Wie häufig hört man in den Medien von den schlimmen Tierquälereien auf der ganzen Welt. Festivals, bei denen Hunde misshandelt und anschließend geschlachtet werden, Elefanten, die brutal gezwungen werden, Kunststücke zu lernen und für Touristen aufzuführen, Tiger, die für ihr Fell und ihre Knochen gejagt und getötet werden.

Und auch wenn es gut ist, dass die Welt von solchen Missständen erfährt, damit dagegen vorgegangen werden kann, hört man doch viel zu selten von den vielen kleinen Orten, verstreut auf der ganzen Welt, an denen mutige Menschen und Organisationen sich tagtäglich dafür einsetzen, Tiere zu retten und ihnen ein neues, artgerechteres Leben zu ermöglichen.

Tieren gehört dieser Planet ebenso wie uns Menschen. Gemeinsam sind wir nur Gäste hier. Doch leider sind es die Tiere, die der Umweltverschmutzung und dem Klimawandel, alles durch uns Menschen verursacht, wehrlos ausgeliefert sind.
Das Tierreich zu schützen ist daher nicht nur unsere Aufgabe, sondern elementarer Teil zur Rettung unseres Planeten - unserer gemeinsamen Heimat.

Für den nächsten Trip in die Welt hinaus stellen wir euch hier neun Tierrettungsstationen vor, bei denen sich ein Besuch mehr als lohnt.  

1) Elephant Nature Park - Thailand

Heute ist Lek bei ihren Kollegen nur noch als die 'Elefantenflüsterin' bekannt. Vor über 20 Jahren rief sie den Elefanten Naturpark in Thailand ins Leben, ihre Leidenschaft gilt seit jeher dem Schutz dieser majestätischen Tiere. Denn gerade in Thailand sind Elefanten oft Misshandlungen ausgesetzt, sei es zur Bespaßung von Touristen oder in der Holzbeschaffungsindustrie.

In dem Auffang- und Rehabilitationszentrum allerdings blühen die misshandelten Elefanten wieder auf - dank Lek und ihrem unermüdlichen Einsatz. Viele Elefanten sind in einem erschreckenden Zustand, wenn sie zu Lek kommen. Sie haben ausgerenkte Hüften oder vernarbte Ohren von den Hakenstöcken (lange Stöcke mit Widerhaken am Ende, die Trainer einsetzen, um die Elefanten 'zum Gehorsam' zu erziehen). Viele der Tiere erleben im Elefanten Naturpark das erste Mal ein Leben ohne Schmerzen.

Besucher des Parks können die wunderschönen Tiere füttern und sogar selbst mit anpacken, wenn es heißt, Schlammbadezeit! Was man nicht sieht, sind Elefanten, die Kunststücke vorführen, tanzen, malen oder von Trainer malträtiert werden. Genauso wenig darf man auf den Elefanten reiten.

Zudem wird ein Teil der Zeit damit verbracht, den Besuchern wissenswertes über die Elefanten zu erklären und darauf aufmerksam zu machen, wie sensibel diese Tiere sind. Zudem hat man die Gelegenheit, mehr über die Lebensgeschichte eines jeden Elefanten im Parks zu erfahren. 

Wer immer sich also in nächster Zeit nach Thailand aufmacht, bitte die touristischen Elefantenshows links liegen lassen und stattdessen zum 'Elephant Nature Park' fahren, wo die Tiere sich Tag und Nacht frei bewegen können und die Pflege bekommen, die sie wirklich brauchen. Und mit etwas Glück, trifft man sogar Lek. Hier geht's zur Webseite des Parks. 

2) Lone Pine Koala Sanctuary - Australia

Als ich vor einigen Jahren in Australien war, besuchte ich den Zoo in Queensland / Australien. Der Zoo lockt seine Besucher damit, dass dies einer der wenigen Orte wäre, an denen Besuchern einen Koala auf den Arm nehmen können. Ich persönlich hab nur dabei zugesehen, wie die Leute um mich herum sich auf eine solche Foto-Gelegenheit mit den kleinen, verschlafenen Beuteltieren einließen. Und ich muss sagen, die Koalas sahen nicht gerade begeistert aus. Die kleinen Knäule schlafen bis zu 22 Stunden am Tag und dazwischen aufgeweckt zu werden, um mit Touristen Selfies zu machen ist nicht unbedingt deren Vorstellung von Spaß. 

Mal einen Koala halten zu dürfen ist leider immer noch ein großer Touristenmagnet, so dass viele Zoos sich darauf einlassen, gegen einen (nicht unerheblichen Aufpreis) solche Möglichkeiten anzubieten. Viele Zoos und Gemeinden sind auf solche Geldquellen angewiesen, wenn sie sonst keine Zuschauermagneten haben.

Das 'Lone Pine Koala Sanctuary' hat zumindest strikte Koala-Schlafzeiten. Jeder Koala darf nicht länger als 30 Minuten pro Tag für solche Zwecke gestört werden. Damit bleiben für die süßen Tiere mindestens 23,5 Stunden pro Tag übrig, die sie komplett mit Schlafen verbringen können, wenn sie wollen. 

3. Sloth Sanctuary of Costa Rica

Image: © R Richardson

1992 gegründet, ist das 'Sloth Sanctuary of Costa Rica' das erste Faultier-Auffangzentrum der Welt. Das Zentrum kümmert sich um verletzte, verstoßene und verwaiste Tiere. Besucher können auf geführten Touren alles über die faszinierenden Kreaturen lernen, eine Kanutour durch den Regenwald, das natürliche Zuhause der Faultiere, machen und alles darüber lernen, wie der größte Feind der Faultiere - der Mensch - die Zukunft dieser Spezies bedroht.

Auf Costa Rica leben zwei Arten von Faultieren. Der Bradypus variegatus (mit drei Fingern) und der Choloepus hoffmanni (zwei Finger). Beide Arten haben drei Zehen - man unterscheidet sie also an der Anzahl ihrer Finger. Bradypus und Choloepus sind dennoch zwei eigenständige, sich langsam bewegende, in Bäumen abhängende, sich von Blättern ernährende Säugetierarten. Der Grund warum diese Tiere so unglaublich langsam sind, hängt mit ihrem einzigartigen Stoffwechsel zusammen, der es ihnen erlaubt, hervorragend an das Leben im Regenwald angepasst zu sein.

Wissenschaftler im Faultierzentrum haben herausgefunden, dass Faultiere an Herzrasen erkranken können, was wiederum zum Tod führen kann, wenn sie falsch gehalten werden. Außerdem sind Faultiere enorm anfällig was Keime und Bakterien angeht. Daher dürfen Besucher des Zentrums die Tiere zwar von Nahem betrachten, aber nicht anfassen.

Auf der Seite SlothSanctuary.com kann man mehr über die Einrichtung erfahren und für die nächste Costa Rica Reise seinen Besuch buchen.*

4) Tiritiri Matangi Open Sanctuary - New Zealand

Diese 'Rettungsstattion' ist zugleich Teil eines riesen großen Umweltschutzprojektes.

In den 80ern haben Wissenschaftler Jahre damit zugetragen, die Insel wieder zu renaturieren (nachdem sie über Jahrzehnte als Farmland genutzt wurde) in der Hoffnung, damit auch einheimische Tiere wieder anzusiedeln. Und ihre harte Arbeit hat sich ausgezahlt! Heute ist nahezu die gesamte Insel ein offenes Schutzgebiet und wenn man so viel 'Rettungsstation', in dem vormals stark gefährdete Arten (wie zum Beispiel der fesche takahē) gedeihen und sich fortpflanzen können. 

Viele Wege führen nach Neuseeland. Man kann zum Beispiel von Auckland ein Schiff nehmen. Man sollte allerdings aufpassen, dass man die vielen Hinweise (zum Beispiel die eigenen Schuhe checken) genau beachtet, denn das Personal ist sehr darauf bedacht, die einheimischen Vögel und andere Arten vor eingeschleppten Krankheiten zu schützen.

Unter diesem Link hier gibt es viele weitere Informationen, die unglaubliche Lust auf eine Reise nach Neuseeland machen. 

5) Wechiau Community Hippo Sanctuary - Ghana

Image: Wikimedia: Paul Maritz

Entlang der Zuläufe und Windungen der Flüsse, die sich quer durch Afrika schlängeln, leben einige der gefährlichsten Tierarten dieser Welt. Flusspferde beispielsweise töten schätzungsweise 2.900 Menschen pro Jahr in Afrika. Die Tiere sind sehr leicht zu verängstigen und haben eine enorm schnelle Reaktion. Aufgrund der eher schwierigen Beziehung zwischen diesen Tieren und den Menschen, sind viele Flusspferdarten inzwischen ausgestorben oder aber vom Aussterben bedroht. 
In Ghana beispielsweise sind nur noch zwei Flusspferdarten übrig. Eine von ihnen lebt in der nord-westlichen Region entlang des 40km langen Black Volta Flusses. In dieser Region befindet sich auch das 'Wechiau Community Hippo Sanctuary' - 1999 ins Leben gerufen von ortansässigen Stammesführern. Das Zentrum bietet Besuchern die Möglichkeit, die großen Tiere aus sicherer Entfernung zu beobachten und zugleich über den Schutz dieser Tiere zu lernen.
​Hier geht's zur Webseite des Zentrums.  

6) The David Sheldrick Wildlife Trust - Kenya

Glaubt man den Worten meines Kollegen, ist das hier der 'beste Ort der Welt'. Die 'David Sheldrick Wildlife' Stiftung hat inzwischen über 150 verwaiste Elefantenbabies gerettet und ist damit die erfolgreichste Elefanten-Aufzuchtstation weltweit. Außerdem kümmert sich die Stiftung auch um Nashörner und leitet ein großes Anti-Wilderer Projekt zusammen mit anderen Entwicklungsprojekten, um einen ganzheitlichen Ansatz für den Natur- und Tierschutz zu schaffen.

Das langfristige Ziel des Zentrums ist es, die geretteten Elefanten für die Wildnis fit zu machen und in diese zu entlassen, wo sie frei und geschützt vor Wilderern ein gesundes und glückliches Leben führen können.

Wer mehr über die 'David Sheldrick Wildlife' Stiftung erfahren möchte kann sich hier auf deren Webseite umschauen. Kleiner Tipp: für großartige Fotos von Elefantenbabies mal die Facebook-Seite checken. 

7) Chengdu Research Base of Giant Panda Breeding - China

A photo posted by Leanne Petroff (@lealeapet) on

Fakt des Tages: Panda-Weibchen haben enorme Schwierigkeiten, schwanger zu werden. Sie haben nur einmal im Jahr einen Eisprung - was zeitlich gesehen schon kniffelig werden kann, wenn man parallel noch gegen schwindenden Lebensraum und Ausbeutung durch Menschen kämpfen muss.

Zum Glück gibt es Ort wie das 'Chengdu Research Base', dass nicht nur wichtige Pandaforschung betreibt, sondern sich auch die Aufklärung der Bevölkerung auf die Fahnen geschrieben hat. Für seine wertvolle Arbeit hat die UN das Zentrum sogar unter die Top 500 der wichtigsten Umweltschutzeinrichtungen weltweit gewählt. Hier kann man mehr erfahren und auch rausfinden, wie man das 'Chengdu Research Base of Giant Panda Breeding' Zentrum besuchen kann. 

8) Holly Hedge Animal Sanctuary - UK

Noch ein überraschender Fakt, leider kein erfreulicher: mehr als 7,6 Millionen Haustiere, allen voran Hunde und Katzen, haben kein Zuhause. Und das sind nur die, die in einem Tierheim leben und somit offiziell gezählt werden können. Und während es mit Sicherheit spannend und aufregend ist, die Welt zu bereisen und exotische Tiere kennen zu lernen, gibt es unzählige Rettungs- und Auffangstationen gleich vor unserer Haustür, die nicht nur unsere Aufmerksamkeit, sondern auch die ein oder andere helfende Hand brauchen.

Das 'Holly Hedge Animal Sanctuary' ist eines davon. Die Einrichtung kümmert sich um ausgesetzte, misshandelte, fast verhungerte Tiere, die meisten von ihnen Hunde und Katzen, aber auch Kaninchen, Mäuse, Meerschweinchen und viele mehr. Lokale Tierheime geben ihr bestes, den Tieren ein Dach über den Kopf zu geben und sich so gut es geht um diese zu kümmern. Aber ein 'echtes' und liebevolles Zuhause kann es natürlich nicht ersetzen.

Hier geht es zur Webseite der 'Holly Hedge Animal Sanctuary' - oder einfach mal Tierheime in der Nähe googeln! 

9) Woodstock Farm Sanctuary  - US

Natürlich darf man in so einer Aufzählung auch eins nicht vergessen: Tiere, die aus der Massentierhaltung und der Industrie gerettet wurden. Darunter Kühe, Schweine, Ziegen und Hühner. Diese Tiere zählen zu den weltweiten 'Konsumgütern', die wie am Fließband produziert werden, um den Appetit der Menschen auf Fleisch zu bedienen.
Einige werden diese Tiere vielleicht weniger süß finden als Elefantenbabies und Faultiere, aber wer immer die Zeit hat, sollte mal rausfahren und sich eines besseres belehren lassen. Auf der 'Woodstock Farm' Auffangstation kann man charmanten Schweinen den Bauch kraulen, mit niedlichen Ziegen durch die Gegend hüpfen und glückliche Hühner füttern. 

Hier geht's zur Webseite


Sind wir ehrlich: wenn man in der Welt unterwegs ist, ist es einfach, sich der Wanderlust hinzugeben und sich einfach treiben zu lassen. Was kann ich als einzelne Person schon ausrichten? Ob ich jetzt auf diesem Elefanten reite oder es der nächste Tourist tut, macht auch keinen Unterschied mehr. Ich will ein Foto.

Nein. Denn es fängt bei jedem einzelnen von uns an. Und wenn wir ganz GANZ ehrlich sind, wissen wird das. Auch im Urlaub. Nur wenn wir anfangen, können andere unserem Beispiel folgen. Nur so kann Veränderung eintreten. Denn ohne Nachfrage gibt es keinen Anlass mehr, z.B. Elefanten für Kunststücke zu quälen.

Tourismus ist eine wichtige Einnahmequelle für viele Länder, keine Frage. Und es hat die Kraft, einem Land und somit auch Bemühungen wie Umwelt- und Tierschutzprogrammen finanziell zu helfen. Allerdings darf darunter weder die Natur noch die Tierwelt leiden. Es liegt also in unserer Hand. Sich vor Antritt einer jeden Reise über die Bedingungen vor Ort schlau zu machen und Tierquälereien von vornherein aus dem Weg zu gehen, um stattdessen solche Schutz- und Auffangstationen zu besuchen, ist ein lohnenswerter Anfang. 


* Information über das 'Sloth Sanctuary of Costa Rica' wurden von Gerald R. Richardson in Unterstützung des 'Sloth Sanctuary' zur Verfügung gestellt.​

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Neun großartige Tier-Rettungsstationen aus der ganzen Welt, die man besuchen sollte

Ein Beitrag von Meghan Werft