi zum Beispiel sind im ersten Schuljahr im Durchschnitt 130 Kinder in einem Klassenraum. Jedoch nicht nur das Fehlen von Klassenzimmern ist ein Problem: Auch all die Grundeinrichtungen fehlen, die man von einer Schule eigentlich erwartet, wie fließendes Wasser oder Toiletten. Im Tschad hat nur eine von sieben Schulen Trinkwasser, und nur eine von vieren hat Toiletten. Darüber hinaus sind lediglich ein Drittel der Toiletten nur für Mädchen – ein wirklich abschreckendes Hindernis für Mädchen, zur Schule zu kommen.

Von 2011 an hat die Förderung von GPE dazu beigetragen, 53.000 Klassenzimmer zu bauen oder zu restaurieren. Wenn das benötigte Geld von Geberländern wie Großbritannien eintrifft, kann GPE sicherstellen, dass viel mehr Kinder in ordentlichen Klassenzimmern lernen können.

4. Keine Bücher, kein Lernmaterial

Plan UK: A girl in class in Mozambique.

Veraltete und zerfledderte Schulbücher werden in vielen Teilen der Welt oft von sechs oder mehr Schülern geteilt. In Tansania haben zum Beispiel nur 3,5 aller Schüler im sechsten Schuljahr ein eigenes Lehrbuch. In Kamerun haben im zweiten Schuljahr elf Grundschüler ein Textbuch zusammen und dreizehn ein Rechenbuch. Arbeitshefte, Übungsblätter, Lesebücher und andere Kernmaterialien, die den Kindern beim Lernen helfen, gibt es nur als rares Angebot. Auch Lehrer brauchen Materialien: zur Vorbereitung ihres Unterrichts, um sie mit den Schülern teilen und den Lernstoff anleiten zu können. 

GPE half dabei, 146 Millionen Lehrbücher an Schüler in Äthiopien zu verteilen und so die Qualität an rund 40.000 Schulen zu verbessern.

5. Der Ausschluss von Kindern mit Behinderungen

Plan UK: A mother walks her blind daughter to school in Togo.

Ungeachtet der Tatsache, dass Bildung ein universelles Menschenrecht ist, bedeutet die Verweigerung der Schulaufnahme auf der Welt für 93 Millionen Kinder mit Behinderungen Normalität. In den ärmsten Ländern der Welt sind die Kinder oft bis zu 95 Prozent von der Schule ausgeschlossen. Das Zusammenwirken von Diskriminierung, fehlender Ausbildung der Lehrer in inklusiven Lehrmethoden, dem schlichten Nichtvorhandensein von Schulen, an denen die Kinder mit Behinderungen aufgenommen werden, lässt diese Gruppe besonders verletzlich und ohne eine Chance auf Gewährung ihrer Menschenrechte zurück.

GPE setzt sich für Inklusion in den Schulen ein. Dieses Beispiel aus Äthiopien zeigt, dass es schon Fortschritte gibt.

6. Das „falsche“ Geschlecht haben

Plan UK: Girls can often be denied an education by poverty, conflict and discrimination.

Das Geschlecht ist immer noch eines der wesentlichsten Ursachen dafür, dass bestimmten Kindern Bildung verwehrt wird. Trotz jüngster Fortschritte in der Bildung von Mädchen: Eine ganze Generation junger Frauen wurde abgehängt. Über 100 Millionen junge Frauen in den Entwicklungsländern sind nicht in der Lage, einen Satz zu lesen. Zumindest einem von fünf heranwachsenden Mädchen auf der Welt wird der Zutritt zur Bildung durch die alltäglichen Realitäten von Armut, Streit und Diskriminierung verwehrt. Die Armut zwingt viele Familien dazu, ein Kind auswählen zu müssen, das in die Schule geschickt werden kann. Mädchen scheiden dann oft aus, getreu dem Glauben, dass es weniger Wert hat, ein Mädchen auszubilden als einen Jungen. Stattdessen werden sie zur Arbeit geschickt oder im Haus behalten, um nach den Geschwistern zu sehen und Hausarbeit zu verrichten.

Seit der Gründung hat GPE 38 Millionen Mädchen geholfen, eine Schule zu besuchen. 64 Prozent der Entwicklungsländer, die GPE unterstützt, haben mittlerweile ungefähr gleich viele Mädchen und Jungen, die einen Grundschulabschluss schaffen.

7. Krieg und Konflikte
Plan UK: The ruins of a former school in South Sudan. Following a 20 year civil war, only 16% of schools in the region operate in permanent buildings.

Es gibt viele Opfer in jedem Krieg, das Bildungssystemwird wird oft völlig zerstört. Das scheint zwar klar und einfach, dennoch können Kriegseinflüsse nicht überschätzt werden. Laut Unicef lebten 2017 ungefähr 50 Millionen Kinder weltweit in Kriegsgebieten und können deshalb nicht (regelmäßig) zur Schule gehen. Konflikte behindern Regierungen in ihrer Funktion, Lehrer und Schüler fliehen oft aus ihrem Zuhause, die Kontinuität des Lernens ist oft tief zerrissen. Beunruhigend ist, dass Bildung bis jetzt in der humanitären Hilfe in Krisengebieten nur eine sehr geringe Rolle spielt - nur 1,4 Prozent der humanitären Hilfen wurden im Jahre 2012 für die Bildung aufgewandt. 

Seit ihrer Einrichtung hat Global Partnership 61 Prozent ihrer Gelder an Staaten fließen lassen, die durch Kriegshandlungen stark geschwächt sind. Von den 29 Millionen Kindern, die die GPE hofft, zwischen 2015 und 2018 auf eine Schule schicken zu können, leben 23 Millionen in eben diesen kriegsgeschwächten Ländern.

8. Entfernung zwischen Zuhause und Schule

Plan UK/Richard Wainwright: 13-year-old Saumon from Cambodia travelling home.

Für viele Kinder in der Welt ist ein Schulweg von bis zu drei Stunden nichts ungewöhnliches. Allerdings wird ein solcher Schulweg für einige Kinder, zum Beispiel für Kinder mit einer Behinderung oder für diejenigen, die an Unterernährung oder Krankheiten leiden, zu einer nahezu unmöglichen Hürde. Das gilt auch für die Kinder, die zu Hause bleiben müssen, weil sie dort ihrer Familie im Haushalt oder auf dem Feld helfen müssen.
Stell dir vor, du müsstest dich jeden Morgen hungrig um 5 Uhr früh auf den Schulweg machen und kämest abends nicht vor sieben Uhr nach Hause. Viele Kinder, besonders Mädchen, sind außerdem anfällig für gewaltvolle Übergriffe auf ihrem langen Weg in die Schule. 

Indem man in neue Schulen und mehr Schulen investiert, trägt Global Partnership for Education dazu bei, die Entfernungen zu reduzieren, die Kinder oft auf dem Weg in eine ordentliche Schule zurücklegen müssen. Mit dem Spendenversprechen der Geber kann GPE zuverlässig dazu beitragen, dass kein Kind mehr solch lange Reisen auf sich nehmen muss, nur um sein Grundrecht auf Bildung einlösen zu können.

9. Hunger und Mangelernährung

Plan UK: Students eat a breakfast of rice and vegetables at a primary school in Cambodia.

Über den Einfluss von Hunger auf die Bildungssysteme wird folgenschwer selten berichtet. Schwere Mangelernährung kann zu einer Unterversorgung des Gehirns führen und dasselbe bedeuten wie der Verlust von vier Schuljahren. Ungefähr 171 Millionen Kinder in den Entwicklungsländern sind durch Hunger unterentwickelt, wenn sie ihr fünftes Lebensjahr erreichen. Die Unterentwicklung kann sowohl das Gehirn der Kinder betreffen als auch ihre Aufmerksamkeit und Konzentration in der Schule. Als Folge davon sind unterentwickelte Kinder um 19 Prozent weniger in der Lage, im Alter von acht Jahren zu lesen. Im Gegenzug kann eine gute Ernährung die entscheidende Vorbereitung für ein gutes Lernen sein. 

Dort, wo Unterernährung ein Problem ist, greift GPE ein und spricht das Problem an. In Laos stellte GPE ein innovatives Schul-Ernährungsprogramm auf die Beine. Es nimmt einerseits die Ernährungsdefizite der Schüler in Angriff, andererseits unterstützt es Selbstständigkeit, Gemeineigentum und Nachhaltigkeit, indem es die lokale Herstellung von Nahrung integriert.

10.Der Preis für die Bildung (formelle und informelle Gebühren)

Plan UK: Schoolgirls walk arm-in-arm in Zimbabwe. Cost of uniforms, books and even pens can exclude children from education.

Die allgemeine Deklaration der Menschenrechte stellt klar, dass jedes Kind das Recht auf eine freie Grundbildung hat, so dass Armut und Geldmangel kein Hindernis für den Schulgang sein sollten. In vielen Entwicklungsländern haben die Regierungen in den letzten Jahrzehnten die Abschaffung des Schulgeldes beschlossen und verzeichneten in der Folge ein eindrucksvolles Ansteigen der Zahl der Kinder, die zur Schule gingen. Aber für viele der ärmsten Familien bleibt die Schule zu teuer und die Kinder werden gezwungen, daheim zu bleiben, Arbeit im Haus zu verrichten oder arbeiten zugehen. Die Familien bleiben gefangen im Armutszirkel - und das für Generationen.In vielen Ländern in Afrika, wo die Schule eigentlich nichts kostet, werden „informelle Gebühren“ erhoben. Die Eltern sind gezwungen, vorgeschriebene Artikel anzuschaffen, wie Uniformen, Bücher, Stifte, Extra-Lektionen, Prüfungsgebühren oder Fonds, um den Schulbau zu unterstützen. An anderen Orten bedeutet das Fehlen funktionierender öffentlicher Schulen, dass die Eltern keine andere Wahl haben, als ihre Kinder auf Privatschulen zu senden. Auch wenn dort die Gebühren objektiv gesehen „niedrig“ sein können - „low cost“, bleibt das völlig unerschwinglich für die ärmsten Familien, die mit ihren Anstrengungen für ein besseres Leben ihrer Kinder durch Bildung den eigenen Ruin riskieren. 

Der Hauptzweck von GPE ist es, die nationalen Bildungssysteme der ärmsten Länder zu stärken, indem man ihre Kapazitäten ausbaut und allen Bürgern Zugang zu guter Bildung ermöglicht. GPE kümmert sich dabei besonders um Kinder, die von Ausgrenzung betroffen sind und deshalb nicht zur Schule gehen können. Es werden Mittel und Wege gefunden, damit die ärmsten Familien ihre Kinder zur Schule schicken können.